Wer sich dem Phänomen Hochbegabung nähern und nahezu sämtliche Aspekte dazu in Blick nehmen möchte, wird mit diesem Handbuch sehr zufrieden sein. Es enthält eine Fülle an Gesichtspunkten und eine naheliegende Auseinandersetzung mit anderer Forschungsliteratur.
Vor allen Dingen nimmt das Autorenduo den Alltag mit hochbegabten jungen Menschen ernst und zeigt auf, in welchen Fällen es zu besonderen Herausforderungen kommen kann. Auch das Schulleben spielt eine erhebliche Rolle und wird immer wieder angesprochen.
Hochbegabung selbst wird nahezu ausschließlich positiv und zumeist als unproblematisch angesehen. Hierin liegt m.E. ein kleines Manko des Handbuches, da Familien, die besondere Probleme in punkto Hochbegabung haben, sich nicht ganz ernst genommen fühlen können. So wird die Hochsensibilität fast unter den Tisch gekehrt und viele Probleme als nur für wenige Hochbegabte zutreffend abgestempelt. Das mag zwar aus der subjektiven Sicht der Autoren so sein; hilfreich ist es aber nicht, wenn so getan wird, als würden sich Personen mit andereren Erfahrungen etwas einsuggerieren lassen.
Der Bereich der künstlerich-musisch-religiösen Couleur ist leider insgesamt etwas unterbelichtet. Hochbegabung führt eben nicht automatisch zu guten oder besseren Noten und auch eine Förderung in Sonderklassen ist nicht nur positiv zu sehen. Hier hätte ich mir mehr gewünscht, dass auf die ANDERE Weise des Lernens und der Lernzugänge stärker eingegangen worden wäre ...
Dennoch ist es schön, dass hier Hochbegabung grundsätzlich als etwas Schönes vor Augen geführt wird.
Auf fast 280 Seiten wird vielseitig das Phänomen Hochbegabung in seinen verschiedenen Facetten angesprochen und ausgesprochen ansprechend zur Sprache gebracht.
Ein Register rundet ein rundum empfehlenswertes Buch ab.
Sehr empfehlenswert!