Hitlers Tischgespräche sind weder eine leichte Lektüre, noch eine aufschlussreiche.
Den wahren Wert dieses Buches muss man sich dazudenken: Denn bei allem kritischen Misstrauen, wird doch deutlich, dass Hitler eben nicht der ordinäre, halbgebildete Taugenichts war, als den ihn die ZDF-Dokumentationen so gerne präsentieren, sondern dass er über umfangreiches autodidaktisches Fachwissen auf bestimmten Gebieten verfügte, und noch dazu die Gabe besaß, sich auf unheimliche Weise in andere Menschen hineinzudenken, und ihr Verhalten zu berechnen.
Diese Erkenntnis liegt inmitten eines 800 Seiten starken Wälzers, dessen Inhalt sich über sämtliche Universitätsfächer erstreckt: Architektur, Wirtschaft, Kunstgeschichte, Soziologie, Ethik, Philosophie, Politikwissenschaft, Biologie und Geschichte werden ebenso abgedeckt wie Rüstung, Militärwesen oder Maschinenbau. Über all dies wusste Hitler Bescheid, mal mehr mal weniger.
Ich möchte mit keiner Zeile herunterspielen, dass diese Ausführungen über lange, sehr lange Strecken hinweg todlangweilig sind.
Dann wieder liest man Passagen über das Gesundheitswesen, Volkswirtschaft oder Ernährungsfragen, bei denen man sich unweigerlich denkt, dass Hitler, nach heutigen politischen Maßstäben nicht nur erstaunlich „Grün“ war, sondern auch eine starke Neigung nach links hatte.
Ebenso erstaunt, dass viele von Hitlers Vorstellungen insbesondere im Bereich der Politik fast genauso eingetroffen sind, wie er es prophezeite: Die Auflösung des britischen Empires, die Idee eines geeinten Europa, und nicht zuletzt seine politische Idealvorstellung: Man müsse in jedem Dorf, oder besser, in jedem Haus einen Apparat installieren, der die Menschen mit Unterhaltung, Konsum und politischen Halbinformationen berieselt, so dass sie glücklich und zufrieden sind, während die Machthaber ihre Pläne ungestört verwirklichen können. Einen solchen Apparat gibt es inzwischen: Er heißt Fernseher.
Einen Stern Abzug dafür, dass das Lesen dieses Buches über lange Strecken hinweg eine Qual ist, und natürlich auch für die sehr wohlwollenden Anmerkungen des Stenographen Picker.
Die deutlichste Erkenntnis bleibt aber eine andere: Nämlich mit welcher Gemütsruhe Hitler tagtäglich über Belanglosigkeiten diskutieren konnte, während zur gleichen Zeit auf seinen Fingerzeig hin ganz Europa in Flammen aufging.