Ein wertvolles Werk, um sich ab dem Säuglingsalter in die Lage von Hochbegabten hineinzuversetzen. Mit großem Einfühlungsvermögen und unverblümtem Blick für die Realität führt die Autorin den Leser in die Welt von hochbegabten Kindern, die den meisten Menschen verborgen bleibt oder der sie gar mit Unverständnis und Neid begegnen. Sie macht Schluss mit dem landläufigen Vorurteil, Hochbegabte seien weltfremde Streber mit immer guten Schulnoten. Dem Leser wird schnell klar, dass Hochbegabung nicht immer eine Gnade für die Betroffenen ist. Er sieht durch die Augen hochbegabter Geschwisterkinder, die er vom Babyalter bis zum Gymnasium begleitet.
Gleichzeitig werden diese Erfahrungen theoretisch untermauert und die Arbeit der Hochbegabtenförderung e.V. vorgestellt. Es wird offenkundig, dass Schulen in der Regel bei der Erkennung und Förderung hoch begabter Kinder versagen. Schule setzt auf Anpassung und Mittelmaß. Betroffene Eltern und ihre Kinder, aber auch engagierte Lehrer, stehen ziemlich allein da. Die Autorin schlägt vor, dass Lehrer vor Übernahme eines Unterrichts "drei Jahre erfolgreich gearbeitet" (S. 196) haben sollten - ein interessanter Aspekt für die deutsche Lehrerausbildung.