Zweiter Weltkrieg, 1940, ein Schloss in Frankreich: Gustav Schultz, ein deutscher Geiger, spielt vor Hitler und seinem engsten Kreis. Danach zerschmettert Hitler die Geige und lässt Schultz hinrichten. Ein kleiner Junge wird Zeuge der Schreckenstat, deren Grund er nicht erfährt. Als er, inzwischen hoher Würdenträger der Kirche in Rom, ein halbes Jahrhundert später den Violinvirtuosen Gal Knobel das Stück von damals spielen hört, will er mit ihm zusammen das Rätsel lösen. Was hat Hitlers Zorn damals so erregt?
Gemeinsam mit Knobel, der sich anfangs nur widerwillig zu dieser Schnitzeljagd überreden lässt, stellt er eine Reihe von Recherchen rund um den Tod von Schultz an. Verfolgt von einer weiteren unbekannten Partei, welche ihrerseits alles in ihrer Macht stehende tut, um die Nachforschungen der beiden zu behindern. Als gewisse Beweise zutage kommen, dass es sich bei dem Ganzen um eine noch viel größere Verschwörung handelt, die zudem ihre Wurzeln in der Geschichte von Salomone Rossi und dem berühmten Komponisten Claudio Monteverdi hat, wird aus der einfachen Suche nach der Wahrheit schnell ein Spiel um Leben und Tod ...
"Hitlers Violine" hat nicht nur aufgrund der schönen Aufmachung und des Klappentexts, sondern auch aufgrund der Tatsache, daß mir die Agentenkomödie
Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh mit Pierre Richard nach dem Roman "Die fünfte Saite" von Igal Shamir in Erinnerung geblieben ist, meine Aufmerksamkeit erregt. Der vorliegende Roman ist ein historisch aufwendig recherchierter Agententhriller, der durch seine genaue Kenntnis der musikalischen Barockgeschichte besticht. Der Autor selbst ist ehemaliger Pilot der israelischen Luftwaffe und war ein international gefeierter Musiker auf der Violine. So sind sicher eigene Erfahrungen in die Romanhandlung eingeflochten. Das alles hat mir sehr gut gefallen. Vermisst habe ich jedoch den Spannungsbogen der Geschichte.
Der auf wahren Begebenheiten beruhende komplexe Roman beginnt auf dem französischen Schloss mit dem tödlichen Wutanfall Hitlers, um dann in die Jetzt-Zeit im römischen Vatikan zu wechseln. Dieser Mix aus Fakten und Fiktion gelingt Shamir über weite Strecken hin hervorragend. Durch zahlreiche Perspektiven- und Ortswechsel ist die Aufmerksamkeit des Lesers intellektuell ständig gefordert, dabei lässt der Spannungsbogen zu wünschen übrig. Ich habe das Lesen als sehr zäh und langwierig empfunden. Wenn ich auch die Einblicke in die Musikgeschichte des Barock, die historische Entwicklung der Violine und die Rolle jüdischer Musiker seit der Renaissance lobend erwähnen muß.
"Hitlers Violine" ist ein intelligenter historischer Agententhriller zwischen Nazis und katholischer Kirche mit einer an den Haaren herbeigezogenen Liebesgeschichte zwischen Knobel und der Agentin Eve, leider auf Kosten einer durchgehenden Spannung. So wird dieser lehrreiche Roman sicher gern gelesen von Musikliebhabern, die die leisen Töne der Violine den lauten temporeichen einer Trompete vorziehen und lieber historisch interessantes über die Rolle der Kirche und der Nazis in der Musikgeschichte als einen spannenden Kriminalroman lesen.