Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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72 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Das Geheimnis seines Erfolgs, 27. Januar 2006
Es liegt eigentlich auf der Hand, daß Goldhagens Fakten zwar richtig sind, aber höchst einseitig ausgewählt. Er schiebt rigoros alles weg, was nicht zu seiner These eines tief in der deutschen Kultur verwurzelten eliminatorischen Antisemitismus paßt. Nur ein paar wenig beachtete Beispiele:- Im deutschen Kaiserreich gab es in der Tat eine lebhafte antisemitische Agitation, die über den Hofprediger Stoecker bis in allerhöchste Kreise reichte. Man muß aber bedenken, daß die antisemitischen Parteien auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs gerade mal magere 3,4 % erreichten. Demgegenüber war die größte und erfolgreichste Partei, die SPD, stark von Juden geprägt. Sie verdankte ihre ideologische Grundlage dem Juden Karl Marx, ihr Gründer war der Jude Ferdinand Lassalle und unter ihren prominenten Führern waren viele Juden. Warum, wenn die Deutschen so zutiefst antisemitisch waren, bekam die SPD so viele Stimmen? - Das erste jüdische Mitglied des Supreme Court in den USA war Louis Brandeis, der 1916 von Woodrow Wilson berufen wurde. Das kaiserliche Deutschland war da schneller. Der erste Präsident des Reichsgerichts in Leipzig war 1879 - 1891 Eduard Simson, ein Jude. Simson war schon 1848 Präsident der deutschen Nationalversammlung gewesen, später war er auch Präsident des Norddeutschen Reichstages. Er leitete als führender Parlamentarier 1849 die Delegation, die Friedrich Wilhelm IV. den deutschen Kaisertitel anbot, und 1870 die Delegation, die Wilhelm I. um Annahme des Kaisertitels bat. 1888 wurde er geadelt. Wie war eine solche Karriere möglich? - Wenn einer für Antisemitismus empfindlich war, dann wohl Theodor Herzl. Aber man lese mal in seinem Zionistischen Tagebuch, wie er von führenden Persönlichkeiten empfangen wurde, vom Großherzog von Baden, von Philipp Eulenburg, Staatssekretär von Bülow, Reichskanzler von Hohenlohe und schließlich dem Kaiser. Von letzterem ist Herzl geradezu hingerissen. Jaja, man kann viel Böses über Wilhelm II. lesen, aber Herzl hat merkwürdigerweise nichts davon bemerkt. Sicher, er muß sich die üblichen Klischees anhören, daß die Juden ja alle viel Geld hätten, aber daneben gibt es viel Freundlichkeit und Interesse für den damals nicht sehr berühmten Herrn Herzl aus Wien und seine verrückte Idee eines jüdischen Staates. Paßt irgendwie auch nicht ins Bild. In der Art könnte man ein ganzes Buch schreiben, das freilich genau so einseitig und verzerrend wäre, wie das von Goldhagen. Aber warum bekommt der Mann dann so gute Kritiken? Gut, außerhalb Deutschlands ist dieses Buch eine willkommene Gelegenheit, die eigenen Vorurteile scheinbar autoritativ bestätigt zu finden (machen wir uns nichts vor, es gibt 'ne Menge Leute auf der Welt, die alle Deutschen für geborene Nazis halten). Aber hier? Ich nenne das die Kronzeugenregelung. Goldhagen ist sozusagen der Staatsanwalt, der das deutsche Volk zur Rechenschaft zieht. Seine Anklageschrift ist ebenso scharf wie umfangreich. Was macht man da als Deutscher? Man versucht zu beweisen, daß man kein gewöhnlicher, sondern ein außergewöhnlicher Deutscher ist. Ein selbstkritischer Deutscher. Ein Deutscher, der unangenehmen Wahrheiten unverwandt ins Gesicht schaut, der nicht verdrängt, beschönigt und relativiert - einer, der aus der Geschichte gelernt hat. Und so sagt man denn, daß der Herr Goldhagen ganz recht hat, man "gibt es zu" und schafft womöglich noch weitere Beweismittel heran. Und indem man so die breite Unterstützung deutschen Volkes für den Holocaust bezeugt, erwirbt man - die Aura der Unschuld. Denn man ist ja ganz anders, nicht wahr? Gratuliere.
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25 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Unwissenschaftlich, schlecht geschrieben, provozierend ..., 27. August 1999
Von Ein Kunde
Leider kenne ich keinen namhaften Historiker oder Politologen, sei er nun aus Deutschland, Israel oder den USA, der dieses Buch für "gut" und "wissenschaftlich" hält. (Vielleicht bin ich fehlinformiert; ich bin jedenfalls für alle Hinweise dankbar.) Beispielsweise halten Prof. Dr. Alfred Grosser und andere namhafte jüdische Wissenschaftler, die z.T. in ihrer Kindheit/Jugend aus Nazi-Deutschland fliehen mußten, dieses Buch für mindestens "unausgewogen", wenn nicht sogar "völlig unwissenschaftlich", weil es die Sicht auf andere als jüdische Opfer einengt oder nicht zulassen will. Sicherlich waren Juden DIE Opfer der Nazis, die aufs Grausamste verfolgt wurden und das meiste zu leiden hatten, aber die Sinti und Roma werden von Goldhagen in zwei bis drei kurzen Sätzen abgehandelt; es gibt nicht nur keine Erklärung, warum sich andere europäische Regierungen -Völker?!- beispielsweise in Osteuropa (Balten, Ungarn, Rumänen etc.) hilfreich an der Deportation und Ermordung von Millionen Juden beteiligt haben, dies wird nicht einmal richtig erwähnt - oder habe ich etwa aus Ärger ein paar 100 Seiten übersprungen? Von deutschen Insassen der Nazi-Gefängnisse oder Konzentrationslager ist keine Rede (schon mal was von Pazifisten oder von Leuten wie Bonhoeffer, Schumacher, Thälmann oder religiösen Minderheiten wie den "Zeugen Jehovas" gehört? - aber das waren ja auch keine "ganz gewöhnliche Deutsche" - tut mir leid, habe ich vergessen). Goldhagen hat aber auch einfach zu vieles "vergessen" und deshalb ist sein Buch meiner Meinung nach voreingenommen, unvollständig und absolut unwissenschaftlich. Oder schielte da jemand mit Hilfe einer aufsehenerregenden, schlecht geschriebenen Provokation auf schnellen Verkaufserfolg? (Ist der doppelt vorkommende Satz im Klappentext auch schlechter Stil oder Zufall?) Es gibt jedenfalls eine Menge wissenschaftliche Bücher, die dieses Thema besser behandeln und als Einführung würde ich eher andere 'unwissenschaftliche Literatur' wie z.B. "Die Ermittlung" von Peter Weiss, "Stella" von Peter Wyden oder "Ich war Hitlerjunge Salomon" von Salomon Perel empfehlen als Goldhagens Buch. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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27 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Goldhagens Thesen werden von wenigen Historikern geteilt ..., 13. November 2002
Man vergleiche die Erkenntnisse von Goldhagen mit denen von Sebastian Haffner (der eine jüdische Verlobte hatte und ins Ausland emigrierte): Ein relativ junger Autor hat ein scheinbar offenbar früh arretiertes Bild des Geschehens, das nicht aus eigenem Erleben kommt. Er weigert sich, der Kontroverse zu stellen, z.B. haben israelische Historiker meist einen anderen Ansatzpunkt und kommen zu anderen Ergebnissen als Goldhagen. Goldhagen irrt meiner Meinung in folgenden Punkten: - die gesamte deutsche Bevölkerung soll traditionell zutiefst antisemitisch eingestellt gewesen sein. Es fehlen Vergleiche zu anderen Nationen, z.B. Frankreichs oder Englands! Daß die Bevölkerungen der nach 1939 annektierten Länder von Goldhagen erwähnt werden, wiegt meiner Ansicht nach nicht stark, da diesen von SS und Gestapo die NS-Stigmata aufgezwungen wurden. Falls Deutschland immer ein brodelnder gefährlicher antisemitischer Vulkan gewesen wäre, verwundert es, dass die meisten Semiten sich seit 1871 besonders gern in Deutschland freiwillig niederliesen, selbst nach 1933 glaubten sehr viele Juden an das Gute Deutschland der vergangenen Jahrzehnte, daß der Spuk doch bald vorbei sei. Interessant ist es zu diesem Punkt das Verhalten und die Äußerungen der Familie Anne/Otto Franks zu studieren, oder etwa das Verhältnis der Bevölkerung Deutschlands zu den jüdischen Sängern der Comedian Harmonists, das bis weit nach 1933 äußerst herzlich war (siehe Video oder Biografien). - Goldhagen schreibt, daß nach 1945 die Bevölkerung Deutschlands vernünftig geworden ist. Das ist eigentlich unlogisch, würde es sich um eine antisemitische Nation handeln, wäre die Gefahr wohl auch heute noch nicht gebannt und hätte sich in entsrechenden Aktionen der letzten Jahrzehnte artikulieren müssen. - Goldhagen mag punktuell in den ein oder anderen Recherchen recht haben, das von ihm resultierende Gesamtbild teile ich nicht. Meine persönlichen Recherchen bei anderen Autoren ergeben eine andere persönliche Meinung: - Seit Gründung des deutschen Staats (auch z.T. vorher schon in Preußen) fanden jüdische Einwanderer auf durchaus attraktivere Entfaltungsmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Staaten. Was natürlich nicht eine völlige Gleichberechtigung heißen soll. Nicht zuletzt die Juden selbst waren besonders in Deutschland verliebt, dem sie gerne im Ersten Weltkrieg mit Patriotismus als Soldaten dienten. Dieses emotionale Verhältnis spricht deutlich gegen die falsche Bereicherungs-Theorie, z.B. Streichers. Besonders in der Weimarer Zeit gab es eine fruchtbare Zusammenarbeit von deutschen und jüdischen Künstlern: Fritz Lang (Metropolis, M, der typisch germanische Film Die Nibelungen), Max Reinhard, Erich Kästner, Comedian Harmonists, etc. D.h. die Juden waren nicht zuletzt typische Deutsche geworden, deren Abstammung der meisten Bevölkerung ganz egal war. Natürlich gab es auch in Deutschland einen Antisemitismus aus Teilen der Bevölkerung, der sich kaum von dem in England oder Frankreich unterschied, geschweigedenn bis 1933 so radikale Formen annehmen sollte wie es in Polen, Österreich oder Russland schon lange der Fall war. Dieser Antisemitismus war oft irrational , man kannte persönlich keine unsympatischen Juden, glaubte aber das ein oder andere Vorurteil aus der Zeitung. Eine Antipathie, der wohl aber kein großer Haß zugrundelag. Oder es war Neid auf die ein oder andere gute Stellung, wo natürlich der positive volkswirtschaftliche Effekt für Deutschland übersehen wurde. Auch das keine Fundgrube riesigen Hasses. Dann kam Hitler mit seinen Thesen in „Mein Kampf", die seltsamerweise kaum jemanden interessierten. Ich verzichte auf eine Stellungnahme, sie sind so realitätsfern und vom Himmel geholt. Es ist seltsam, daß hier den Juden eine Position zugeschoben wurde, die nicht zuletzt Deutschland selbst in den Augen kleinerer Nationen Europas seit Bismarcks Abgang um die Jahrhundertwende hatte: Man war neureich, man wollte mehr, war unzufrieden, sollte in allen Weltentscheidungen ein gewichtiges Wort haben, konnte seine Ansichten mit Militärgewalt anderen Nationen aufzwingen. Doch die Juden, die durften das eigene Verhalten nicht annähernd zeigen. Als nach 1933 die Machtübernahme war, glaubten die antisemitisch eingestellten Teile der Bevölkerung, daß mit den Berufsverboten 1934 wohl der Höhepunkt der Progrome erreicht war. Man wollte ihnen insgeheim (aus Neid?) nun mal eins auf den Deckel gönnen, ... aber umbringen: Um Gottes Willen. Das kam einzig aus dem Gedankengut Hitlers und seiner Schergen, die die Juden geradzu psychologisch brauchten um einen Sündenbock für frühere Misserfolge zu haben und um ihre Tötungsmaschinerie bis 1938 an ihnen ausprobieren zu können für spätere weitere Verwendung an anderen Völkern nach Ausbruch des Krieges. - Selbst nach jahrelanger Indoktrinierung gelang es Hitler nicht, aus Deutschland eine antisemitische Bevölkerung zu machen. Die Wirtschaftserfolge und das neue Nationalbewusstsein machten Hitler populär und beliebt, seine Rassentheorien wurden weiterhin von den meisten Deutschen ignoriert. Die Reichskristallnacht war eine von der Partei inszenierte Terrorschau, die Bevölkerung nahm nicht daran teil, sie schaute weg. Helfen tat sie allerdings nur in Einzelfällen. Das erboste Hitler, deshalb plante er 85 % des Holocausts auf polnischem Gebiet, da er glaubte, die Sympathie der deutsche Bevölkerung noch ganz zu verlieren, wenn dies allzu offenkundig auf deutschem Boden sich abspielen würde. - Ich denke nicht, daß es sich bei den Deutschen um eine antisemitische Nation handelt, was auch die guten Beziehungen zu Israel seit 1945 zeigen. Israelis sprechen nicht selten heute wieder von ihrer Sympathie zu Deutschland (was ein großes Herz bedarf) und räumen der BRD das gleiche Kritikrecht ihrem Staat gegenüber ein wie jedem anderen Land, z.B. in Bezug auf die ungerechte Behandlung der Palästinenser. Übrigens wäre ohne Hitler die israelische Staatsgründung nicht denkbar gewesen.
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