Da ist es nun endlich. Manch Geocacher-Seele schäumt bereits, erdreistet sich Bernhard Hoëckers doch tatsächlich mit unserem geliebten, ach so geheimen Hobby Geld zu verdienen. Einem weiteren Teil der Geocaching-Gemeinde wird das Buch auch schlichtweg egal sein und ein ' wie ich denke ' nicht unerheblicher Teil der Community, freut sich auf ein tolles Buch mit fantastischen Lost Place Bildern und lustigen, bissigen und interessanten Texten des Comedians.
Ich zähle mich zur letztgenannten Gruppe, versuche aber dennoch, das Buch so unvoreingenommen wie möglich, zu betrachten.
Nach einem kurzen Vorwort Hoëckers ist man auch gleich 'mittendrin' ' den Anfang macht ein 32 Seiten starkes Kapital über einen der bekanntesten und interessantesten Lost Places Deutschlands, die Beelitzer Heilstätten. Das Kapitel wird mit vielen, teils großformatigen Bildern der Heilstätten angereichert, schließlich handelt es sich ja auch um einen Bildband. Gleich in diesem ersten Kapitel greift er auch die rechtliche Problematik des Betretens solcher Lost Places recht humorig auf.
Im Anschluss folgt ein How To-Artikel über den korrekten Umgang mit Lost Places, der richtigen Ausrüstung u.s.w. ' wenn auch witzig geschrieben, sind das auch Punkte die sich jeder Geocacher zu Herzen nehmen sollte. Es folgen weitere Kapitel über verschiedenste Lost Places so zum beispiel das ehemalige Diamaltwerk München oder ein verlassenes NVA-Hotel in Thüringen. Doch die Beschreibungen der Lost Places unterscheiden sich jedesmal in Art und Weise, einmal als Komplettlösung eines fiktiven Computerspiels ein anderes mal als fiktive Agentenstory. So kommt keine Langeweile auf und ich habe Kapitel für Kapitel verschlungen.
Gerade diese abwechslungsreiche Art die Lost Places vorzustellen macht das Buch zu mehr als einem x-beliebigen Bildband vergessener Orte. Ganz klar, man muss Hoëckers Art mögen, denn auch wenn es viele interessante Fakten zu lesen gibt, so driften die Texte doch oft auch ein wenig zu sehr in den Comedy-Bereich ab.
Positiv anmerken möchte ich, dass in der Regel komplett auf ausführliche Ortsangaben verzichtet wird. Ganz klar, wer Google bedienen kann wird die Lost Places sicherlich finden können ' aber dennoch finde ich diese Entscheidung der Autoren gut. Am Ende des Buches gibt es dann auch noch einen 'BILDVERORTUNGSBEMERKUNGSANHANG' wo man auf diese Problematik noch einmal eingeht und zu vielen Bildern auch weitere, sachliche Fakten liefert.
Fazit:
Als Lost Place Fan gehöre ich auf jeden Fall zur Zielgruppe dieses Buches. Wenn man dann auch noch die Art Comedy Hoëckers mag, kann man eigentlich nichts mehr falsch machen. Ich wurde zumindest 256 Seiten lang prächtig unterhalten, habe viel Lachen und Schmunzeln müssen und konnte mich an beeindruckenden Lost Place-Bildern erfreuen. Wenn man nach 256 Seiten wehleidig das Buch zuschlägt und es schade findet, dass es schon vorbei ist, dann haben die Autoren auf jeden Fall alles richtig gemacht. 'Hoëckers Entdeckungen' ist aber keines der Bücher welches man nach dem einmaligen Durchblättern weglegt ' ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es fortan öfters mal zum Blättern, Schmökern in die Hand nehmen werde.
Ich kann daher meine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen und hole mir schon mal das Popcorn für das sicher nicht ausbleibende 'Bashing' der Kritiker und No Press-Befürworter ' wobei ich anmerken muss, dass ich deren Argumente bis zu einem gewissen Punkt durchaus nachvollziehen kann. Diese Review findet Ihr in einer längeren Variante auch auf geocaching-dessau.de!