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Produktinformation
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Kershaw hält nichts von der gängigen Dämonisierung Hitlers zum modernen allmächtigen Tyrannen und der damit im Grunde verharmlosenden Reduktion von Tätern und Mitläufern zu Marionetten eines totalitären "Hitlerismus". Er sieht im "Führer" weniger den aktionistischen Diktator als den tonangebenden Ideologen -- die "Verkörperung der Idee" sozusagen --, der seinen "Volksgenossen" und Getreuen bei ihrer Arbeit im "nationalen Interesse" und zum Nutzen der "völkischen Erneuerung" und "Rassenhygiene" weitgehend freie Hand ließ. Das an feudales Vasallentum erinnernde Machtgefüge im Dritten Reich tat dann ein Übriges, um die mörderische Spirale der Unmenschlichkeit in Gang zu setzen, die zunehmend an Eigendynamik gewann: "Die Regierung verkam (...) zu einem monströsen Gebilde rivalisierender Machtsphären, bei dem die einzelnen Machthaber zur Stärkung und Erhaltung der eigenen Position bestrebt waren, sich gegenseitig darin zu übertreffen, 'im Sinne des Führers' zu handeln - bei der Umsetzung seiner 'Idee' in die Praxis." Indem Hitler seine konkurrierenden Paladine und Statthalter an der langen Leine hielt, sicherte er sich nach der Devise divide et impera geschickt seine zentrale Stellung im System.
Auch in diesem Buch hebt sich der Autor von Der Hitler-Mythos und der noch bemerkenswerteren großen Hitler-Biografie mit seinen Thesen zu Phänomen und Struktur des Nationalsozialismus wohltuend vom Mainstream ab. Dies mag nicht zuletzt an der Unbefangenheit liegen, die er sich als Außenstehender bei der Analyse der heiklen deutschen Geschichte erlauben kann. --Roland Detsch
Wie war es möglich, daß Hitler von einer unscheinbaren Randfigur zum mächtigsten Mann Europas aufsteigen und es binnen weniger Jahre in Schutt und Asche legen konnte? In seiner Untersuchung gibt Ian Kershaw eine neu akzentuierte Antwort, indem er Max Webers Konzept der »charismatischen Herrschaft« konsequent auf die Analyse von Person und Rolle Hitlers anwendet. Er zeichnet ein klares Profil der NS-Herrschaft und verdeutlicht das Ineinanderwirken von Hitlers persönlichem Machtanspruch, der Machtausübung durch die Partei und den Machtstrukturen des Systems.
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Antworten auf diese Fragen sucht der englische Zeithistoriker Ian Kershaw in seinem Buch „Hitlers Macht. Das Profil der NS-Herrschaft“.
Der Autor, 1943 geboren, ursprünglich Mediävist, hatte als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung von 1976 bis 1977 am Institut für Zeitgeschichte in München geforscht.
Ende der 80er Jahre fing er dann an, sich intensiv mit der Person Adolf Hitler zu beschäftigen.
Seine dazu bisher erschienenen Bücher „Der Hitler-Mythos“, „Der NS-Staat“, „Hitlers Macht“ und seine großen Hitler-Biographien „Hitler 1889-1936“, bzw. „Hitler 1936-1945“ machten ihn aufgrund seiner Theorien und seinem profunden Wissen über die einschlägige Thematik zu einem begehrten Autor, dessen Bücher weltweit Absatz fanden.
Seit 1989 lehrt Kershaw als Professor für Neuere Geschichte an der Universität Sheffield.
Zentrale Grundaussage des Autors in seinem ca. 250 Seiten umfassenden Buch ist die Behauptung, Hitler wäre nicht ohne die damaligen Voraussetzungen in Deutschland an die Macht gekommen.
Doch diese These, wonach der Hitler-Mythos durch die sozialen Gegebenheiten zustande kam, ist nicht neu, sondern wurde von Kershaw in seinem Buch nur durch neue Beispiele wiederholt erklärt.
Diverse Wirtschaftskrisen, Angst vor dem Bolschewismus, über die Reparationszahlungen und die nach dem 1. Weltkrieg verlorene Vormachtstellung Deutschlands in Europa gedemütigte Bevölkerung ermöglichten es Hitler nach Ansicht Kershaws eine breite Basis für seine Ideologie in der Bevölkerung zu finden.
Weite Kreise der deutschen Bevölkerung warteten ob ihrer prekären Lage nur auf den „Erlöser“, dessen Gestalt schlußendlich „messiasmäßig“ Adolf Hitler annahm.
Aus diesen oben genannten Bedingungen heraus und durch die außergewöhnliche Rhetorik und Überzeugungskraft des späteren „Führers“ konnte die NSDAP und mit ihr Hitler aufbauen, auch wenn, laut Kershaw, Hitler im Laufe seiner „Karriere“ oft politische Verrenkungen machen mußte, um Wählerpotential dazuzugewinnen und gewisse Kreise der Bevölkerung für seine Weltanschauung zu gewinnen.
Denn Kershaw zeichnet im Zwischenkriegsdeutschland nicht das Bild einer von vornherein für die NS-Ideologie überzeugten Masse, sondern eher ein unsicheres, von verschiedenen politischen Richtungen bedrängten Volk, dem der Agitator Hitler die Richtung zu weisen schien.
Vielmehr versucht Kershaw in seinem Buch den „Mythos“ Hitler mit all seinen Facetten zu erklären.
Diese Erklärung zieht sich in seinem Buch in fast jedem Kapitel wie ein roter Faden hindurch.
Der Autor vermittelt dem Leser in seinem Werk das Bild einer im Anfangsstadium befindlichen politischen Splittergruppierung, die einen Anführer fand, der die ganze Parteilinie bestimmte, sie willkürlich waltete und schaltete, sie aufbaute, für seine Ideologie und Vorstellungen benutzte und sich am Ende sich selbst überließ.
Es scheint fast, als wolle Kershaw sagen, daß Hitler die Partei selbst war, denn nach Ansicht des Verfassers wuchs die Partei durch die Ideologie des „Führers“ und die Ideologie wuchs mit der Partei.
Durch eine fast chronologische Abfolge der Ereignisse jener Zeit, wie Hitler in die Regierung kam und sie fast willkürlich steuerte und den darauffolgenden Kapiteln wie der Diktator die Macht für seine Vorhaben und Zwecke ausnutzte, bis hin zur Schwächung der Macht nach der Niederlage der Deutschen Wehrmacht in Stalingrad gibt dem Leser neben der zentralen Grundaussage auch einen Einblick in das Denken, Handeln und der Ideologie der damaligen Bevölkerung.
Nicht zuletzt durch die Rechtfertigung, bzw. der mentalen Unterwerfung weitester Bevölkerungsteile und der Justiz, hervorgerufen durch die bereits in vollem Gange befindliche Staatsdoktrin für die Aktionen gegen die Feinde, gegen die mit barbarischen Mitteln vorgegangen wurde, wird das Bild des Großteils des Volkes als „Hitler-Fanatiker“ eindrucksvoll verdeutlicht, wobei der Autor des Buches mehrmals darauf bedacht ist die Zustimmung nicht aus Angst vor Repressalien, sondern vielmehr durch den Glauben an die Rechtfertigung „der höheren Sache“ darstellen zu können.
In einigen Punkten erscheint Kershaws Buch aber durch langwierig gehaltene Passagen oft, als versuche der Autor die Leser mittels mehrmaliger unwichtig erscheinender Details von der Richtigkeit seiner Theorien zu überzeugen.
Kershaw bedient sich in seinem Buch meistens bereits hervorgegangener wissenschaftlicher Thesen, die er durch Details ergänzend neu vermarktet.
In vielerlei Hinsicht drängt sich der Verdacht auf, daß es sich bei diesem Buch um eine Zusammenfassung der bisher von Kershaw erschienenen Bücher handelt, das ausgeschmückt mit neuen Details und Erkenntnissen die Leser dazu anregen will, auch die bisher vom Autor veröffentlichte Literatur zu erwerben.
Obwohl keine eigentliche Hitler-Biographie, schildert der Autor doch immer wieder vereinzelt die Ursachen für Hitlers Antisemitismus, ohne aber leider genau darauf einzugehen, oder eine Hypothese dafür anstellen zu können.
In einigen Passagen widerspricht sich der Autor auch, indem er gerade erst getätigte Behauptungen im nächsten Kapitel wieder verwirft und durch neue ersetzt.
Im Großen und Ganzen ist dieses Buch aber für den bereits in der Materie fachkundigen Leser sicherlich eine lohnende Ergänzung zu bereits bestehender einschlägiger Literatur, was die bereits dritte Auflage beweist.
Der größte Vorteil des Autors dürfte jedoch vor allem die historisch persönliche Unbefangenheit als Engländer sein, eröffnet sie dem Leser doch neue Sichtweisen, die er durch die Fülle an Lektüre aus dem deutschsprachigen Raum oft vermißte.
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