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Produktinformation
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Es ist die Rede von Intrigen und Ränkespielen, aber auch von klarem Verrat an der Verfassung, und zwar durch den Reichspräsidenten, der, einmal in die Ecke gedrängt, kaum noch anders konnte, als dem Mann den Meineid auf die Verfassung abzunehmen, den er stets verachtet hat. Das in der Reihe Propyläen Taschenbücher erschienene Buch behandelt einen Abschnitt aus der Deutschen Geschichte, von dem viele Leser vielleicht meinen, daß darüber nichts neues mehr geschrieben werden könnte. Das macht es dem Autor sicher nicht leicht. Aber seine Fähigkeit, sich auf das Wesentliche dieser wenigen Tage zu konzentrieren, kein Detail auszulassen, könnte durchaus diesem Autor zu einem Erfolg verhelfen. Es ist ein notwendiges Buch, weil es Details aufdeckt, die in allen überblicksartigen Beschreibungen, wie sie auf dem Markt sind, gar nicht beachtet werden können.
Großartig gelungen ist ihm die Schilderung der Krise der NSDAP. Für ihn ein Nachweis, daß die Partei an die Macht kam, als sie praktisch schon im Niedergang war. Turner beschreibt das Unfaßbare: Daß Mitglieder der paramilitärischen Einheiten der NSDAP nahtlos zu den Kommunisten überlaufen konnten. Aber das sind nur Details eines kleinen aber doch großartigen Buches. -- Corinna S. Heyn -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kammerspiel für Tröpfe und Opportunisten
30 Tage im Januar 1933
Am Abend des 1. Januar 1933 besuchte Hitler im Münchner Hoftheater eine Aufführung von Wagners Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» und versuchte sich dort aus der düsteren Stimmung zu reissen, in die ihn die Rückschläge der letzten Monate, vor allem die Wahlschlappe im November und die Rebellion in SA und NSDAP, versetzt hatten. 30 Tage später war die Krise überwunden; Hitler war Reichskanzler.
Was geschah in diesen 30 Tagen? Nur wenige wissen über diese knappe Zeitspanne mehr als Henry A. Turner, ein durch zahlreiche gewichtige Studien ausgewiesener Gelehrter aus Yale, und noch keiner hat bisher so anschaulich, spannend und mit so ausgeprägtem Sinn für Dramaturgie und nüchterne Eleganz darüber geschrieben wie er. Ausgangspunkt von Turners fesselndem Bericht ist die Krise der NSDAP um die Jahreswende 1932/33. Hitlers Partei war auf dem Weg zur Macht steckengeblieben, in sich zerstritten und, so Turner, dem raschen Untergang geweiht, wenn es gelang, die Regierung Schleicher noch ein Weilchen im Amt zu halten sei es durch parlamentarische Verfahrenstricks am Rande der Legalität, sei es durch offenen Verfassungsbruch. Hitlers Machtergreifung war nicht unvermeidlich, es gab im Januar 1933 mehrfach die Chance, die Weichen in eine andere Richtung zu stellen.
Doch sie wurde nicht genutzt, weil die Protagonisten der Situation nicht gewachsen waren, Hitler unterschätzten und sich mehr von Ressentiments und Gefühlen als von Vernunft und Verantwortungssinn leiten liessen: Franz von Papen vom Gedanken an Vergeltung, Alfred Hugenberg von seinem «verzehrenden Wunsch» nach Teilhabe an der Macht und Kurt Schleicher von Eitelkeit, während Reichspräsident Hindenburg die Dinge längst nicht mehr überblickte. «Nur dank der politischen Blindheit und Fehlleistung dieser Männer erhielt Adolf Hitler die Möglichkeit, zwischen 1933 und 1945 seine verbrecherischen Absichten in die Tat umzusetzen», schreibt Turner.
In diesem Satz steckt viel Richtiges, letztlich aber doch nur die halbe Wahrheit. Denn die Geschichte von Hitlers Weg zur Macht ist kein Kammerspiel, das sich in Konspiration, Intrige und vornehmer Indolenz erschöpft. Zu ihr gehört die Befindlichkeit der deutschen Gesellschaft, die sich in ihrer Mehrheit nie für Demokratie und Rechtsstaat hatte erwärmen können. Zu ihr gehören die Eliten wie die Grossagrarier, die Unternehmer und das Militär, die mit ihren Gedanken schon lange bei einem anderen, autoritären Staat waren; und zu ihr gehören radikale Massenorganisationen wie die NSDAP und die SA, deren Mitglieder sich wohl kaum in biedere Bürger verwandelt hätten, wenn der Erfolg noch einige Monate ausgeblieben wäre. So einfach wären die irrationale Aggressivität und die zerstörerischen Energien, die in nahezu allen Schichten des deutschen Volkes sassen, nicht einzudämmen gewesen nicht einmal durch eine Militärdiktatur, die gewiss auch kein Idyll geworden wäre, wie Turner andeutet.
Turner überschätzt die Erkenntnismöglichkeiten, die sein ganz auf Personen bezogener Ansatz bietet. Er macht es sich und seinen Lesern damit viel zu leicht, auch und vor allem, wenn es um die Frage von Schuld und historischer Verantwortung geht, die man keinesfalls nur einer Handvoll Opportunisten und Tröpfen aufbürden darf; deren Verantwortung hat Turner allerdings mit bemerkenswerter Klarheit herausgearbeitet.
Hans Woller
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