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Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus [Taschenbuch]

Götz Aly
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (22 Kundenrezensionen)
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Im sechzigsten Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist an neuer (Forschungs-)Literatur über das Dritte Reich gewiss kein Mangel. Hitlers Volksstaat jedoch gehört zweifelsfrei zu den beachtenswertesten historischen Arbeiten dieses Jahres!

Den Deutschen, so Aly, ging es in diesem Krieg -- vom Ende freilich abgesehen -- besser denn je. "Deutschland wird dann am größten sein, wenn seine ärmsten seine treuesten Bürger sind", wusste der Führer. Und deshalb wurde das Volk mit Wohltaten gezielt korrumpiert -- auf Kosten des enteigneten Judentums und der geplünderten Völker in den besetzten Gebieten. Schmuck, Gold und Waren aller Art wurden von dort im großen Stil zur Hebung der Moral an die Heimatfront verbracht. Auch die Soldaten durften sich in der Fremde billig eindecken und an ihren Einsatzorten billig "einkaufen": "Selbst noch während der extrem unwirtlichen Monate Januar, Februar und März 1943 schafften es die Soldaten nach der Statistik des zuständigen Feldpostamtes, von der Leningradfront mehr als drei Millionen Feldpostpäckchen in die Heimat zu schicken -- gefüllt mit Beutestücken, Schnäppchen und überschüssigen Lebensmittelzuteilungen." Und allein im besetzten Frankreich summierten sich die aufgrund des wie überall zum Vorteil der Reichsmark festgesetzten Wechselkurses ausgesprochen günstigen Privateinkäufe der deutschen Besatzer auf 125 Millionen Reichsmark, was laut Aly den Wertverlust des Franc eingerechnet mehr als einer halben Milliarde Euro entspricht.

Von all dem, aber auch von mancher anderen Wohltat für die Nutznießer des NS-Sozialstaats, für die die Völker des geplünderten Europas im wahrsten und im übertragenen Sinne bluten mussten, berichtet Götz Aly kenntnisreich und gut belegt. Eine äußerst erhellende Lektüre! -- Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

»Nie zuvor ist der symbiotische Zusammenhang zwischen'Volksstaat'und Verbrechen, zwischen den attraktiven und kriminellen Elementen des Nationalsozialismus so scharfsinnig und einleuchtend dargestellt worden. Dieses Buch gehört zu jenen seltenen Werken, die unseren Blick auf die düstere und folgenreichste Periode der deutschen Geschichte neu schärfen.« (Volker Ullrich, DIE ZEIT, 10.3.2005)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
57 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielen Dank für dieses Sachbuch 4. Februar 2006
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Vielen Dank für dieses Sachbuch!
Ich gehöre zur sogenannten Generation der "Nachgeborenen" und bin als historisch einigermaßen interessierter Mensch wenigstens in groben Zügen mit den Fakten und Daten des Dritten Reiches vertraut. Ich konnte allerdings rein gefühlsmäßig nie verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass gerade wir Deutschen die nazionalsozialistische Barbarei zugelassen haben, dass das "Volk der Dichter und Denker" moralisch überhaupt so tief sinken konnte. Das Buch von Götz Aly schließt hier eine echte Lücke und dafür bin ich dankbar. Denn es behandelt weniger die "große" Geschichte, die sich mit den zentralen Persönlichkeiten des NS-Regimes, den Eckdaten der Machtergreifung und des Kriegsverlaufes befasst, sondern es geht dem Autor um etwas ganz anderes – nämlich, um die nationale Euphorie, die die Nationalsozialisten bei einem Gutteil der Bevölkerung, dank einfacher wie perfider "Rezepte", entfachen konnten.

Das deutsche Selbstwertgefühl - unbestritten eine der wichtigsten Kulturnationen Europas - lag nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und der "Schmach" des Versailler Vertrages am Boden. Viele empfanden die restriktiven Regelungen des Friedensvertrag als ungerecht und konnten sich nie mit der aufgezwungenen und alles andere als wehrhaften Weimarer Demokratie identifizieren. Die Nationalsozialisten schafften es, diese diffusen Gefühle für ihre Zwecke auszunutzen. Wie diabolisch verführerisch "Hitlers Volksstaat", wie verlockend die nationalsozialistische Rassenideologie für die Menschen tatsächlich war, das habe ich durch die Lektüre von Alys sehr gutem und bestens recheriertem Buch nun eher "begriffen". Immerhin schafften es das Regime ein Gutteil seiner Versprechungen (auf Kosten anderer) "wahr" zu machen. Und nun stellt sich mir die Frage, ob sich so etwas in unserer aufgeklärten Zeit eventuell wiederholen könnte. War ich einst vollkommen vom NIEMALS WIEDER überzeugt, bin ich mir heute nicht mehr ganz so sicher. Genau deshalb sind solche Bücher wie "Hitlers Volksstaat" so wichtig, denn sie zeigen uns auf, mit welchen Mitteln es gelingen konnte, in einem ganzen Volk eine destruktive nationalistische Stimmung zu erzeugen - und nur mit diesem Wissen kann auch in Zukunft ähnlich schlimmes verhindert werden.

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35 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gekaufte Gefolgschaft 6. Juni 2005
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch von Götz Aly ist ein "Heuler" in doppeltem Wortsinne: Man muss heulen, wenn man liest, mit welchen Mitteln die Nazis Ihresgleichen und Arglose zufriedengestellt haben, und eine Sirene der Warnung vor teilweise denselben Praktiken, die der demokratische Volksstaat in der Sozialpolitik anwendet, um die Wiederwahl seiner Funktionäre zu gewährleisten. Wohlgemerkt: Die Adenauer-Republik hat weder Juden ausgeraubt, noch besetzte Länder! Und hierum geht es Götz Aly vornehmlich.

Die detaillierte Beschreibung der Methoden, mit denen Schuldlose beraubt und um ihr ehrlich erworbenes Gut gebracht wurden, die Enthüllung der Niedertracht von Maßnahmen, die von "anständigen" Bürokraten, der Elite der Verwaltungsbeamten, ausgeklügelt wurden, die Aufdeckung der Schamlosigkeit mit der sich Begünstigte des Systems bereichert haben, raubt mir schier den Atem.

Als Jugendlicher war ich Teil dieses Systems, das ich nicht durchschauen konnte, aber später wurde mir klar, dass das teilweise gleiche Personal im Aufbau der Bundesrepublik einigen Politikern ähnliche Praktiken gegenüber der eigenen Bevölkerung zur Verfügung gestellt hat, um mit sozialen und fiskalischen Wohltaten deren Wiederwahl zu ermöglichen.

Das Buch von Götz Aly wird sicher in der Zunft der Historiker angefeindet werden, da ihr wirtschaftliche, fiskalische und sozialpolitische Fragestellungen fernliegen. Für uns, die allgemeine Leserschaft, gibt Aly jedoch Erklärungen über den Erfolg des Nazi-Regimes bis weit in den Krieg hinein, die bisher nicht so klar erkennbar gemacht wurden. Es ist leichter, Gewalt, Einschüchterung, Diskriminierung als Grundlage der Herrschaft nachzuweisen als die schleichend erkaufte Zustimmung des Volkskörpers, wo doch beide Elemente und einige mehr die Herrschaft gefestigt haben.

Goldhagen ade - er hat nicht erkannt, wie die Mehrzahl der Bevölkerung über den Tisch gezogen wurde und es nicht ein dem deutschen Volk immanente Ausrottungswille, sondern weitgehend "Stimmungspolitik" war, die mir und dir das System mindestens erträglich, wenn nicht gar wünschenswert gemacht haben. Der in weiten Kreisen manifeste, zumindestens aber latent vorhandene Antisemitismus wurde weniger durch Neigung zur Gewalt als viel mehr durch den Willen zur ungerechtfertigten Bereicherung, also Neid aktiviert. Der heutigen Neidgesellschaft sei's ins Stammbuch geschrieben.

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58 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historisches meisterhaft aufgearbeitet 21. Juli 2005
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der Autor dieses Buches, Götz Aly, ist Historiker und Journalist sowie Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen. Er berichtet über einen Aspekt des Dritten Reiches
der in der in der geschichtlichen Untersuchung in den letzten Jahren eher vernachlässigt wurde.

Mit welch en Mitteln sind die Menschen in den nationalsozialistischen Staat integriert worden, was hat sie so lange zufrieden gemacht oder zu mindestens ruhig gestellt? Den Deutschen ging es in dieser Zeit des Nationalsozialismus besser denn je. Man muss sich einmal vorstellen, allein wie integrativ eine Rentenerhöhung von 15% im Jahre 1941 gewirkt hat, mitten im Krieg, auf Kosten von Millionen Zwangsarbeitern, die in die Sozialversicherungssysteme einbezahlt haben. Mit diesen und ähnlichen Wohltaten hat man das Volk moralisch bestochen.

Im ersten Teil des Buches entwickelt der Autor den zentralen Begriff einer Gefälligkeitsdiktatur, das heißt er betrachtet den nationalsozialistischen Staat aus einer Perspektive in der er sich als Gefälligkeitsdiktatur zeigt. Er entwickelt damit die zentrale These, dass es eben nicht vorrangig Repression und Terror waren, die die Deutschen ermutigt hat mitzumachen, sondern er sagt an einer anderen Stelle später, die Deutschen waren Nutznießer und „Nutznießerchen". Er sieht diese Tatsache als komplementäres Element der Wahrheitsfindung von hohem Gewicht, das bisher in der Forschung vernachlässigt worden ist.

Herr Aly spricht nicht vom Nationalsozialismus sondern vom nationalen Sozialismus. Wie sozialstaatlich war eigentlich der Nationalsozialismus? Das sozialistische Konzept in seiner ursprünglichen Form ist ein internationalistisches. Es beruht auf der Auseinandersetzung von Kapital und Arbeit. Das historisch tragische ist, dass ein Teil dieses Konzeptes von der NSDAP übernommen wurde und dass dazu die ethnische Homogenisierung gemischt wurde. In dieser Mischung haben sich soziale und sozialistische Ideen relativ gut behauptet.

Das System, das haben Studien zur Finanzpolitik klar ergeben, basierte von 1934 an auf reiner Verschuldungsbasis. Der Krieg stand so zu sagen als „Finanzierungsmittel" auf der einen Seite von Anfang an am Horizont, auf der anderen Seite die Judenvernichtung und die damit einhergehende Enteignung. Man hat immer viel mehr Geld ausgegeben als eingenommen werden konnte. Das hat sich dann auch günstig für die breite Masse des Volkes ausgewirkt.

Darüber hin aus hat man zwischen 1933 und 1940 trotz Rüstungsboom und anwachsender Staatsausgaben die Steuern nicht erhöht. Darüber hinaus hat man die Pfändungstitel gestoppt. Das war für viele Menschen, die durch die Weltwirtschaftskrise in Not und Verschuldung geraten waren, von großer Wichtigkeit.
Das Konzept der in der Anfangsphase propagierten Volksgemeinschaft funktionierte natürlich nur mit einem Gegenkonzept, nämlich der negativen Integration, also der ‚Ausgrenzung von klar definierten Gruppen. Darüber hinaus hat der Nationalsozialismus ein hohes Maß an sozialer Mobilität und Klassenvermischung im Inneren durchgesetzt.

Die vom Autor zitierte Nutznießerschaft bezieht sich auf die Phase des Krieges. Da gibt es Phänomene über die bis heute wenig geschrieben worden ist.

Unter der Kapitelüberschrift „Hitlers zufriedene Räuber" werden die Deutschen hart zu Gericht genommen, denn alle haben in irgendeiner Form profitiert, und so betrachtet verwandelte die NS-Führung die Deutschen mehrheitlich nicht zu überzeugten Herrenmenschen und bedingungslosen Fanatikern sondern zu willigen Nutznießern.

Die deutsche Volksgemeinschaft, die sicher auch in dieser Konsolidierungsphase am Anfang der NS Zeit sozial psychologisch hervorgebracht worden ist, hätte sicher lieber gesehen, wenn ihr die anschließenden Anstrengungen, Zumutungen und bitteren Verluste, selbst bei einem siegreiche ersten Teil des Krieges, erspart geblieben wären.
Dieses Buch erhellt in ausgezeichneter Form die Zeit des Nationalsozialismus. Beieindrucken ist die umwerfende Sachkenntnis des Autors.

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5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre
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Veröffentlicht am 17. März 2011 von Martin
5.0 von 5 Sternen Missverstandene Geschichtsstunde
Ich beziehe mich auf die durchgesehene und erweiterte Ausgabe von 2006.
Götz Alys Buch gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten der neuesten Geschichtsforschung,... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 11. April 2009 von ebookworm
2.0 von 5 Sternen Hochgelobt
wurde dieses Werk ja, doch leider zeigen damit die Lobenden eher, das sie ebensowenig von der Materie verstehen wie der Autor. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 19. März 2009 von Jan-hendrik Wendler
5.0 von 5 Sternen Heilsame Schrift zur Diagnose eines Traumas
Zusammenschau ist wichtig und trotzdem Einzelheiten zu bringen, an Einzelheiten das ganze Faszinosum dieses nazionalen Sozialismus festzumachen, das ist wahrhaft spannend. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 15. Dezember 2007 von Klaus Grunenberg
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Veröffentlicht am 20. August 2005 von Gerhard Mall, Darmstadt
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Zionismus und Pan-Europa Union Spirituelle Rassismus der tamudistisches Zionisten 0 10.03.2012
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