Wer Adolf Hitler und das Dritte Reich kennt, wird mit dem Namen von Hjalmar Schacht ebenfalls etwas anfangen können und ich denke das insbesondere die damaligen Geldströme einer genaueren Untersuchung es wert wären, insbesondere diejenigen vor 1933 und etwas präziser die während der Krisenjahre der Weimarer Republik. Hjalmar Schacht war der einflussreichste Bankier in dieser Zeit und diente danach auch Hitler bis er 1938 in Ungnade viel. Wer war der Mensch Hjalmar Schacht? Was trieb ihn an und was dachte er? Schnörkellos und ohne Legendenbildung können wir uns im Buch HJALMAR SCHACHT nun dieser Person nähern.
Ich denke es bedarf mehr sauber recherchierter und sachlicher Literatur zum Thema des Dritten Reichs, mehr Kritik bare auch mehr Selbstreflexion, mehr Distanz zu Meinungen und bereits geschrieben, damit man die Fehler der Vorgänger nicht wiederholt. Das Buch HJALMAR SCHACHT von Christopher Kopper hat sich dies auf die Fahne geschrieben, sauber, kritisch und vorurteilsfrei.
Ich hatte mir gewünscht etwas über die Finanzierung der DAP / NSDAP, der SA und der SS zu lesen, insbesondere der Zeit zwischen 1919 und 1923, aber auch in den Jahren 1923 bis 1932 gingen interessante Dinge vor sich. Das Buch HJALMAR SCHACHT von Christopher Kopper widmet sich aber vor 1933 dem Bankier nur persönlich und zeigt seinen Aufstieg innerhalb der Bankenlandschaft sowie seine politischen Ambitionen und liberaldemokratischen Neigungen.
Doch was nach 1933 kam war wie ein Aufstieg in den Olymp für Hjalmar Schacht, denn er wurde von Adolf Hitler mit Sondervollmachten ausgestattet und war damit mehr als nur Reichsbankpräsident.
Das Buch geht sehr dezidiert mit der Zeit zwischen 1933 und 1938 um, und zeigt sehr deutlich die Einlassungen von Hjalmar Schacht auf die nationalsozialistische Rassenpolitik, die Judenvernichtung und Ausgrenzung und die Arisierung von jüdischem Vermögen.
Um es kurz zu machen, Hjalmar Schacht sah den Zug kommen und sprang auf, schwang sich empor zum obersten Herren über das Geld und die Finanzströme und wurde damit ohne Ethik und Moral zu einem Mittäter des Systems.
Hjalmar Schacht war, wie viele andere auch, einfach rücksichtslos an der Macht interessiert und setzte zur Erreichung seiner Ziele deshalb auch alle Mittel ein - die ihm zur Verfügung standen. Das er dann 1938 in Ungnade fiel durch seine Opposition und den Widerstand den er bot, war es nur eine Frage der Zeit bis er schließlich nach dem 20. Juli auch noch inhaftiert wurde.
Die Prozesse in Nürnberg, die Entnazifizierung, der bayrische Freibrief und seine wiederholte Verhaltung sehen am Ende der Geschichte aus wie ein Stück aus dem Tollhaus, hier habe ich fast gelächelt, den Hjalmar Schacht war zwar gewarnt worden, doch befolgte er den Rat guter Freunde nicht.
Insgesamt gesehen ist das Buch HJALMAR SCHACHT von Christopher Kopper interessant, wenn es auch nicht alle finanzpolitischen Bereiche abdeckt und sich maßgeblich auf die Zeit zwischen 1933 bis 1938 stützt, doch ist es eine gut gemachte Aufbereitung des Themas uns weitere gute Quelle, um sich dem Gesamtkomplex sauber und kritisch zu nähern.
Empfehlenswert!