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Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust
 
 
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Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust [Gebundene Ausgabe]

Daniel Jonah Goldhagen , Klaus Kochmann
2.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

Mitglieder eines deutschen Fronttheaters, 1942 zu Gast bei einem Polizeibataillon in Polen, äußerten den Wunsch, an einer Massenerschießung von Juden teilnehmen zu dürfen. Die Bitte wurde ihnen gewährt. - Wie konnte es zum Holocaust kommen? Diese Frage wurde oft diskutiert. Doch wer waren die Täter, und wie war es möglich, so viele Deutsche aus allen sozialen Schichten für den Holocaust zu mobilisieren? Was hat sie dazu motiviert, sich an der Massenvernichtung zu beteiligen, auch, wenn die Möglichkeit einer Befehlsverweigerung bestand? Wie sah die Gesellschaft aus, die diese Männer und Frauen hervorbrachte? Diesen Fragen geht der amerikanische Historiker Goldhagen in seinem heftig und kontrovers diskutierten Buch nach.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
108 von 137 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Es liegt eigentlich auf der Hand, daß Goldhagens Fakten zwar richtig sind, aber höchst einseitig ausgewählt. Er schiebt rigoros alles weg, was nicht zu seiner These eines tief in der deutschen Kultur verwurzelten eliminatorischen Antisemitismus paßt. Nur ein paar wenig beachtete Beispiele:

- Im deutschen Kaiserreich gab es in der Tat eine lebhafte antisemitische Agitation, die über den Hofprediger Stoecker bis in allerhöchste Kreise reichte. Man muß aber bedenken, daß die antisemitischen Parteien auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs gerade mal magere 3,4 % erreichten. Demgegenüber war die größte und erfolgreichste Partei, die SPD, stark von Juden geprägt. Sie verdankte ihre ideologische Grundlage dem Juden Karl Marx, ihr Gründer war der Jude Ferdinand Lassalle und unter ihren prominenten Führern waren viele Juden. Warum, wenn die Deutschen so zutiefst antisemitisch waren, bekam die SPD so viele Stimmen?

- Das erste jüdische Mitglied des Supreme Court in den USA war Louis Brandeis, der 1916 von Woodrow Wilson berufen wurde. Das kaiserliche Deutschland war da schneller. Der erste Präsident des Reichsgerichts in Leipzig war 1879 - 1891 Eduard Simson, ein Jude. Simson war schon 1848 Präsident der deutschen Nationalversammlung gewesen, später war er auch Präsident des Norddeutschen Reichstages. Er leitete als führender Parlamentarier 1849 die Delegation, die Friedrich Wilhelm IV. den deutschen Kaisertitel anbot, und 1870 die Delegation, die Wilhelm I. um Annahme des Kaisertitels bat. 1888 wurde er geadelt. Wie war eine solche Karriere möglich?

- Wenn einer für Antisemitismus empfindlich war, dann wohl Theodor Herzl. Aber man lese mal in seinem Zionistischen Tagebuch, wie er von führenden Persönlichkeiten empfangen wurde, vom Großherzog von Baden, von Philipp Eulenburg, Staatssekretär von Bülow, Reichskanzler von Hohenlohe und schließlich dem Kaiser. Von letzterem ist Herzl geradezu hingerissen. Jaja, man kann viel Böses über Wilhelm II. lesen, aber Herzl hat merkwürdigerweise nichts davon bemerkt. Sicher, er muß sich die üblichen Klischees anhören, daß die Juden ja alle viel Geld hätten, aber daneben gibt es viel Freundlichkeit und Interesse für den damals nicht sehr berühmten Herrn Herzl aus Wien und seine verrückte Idee eines jüdischen Staates. Paßt irgendwie auch nicht ins Bild.

In der Art könnte man ein ganzes Buch schreiben, das freilich genau so einseitig und verzerrend wäre, wie das von Goldhagen. Aber warum bekommt der Mann dann so gute Kritiken? Gut, außerhalb Deutschlands ist dieses Buch eine willkommene Gelegenheit, die eigenen Vorurteile scheinbar autoritativ bestätigt zu finden (machen wir uns nichts vor, es gibt 'ne Menge Leute auf der Welt, die alle Deutschen für geborene Nazis halten). Aber hier?

Ich nenne das die Kronzeugenregelung.

Goldhagen ist sozusagen der Staatsanwalt, der das deutsche Volk zur Rechenschaft zieht. Seine Anklageschrift ist ebenso scharf wie umfangreich. Was macht man da als Deutscher? Man versucht zu beweisen, daß man kein gewöhnlicher, sondern ein außergewöhnlicher Deutscher ist. Ein selbstkritischer Deutscher. Ein Deutscher, der unangenehmen Wahrheiten unverwandt ins Gesicht schaut, der nicht verdrängt, beschönigt und relativiert - einer, der aus der Geschichte gelernt hat. Und so sagt man denn, daß der Herr Goldhagen ganz recht hat, man "gibt es zu" und schafft womöglich noch weitere Beweismittel heran. Und indem man so die breite Unterstützung deutschen Volkes für den Holocaust bezeugt, erwirbt man - die Aura der Unschuld. Denn man ist ja ganz anders, nicht wahr?

Gratuliere.

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24 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Es lockt ja eigentlich niemanden mehr so richtig hinterm Ofen hervor. Das Buch ist vor langer Zeit erschienen, da frage ich mich schon, warum ich das hier überhaupt mache. Aber gut, Weihnachten ist gerade vorbei, ich hänge durch, mit schwerer Schlagseite und kann nicht einschlafen.

Diejenigen, die eine negative Meinung über das Buch haben wollten, brauchten es gar nicht erst zu lesen. Die, die es gut finden wollten, brauchten es auch nicht zu lesen. Und all die anderen brauchten es schon mal überhaupt nicht zu lesen. Zu der zweitgenannten Kategorie gehörte ich ein bißchen, muss ich ganz ehrlich zugeben.

Doch dann plagen Dich jahrelang immer wieder die Gewissensbisse: seit Jahren verteidigst Du das Buch gegen die Attacken von Leuten, die es kritisieren, ohne es gelesen zu haben. Du wirfst ihnen vor, ein Buch zu verteufeln, das sie gar nicht kennen dabei hast Du es selbst gar nicht gelesen!

Ich bin nur ein Durchschnittsheini, habe etwas Unnützes studiert und folglich jetzt einen Beruf, der mit meinem Studium gar nichts zu tun hat - nur damit Sie wissen, was für einer ich bin. Also ein ganz normaler Durchschnittshanswurst, der normalerweise nur das nächste Zamonienbuch von Walter Moers lesen will.

Da habe ich mich also mal durch dieses "Willige Vollstrecker"-Buch hindurchgezwungen und bin so schlau wie vorher. Es ist nicht für diejenigen unter uns geschrieben, die gern lesen und klare, elegante Formulierungen lieben. Der Schreibstil ist sperrig und schwer verständlich.

Wie gesagt, ich bin nur ein Durchschnittstyp, aber es drängt sich wohl nicht nur Leuten wie mir beim Lesen doch der Verdacht auf, dass all diese Neologismen, Verklausulierungen, dieser Wust aus Fußnoten und Querverweisen einem ganz anderen Zweck dienen könnte als der historisch-wissenschaftlichen Präzision - nämlich eine einleuchtende und wenig überraschende Tatsache, die so banal und altbekannt ist, dass sie sich in einem Satz formulieren lässt ("Aus Haß auf die Juden haben sehr, sehr viele Deutsche am Holocaust mitgewirkt, noch mehr haben indirekt mitgeholfen und noch viel mehr haben zugesehen und nichts dagegen unternommen") so lange aufzublasen und aufzuplustern, bis sich das alles dann so richtig hochgeistig, wissenschaftlich und für uns 08/15-Penner unverständlich liest.

Der Goldhagen-Dani hat also herausgefunden, dass das gar nicht der Hitler allein war, der all die Juden umgebracht hat! Dass da noch andere mitgemacht haben! Dass diejenigen, die mitgemacht haben, Antisemiten waren! Sososo! Ist ja 'n Ding! Wie hat der das denn spitzgekriegt? Man stellt sich vor, wie er monatelang in der Bibliothek sitzt und eine Akte nach der anderen wälzt, um diese sensationellen Erkenntnisse zutage zu fördern. Man hält das Resultat seiner Recherche in den Händen und stellt bestürzt fest: die Judenmörder mochten die Juden nicht! War vielleicht Hitler am Ende selbst ein Antisemit?

Vielleicht ist das jetzt auch ziemlich ungerecht. Immerhin sollte man auch bedenken, in welchem historischen Zusammenhang das Buch entstanden ist. In den 90er Jahren war es in Deutschland Mode geworden, alles, was im dritten Reich passierte, auf die erbarmungslose Hitler-Diktatur zu schieben, gegen die man dann leider nichts unternehmen konnte. So gesehen, waren die spekulativen Diskussionen über dieses Buch ein sehr willkommenes Korrektiv.

Auf gewisse Weise verdienstvoll sind außerdem die historischen Beispiele an denen er seine mottige These festmacht.

Fazit: es ist nichts grundsätzlich Falsches daran, alte, ranzige Ansichten zu vertreten, denn das tun wir schließlich alle: die Erde ist rund, ein Kubus ist es nicht und die Deutschen waren und sind Antisemiten. Nicht alles, was alt und langweilig ist, ist deshalb zwangsläufig falsch. Aber wenn man dieses Buch einmal als einen Diskussionsbeitrag werten will, dann orientiert sich der Wert dieses Beitrags daran, wieviele neue Erkenntnisse oder Argumente er liefert. Ein Beitrag, der in hunderten von unleserlichen Sätzen nur das umformuliert, was ohnehin schon alle wissen, ist das zwar noch keine Lüge, aber als Beitrag überflüssig, daher bedeutungslos und folglich falsch.
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44 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Leider kenne ich keinen namhaften Historiker oder Politologen, sei er nun aus Deutschland, Israel oder den USA, der dieses Buch für "gut" und "wissenschaftlich" hält. (Vielleicht bin ich fehlinformiert; ich bin jedenfalls für alle Hinweise dankbar.) Beispielsweise halten Prof. Dr. Alfred Grosser und andere namhafte jüdische Wissenschaftler, die z.T. in ihrer Kindheit/Jugend aus Nazi-Deutschland fliehen mußten, dieses Buch für mindestens "unausgewogen", wenn nicht sogar "völlig unwissenschaftlich", weil es die Sicht auf andere als jüdische Opfer einengt oder nicht zulassen will. Sicherlich waren Juden DIE Opfer der Nazis, die aufs Grausamste verfolgt wurden und das meiste zu leiden hatten, aber die Sinti und Roma werden von Goldhagen in zwei bis drei kurzen Sätzen abgehandelt; es gibt nicht nur keine Erklärung, warum sich andere europäische Regierungen -Völker?!- beispielsweise in Osteuropa (Balten, Ungarn, Rumänen etc.) hilfreich an der Deportation und Ermordung von Millionen Juden beteiligt haben, dies wird nicht einmal richtig erwähnt - oder habe ich etwa aus Ärger ein paar 100 Seiten übersprungen? Von deutschen Insassen der Nazi-Gefängnisse oder Konzentrationslager ist keine Rede (schon mal was von Pazifisten oder von Leuten wie Bonhoeffer, Schumacher, Thälmann oder religiösen Minderheiten wie den "Zeugen Jehovas" gehört? - aber das waren ja auch keine "ganz gewöhnliche Deutsche" - tut mir leid, habe ich vergessen). Goldhagen hat aber auch einfach zu vieles "vergessen" und deshalb ist sein Buch meiner Meinung nach voreingenommen, unvollständig und absolut unwissenschaftlich. Oder schielte da jemand mit Hilfe einer aufsehenerregenden, schlecht geschriebenen Provokation auf schnellen Verkaufserfolg? (Ist der doppelt vorkommende Satz im Klappentext auch schlechter Stil oder Zufall?) Es gibt jedenfalls eine Menge wissenschaftliche Bücher, die dieses Thema besser behandeln und als Einführung würde ich eher andere 'unwissenschaftliche Literatur' wie z.B. "Die Ermittlung" von Peter Weiss, "Stella" von Peter Wyden oder "Ich war Hitlerjunge Salomon" von Salomon Perel empfehlen als Goldhagens Buch. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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