Der hier vorliegende Leitfaden gründet auf einer Studie, die die Autoren in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für das Hochbegabte Kind e.V. (DGhK) durchführten. Zu diesem Zweck kamen eine Reihe von Datenerhebungsmethoden zum Einsatz. Zum Beispiel Auswertung detaillierter Protokollbögen, Erfragen der Ergebnisse von Telefoninterviews, Befragen von Lehrern in Grundschulen und Gymnasien und schriftliches Befragen von Schulpsychologen zu den Gründen, aus denen Eltern und Lehrer hochbegabter Kinder bei Experten Beratung suchen. Die gewonnenen Daten wurden im Hinblick auf typische und schwierige Beratungsanlässe wie auch Beratungssituationen analysiert, mit denen sich die Berater der DGhK und die schulpsychologischen Dienste konfrontiert sahen. Im Anschluss an diese Erhebungen und deren Auswertungen erfolgte gemeinsam mit den Beratern der DGhK und einzelnen Schulpsychologen das Erarbeiten von Strategien, die dazu geeignet schienen, die Beratungstätigkeit zu optimieren. Darauf aufbauend wurde der Beratungsleitfaden erstellt. Dieser Leitfaden berücksichtigt explizit die Beratung durch ehrenamtliche Kräfte. Seine Anwendung setzt keine psychologisch-beraterische Ausbildung voraus. Die Autoren behaupten, dass dieser von Lehrern wie Lehramtsstudenten eine große Hilfe seien. Auch Berater finden Hintergrundinformationen und Anregungen.
Ziel des Leitfadens ist, mich möglichst praxisnah in der Beratung von Eltern und deren Bezugspersonen hochbegabter Kinder sowie von hochbegabten Jugendlichen selbst zu unterstützen. Die Autoren vermuten, dass die vorgestellten Beratungstechniken bekannt seien und beim Lesen wiedererkannt würden, „weil Sie sie bereits automatische anwenden.“ Allerdings würden die transparent gemachten Techniken die Chance erhalten, dass die Anwender an ihrer Ausgestaltung pfeilen,, sie erweitern, sie gezielter einsetzen und auch, sich ihrer bereits vorhandenen Kompetenzen bewusst werden. Auf dieser Grundlage könnten Leser Beratungsgespräche dann mit größerem Selbstbewusstsein führen. Der Hauptteil des Beratungsleitfadens orientiert sich in seinem Aufbau am chronologischen Verlauf eines Beratungsgespräches. Hier handelt es sich um drei Kompetenzbereiche:
Kommunikative Kompetenz
Selbstkompetenz
Sachkompetenz
In Form eines Exkurses zwischen Teil eins und Teil zwei: Besonderheiten der Beratung in Gruppen werden zusätzlich spezifische Aspekte der Gruppenberatung dargestellt. Dieser Teil ist für jene Berater gedacht, die sich mit dem Gedanken tragen, Gesprächskreise für Interessierte zu gründen bzw. bereits einen solchen Kreis leiten.
Der mir vorliegende Leitfaden ist für mich übersichtlich und ein praxiszentrierter Wegweiser zur Begabungsberatung. Auch im zweiten Teil werden mir spezifische Sachkenntnisse zu sogenannten Problem- und Fragestellungen, die in Verbindung mit kognitiver Hochbegabung auftreten, sowie Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt. Das Problem des Underachievements sowie auch Mobbing, Eltern-Kind-Konflikte sowie Suizidalität geben die Autoren sachkundig und aufklärend ein. Dr. Karl-J. Kluge