Die von der BBC produzierte Dokumentation blickt aus einer Perspektive auf Adolf Hitler, die ungewohnt ist. Sie widmet sich den Mitgliedern des Führerbegleitkommandos, der direkten Leibwache des Diktators.
Diese bestand aus Männern, die bereits in der Frühzeit der NS-Bewegung zu Hitler gestoßen waren und die ihm absolut loyal waren. Umgekehr, so vermittelt es zumindest die Dokumentation, stand auch Hitler, der sonst krankhaft misstrauisch war, stets loyal zu seiner Leibwache. Und dies obwohl die einzelnen Mitglieder durchaus Schwächen wir z.B. Alkolismus hatten.
Die Dokumentation schildet, wie sich aus dem zahlenmäßig eher kleinen Führerbegleitkommando ein gigantischer Sicherheitsapparat rund um Hitlers Person entwickelte und mit welchen Methoden der Diktator geschützt wurde.
Neben den historischen Fakten zu den diversen Attentatsversuchen vermittelt die Dokumentation auch einen interessanten Einblick in das Innenleben der Diktatur. Besonders die Rolle Himmlers, der als Chef des eigentlichen Sicherheitsapparates den autonomen Status des Führerbegleitkommandos zu untergraben versuchte, zeigt, wie interne Machtspiele und Intrigen immer wieder die Poltik im NS-Staat bestimmten.
Für mich hatte die Dokumentation Stärken und Schwächen. Die Schilderung der Entwicklung der NS-Diktatur aus Sicht der Leibwache ist eine ungewöhnliche und interessante Perspektive. Diese Sicht "aus der Kulisse" heraus ist hilfreich, wenn man die Abläufe und vor allem die Person Hitlers wirklich verstehen will.
Leider fehlt dann der Dokumentation manchmal auch die notwendige Distanz. Die fast schon enthusiastische Beschreibung der Perfektion des Sicherheitsapparates wird zu wenig der Tatsache gerecht, dass auch die Mitglieder der Leibgarde Instrumente des Terrors waren. Als besonders loyale Helfer wurden sie ausgewählt um z.B. während des sog. Röhmputsches unliebsame Personen zu liquidieren. Dies wird zwar in den Filmen gezeigt, geht aber in der Fülle des Materials fast unter.
Auch ist die Dokumentation für mich zu lang. Bestimmte Passagen wiederholen sich immer wieder und man merkt, dass die Produzenten die aufwendigen und teuren Animationen und Spielszenen gerne mehrfach einsetzen wollten. Doch wenn man dieselbe Sequenz zum 3. Mal sieht langweilt es. Zu diesen Wiederholungen trägt auch der Aufbau der Reihe bei. Die einzelnen Folgen befassen sich mit spezischen Bedrohungssituationen (Autofahrten, Reisen im Flugzeug oder Attentate im Führerhauptquartier). Dadurch wird in jeder Folge erneut die gesamte Geschichte des Dritten Reichs daurchlaufen, was halt auf Dauer den Effekt erzeugt, dass man das doch schon mal gesehen hat. Eine konsequente Orientierung an den zeitlichen Abläufen wäre hier die bessere Wahl gewesen.
Trotz dieser Kritik ist die Dokumentation gut gelungen. Wie bei der BBC nicht anders zu erwarten technisch brilliant umgesetzt und historisch fundiert. Interessant im überigen, dass die gleiche Produktionsfirma auch eine Dokumentation über den Personenschutz von Hitlers Gegenspieler Winston Churchill herausgebracht hat. Im Gegensatz zu den Tausenden Soldaten die Hitler schützten verließ sich Churchill auf einen einzigen Leibwächter. Die beiden Dokus ermöglichen so einen spannenden Vergleich der beiden Persönlichkeiten und der Systeme.
Fazit: Nichts für Leute, die sich in der Geschichte des 3. Reichs nicht auskennen, da das Thema der Doku zu speziell ist. Aber für Interessierte mit Vorkenntnissen eine echte Entdeckung, da auch Kenner der Materie hier neue Gesichtspunkte entdecken werden.