Putzi Hanfstaengel war Hitlers Auslandspressechef, fiel 1937 inUngnade und floh ins Ausland. Sein Sohn Egon, Hitlers Patenkind, kämpfte später in der U.S.-Armee gegen Deutschlands Verbündete. Ein irrer Lebenslauf. Hanfstaengel stammte aus einer angesehenen Münchener Familie, wuchs im Kaiserreich auf, studierte bis 1909 in Harvard, lernte 1923 Hitler kennen, war jahrelang ein enger Vertrauter, der für ihn zu allen Tages- und Nachtzeiten Klavier spielen musste, saß dann sieben Jahre als Gefangener der Engländer und Amerikaner fest, für die er Berichte und Analysen übers Dritte Reich und seine Protagonisten verfasste, bevor er nach Deutschland zurückkehrte, wo er 1975 starb. Zu seinen Bekannten zählten viele einflussreiche Persönlichkeiten, darunter beide amerikanischen Roosevelt-Präsidenten, die berühmte Schriftstellerin Djuna Barnes war drei Jahre lang seine Geliebte. Ein Leben wie ein Roman. Der englische Journalist Peter Conradi beschreibt es spannend und brillant. Ein Glanzstück angelsächsischen Journalismus', und auch die deutsche Übersetzung von Gabriele Herbst ist erstklassig.
Conradi, Top-Zeitungsmann, der er ist, verlässt sich nicht nur auf Hanfstaengels eigene, umfangreiche Aufzeichnungen, sondern hat viele andere Quellen studiert. So entsteht das Bild eines höchst interessanten Menschen, der manchmal zugleich anziehend und oft aber auch abstoßend wirkt. Ein Sympathieträger ist dieser Putzi Hanfstaengel nicht, der sich später zwar als Nazi-Gegner geriert, von seiner Faszination für Hitler aber nie weg kommt und der bis zum Tod und trotz seiner großen Intelligenz und musischen Begabung ein ekelhafter Antisemit und Rassist bleibt. Er vereinigt in sich die Widersprüche, die es bis heute so schwer machen zu verstehen, warum an und für sich begabte Menschen Hitler und seiner Ideologie verfallen waren. Am Beispiel Hanfstaengel zeigt Conradis Buch, wie vielschichtig die Gründe dafür sind, dass das Dritte Reich entstehen konnte.