Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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49 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Historisches meisterhaft aufgearbeitet, 21. Juli 2005
Der Autor dieses Buches, Götz Aly, ist Historiker und Journalist sowie Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen. Er berichtet über einen Aspekt des Dritten Reiches der in der in der geschichtlichen Untersuchung in den letzten Jahren eher vernachlässigt wurde. Mit welch en Mitteln sind die Menschen in den nationalsozialistischen Staat integriert worden, was hat sie so lange zufrieden gemacht oder zu mindestens ruhig gestellt? Den Deutschen ging es in dieser Zeit des Nationalsozialismus besser denn je. Man muss sich einmal vorstellen, allein wie integrativ eine Rentenerhöhung von 15% im Jahre 1941 gewirkt hat, mitten im Krieg, auf Kosten von Millionen Zwangsarbeitern, die in die Sozialversicherungssysteme einbezahlt haben. Mit diesen und ähnlichen Wohltaten hat man das Volk moralisch bestochen. Im ersten Teil des Buches entwickelt der Autor den zentralen Begriff einer Gefälligkeitsdiktatur, das heißt er betrachtet den nationalsozialistischen Staat aus einer Perspektive in der er sich als Gefälligkeitsdiktatur zeigt. Er entwickelt damit die zentrale These, dass es eben nicht vorrangig Repression und Terror waren, die die Deutschen ermutigt hat mitzumachen, sondern er sagt an einer anderen Stelle später, die Deutschen waren Nutznießer und „Nutznießerchen". Er sieht diese Tatsache als komplementäres Element der Wahrheitsfindung von hohem Gewicht, das bisher in der Forschung vernachlässigt worden ist. Herr Aly spricht nicht vom Nationalsozialismus sondern vom nationalen Sozialismus. Wie sozialstaatlich war eigentlich der Nationalsozialismus? Das sozialistische Konzept in seiner ursprünglichen Form ist ein internationalistisches. Es beruht auf der Auseinandersetzung von Kapital und Arbeit. Das historisch tragische ist, dass ein Teil dieses Konzeptes von der NSDAP übernommen wurde und dass dazu die ethnische Homogenisierung gemischt wurde. In dieser Mischung haben sich soziale und sozialistische Ideen relativ gut behauptet. Das System, das haben Studien zur Finanzpolitik klar ergeben, basierte von 1934 an auf reiner Verschuldungsbasis. Der Krieg stand so zu sagen als „Finanzierungsmittel" auf der einen Seite von Anfang an am Horizont, auf der anderen Seite die Judenvernichtung und die damit einhergehende Enteignung. Man hat immer viel mehr Geld ausgegeben als eingenommen werden konnte. Das hat sich dann auch günstig für die breite Masse des Volkes ausgewirkt. Darüber hin aus hat man zwischen 1933 und 1940 trotz Rüstungsboom und anwachsender Staatsausgaben die Steuern nicht erhöht. Darüber hinaus hat man die Pfändungstitel gestoppt. Das war für viele Menschen, die durch die Weltwirtschaftskrise in Not und Verschuldung geraten waren, von großer Wichtigkeit. Das Konzept der in der Anfangsphase propagierten Volksgemeinschaft funktionierte natürlich nur mit einem Gegenkonzept, nämlich der negativen Integration, also der ‚Ausgrenzung von klar definierten Gruppen. Darüber hinaus hat der Nationalsozialismus ein hohes Maß an sozialer Mobilität und Klassenvermischung im Inneren durchgesetzt. Die vom Autor zitierte Nutznießerschaft bezieht sich auf die Phase des Krieges. Da gibt es Phänomene über die bis heute wenig geschrieben worden ist. Unter der Kapitelüberschrift „Hitlers zufriedene Räuber" werden die Deutschen hart zu Gericht genommen, denn alle haben in irgendeiner Form profitiert, und so betrachtet verwandelte die NS-Führung die Deutschen mehrheitlich nicht zu überzeugten Herrenmenschen und bedingungslosen Fanatikern sondern zu willigen Nutznießern. Die deutsche Volksgemeinschaft, die sicher auch in dieser Konsolidierungsphase am Anfang der NS Zeit sozial psychologisch hervorgebracht worden ist, hätte sicher lieber gesehen, wenn ihr die anschließenden Anstrengungen, Zumutungen und bitteren Verluste, selbst bei einem siegreiche ersten Teil des Krieges, erspart geblieben wären. Dieses Buch erhellt in ausgezeichneter Form die Zeit des Nationalsozialismus. Beieindrucken ist die umwerfende Sachkenntnis des Autors.
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34 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vielen Dank für dieses Sachbuch, 4. Februar 2006
Von Ein Kunde
Vielen Dank für dieses Sachbuch! Ich gehöre zur sogenannten Generation der "Nachgeborenen" und bin als historisch einigermaßen interessierter Mensch wenigstens in groben Zügen mit den Fakten und Daten des Dritten Reiches vertraut. Ich konnte allerdings rein gefühlsmäßig nie verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass gerade wir Deutschen die nazionalsozialistische Barbarei zugelassen haben, dass das "Volk der Dichter und Denker" moralisch überhaupt so tief sinken konnte. Das Buch von Götz Aly schließt hier eine echte Lücke und dafür bin ich dankbar. Denn es behandelt weniger die "große" Geschichte, die sich mit den zentralen Persönlichkeiten des NS-Regimes, den Eckdaten der Machtergreifung und des Kriegsverlaufes befasst, sondern es geht dem Autor um etwas ganz anderes – nämlich, um die nationale Euphorie, die die Nationalsozialisten bei einem Gutteil der Bevölkerung, dank einfacher wie perfider "Rezepte", entfachen konnten. Das deutsche Selbstwertgefühl - unbestritten eine der wichtigsten Kulturnationen Europas - lag nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und der "Schmach" des Versailler Vertrages am Boden. Viele empfanden die restriktiven Regelungen des Friedensvertrag als ungerecht und konnten sich nie mit der aufgezwungenen und alles andere als wehrhaften Weimarer Demokratie identifizieren. Die Nationalsozialisten schafften es, diese diffusen Gefühle für ihre Zwecke auszunutzen. Wie diabolisch verführerisch "Hitlers Volksstaat", wie verlockend die nationalsozialistische Rassenideologie für die Menschen tatsächlich war, das habe ich durch die Lektüre von Alys sehr gutem und bestens recheriertem Buch nun eher "begriffen". Immerhin schafften es das Regime ein Gutteil seiner Versprechungen (auf Kosten anderer) "wahr" zu machen. Und nun stellt sich mir die Frage, ob sich so etwas in unserer aufgeklärten Zeit eventuell wiederholen könnte. War ich einst vollkommen vom NIEMALS WIEDER überzeugt, bin ich mir heute nicht mehr ganz so sicher. Genau deshalb sind solche Bücher wie "Hitlers Volksstaat" so wichtig, denn sie zeigen uns auf, mit welchen Mitteln es gelingen konnte, in einem ganzen Volk eine destruktive nationalistische Stimmung zu erzeugen - und nur mit diesem Wissen kann auch in Zukunft ähnlich schlimmes verhindert werden.
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26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wichtiges Buch, zur richtigen Zeit mit Schlampereien, 4. Juli 2005
Die in Götz Alys Buch „Hitlers Volksstaat" aufgeworfene These, dass es sich bei dem NS-Staat um eine „Raubmaschine ohne Beispiel" gehandelt habe, ist so neu nicht und wurde schon von anderen Historikern, wenn auch nicht in dieser Ausführlichkeit, aufgegriffen. Aly deckt in „Hitlers Volksstaat" detailliert auf, wie sich der NS-Apparat mithilfe von sozialen Vergütungen und Steuerbelastungen für die besser situierten Bevölkerungsschichten und Großbetriebe das Gros des deutschen Volkes gefügig machte. Er beschreibt den innenpolitischen Prozess während der zwölfjährigen Nazi-Herrschaft dabei als ständiges „Geben" und „Nehmen", mithilfe dessen sich Hitler und seine Entourage eine Zustimmungsdiktatur aufgebaut hätten. Die Nazis werden so zu Hasardeuren stilisiert, deren ständiger Aktionismus, etwa die staatliche Enteignung des jüdischen Einkommens ab 1938, ein unablässiges Muss zur Kriegsfinanzierung und psychologischen Unterstützung seitens der „Volksgemeinschaft" gewesen wäre. Die Beispiele und Rechnungen des Autors sind nicht immer verständlich, bei näherer Betrachtung aber quellentechnisch überaus gelungen untermauert. Nicht umsonst eilt Aly unter den Historikern der Ruf eines „Archivmäuschen" voraus. Trotz der sprachlichen Eleganz, die dennoch weit entfernt bleibt von alten Schwergewichten wie Golo Mann oder Haffner, überzeugt „Hitlers Volksstaat" durch seine geballte Quellenoffensive und den von bisherigen Publikationen nur kaum beachteten Ansatz der erkauften Massenloyalität. Ein unnötiger Fauxpas, der fast eine Art neuen Historiker-Streit ausgelöst hat, unterläuft Götz Aly nur in dem Punkt, als dass er den ideologischen Ansatz (Norbert Frei) und personellen Ansatz, respektive die Rolle der Persona Hitler (Hans-Ulrich Wehler), vernachlässigt. Die Synthese aus beiden Aspekten, der ohnehin latent vorhandenen und erkauften ideologischen Überzeugung, bleibt deshalb aus. Dennoch eines der wichtigsten und gelungensten Werke zur NS-Thematik, das in der letzten Zeit veröffentlicht wurde.
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