Offengestanden kann ich die vielen schlechten Kritiken zu den beiden HITLERS HELFER - Dokureihen ganz und gar nicht nachvollziehen. Mag sein, dass Herr Knopp nicht jedermanns Fall ist. Mag sein, dass das "Böse" in Form des 3. Reiches und insbesondere in Person Hitlers Schattenmänner manchmal etwas überzeichnet wirkt. Aber trotzdem ist mit dieser Serie nicht nur ein neuer Maßstab - Fernsehdokumentationen betreffend - gesetzt worden, sondern es ist darüber hinaus auch gelungen, einer breiteren Öffentlichkeit dieses sehr brisante und dunkle Kapitel neuerer Geschichte nahezubringen.
Gerne können Sie auch meine Rezension zum 1. Teil dieser Staffel lesen. Auch hier gab's viele - mir nicht nachvollziehbare - miserable Kritiken! Deshalb habe ich auch beschlossen hierzu eine weitere Rezension zu verfassen. (Beide Teile der Reihe sind absolut sehenswert!)
Außerdem: Warum prangert man an, dass beispielsweise Wochenschau-Bildmaterial - so, wie es eben war - gezeigt wird? Genau dadurch wird ja gerade ein authentischer Zugang geschaffen - oder nicht? Auf der einen Seite sieht man die Herrlichkeit des Dritten Reiches, auf der anderen (eben aufgrund des heutigen Wissensstandes) die nahezu "perverse" Übertreibung des Führer- und Deutschkultes! Dass die Alliierten als Sieger die Regeln nach dem Krieg bestimmt haben ist auch kein Geheimnis und ja - trotz aller Greuel, die auch von den sogenannten Siegermächten begangen wurden - sind sie als Befreier gekommen. Warum sollte man das nicht auch so darstellen dürfen? (Außerdem werden die Alliierten keineswegs immer als makellose Helden dargestellt.)
Freilich: Einzelschicksale mögen nicht gänzlich perfekt aufgearbeitet worden sein, aber durch die vielen, sehr guten Zeitzeugeninterviews schafft Herr Knopp Platz zum selbstständigen Schlüsseziehen. Und als mündiger Durchschnittsbürger und Fernsehkonsument sollte man ja wohl doch in der Lage sein, sich ein eigenes Gesamtbild der damaligen Lage machen zu können - soweit dies halt als Nicht-Zeitzeuge überhaupt möglich ist.
Es mag schwierig sein, die Umstände im und ums 3. Reich mitsamt all seinen Schattenseiten zu verstehen, ohne eine Ahnung zu haben, dass es auch einen 1. Weltkrieg und noch eine Zeit davor gegeben hat, in der bereits ein fruchtbarer Boden für Radikalität, Nationalismus und dem Wunsch nach Größe und Stärke geschaffen wurde. Die Serie trägt aber nun einmal den Titel HITLERS HELFER und es ist nur logisch - finde ich -, dass man eben das Leben und Schaffen Hitlers Handlanger bewusst fokussiert hat. Immerhin werden die Lebensläufe der vorgestellten Reichsgrößen chronologisch, von Kindheit an, jeweils vorgestellt, so, dass wenigstens ein kleiner Ausschnitt und Eindruck aus der Zeit der Monarchie sowie der folgenden Republik und der großen Wirtschftsdepression zum Ausdruck kommen.
Vielleicht empfiehlt es sich HITLER - EINE BILANZ im Vorfeld zu schauen (ebenfalls G. Knopp), da man so einen etwas größeren Einblick in die Person Adolf Hitler und in die Zeit vor dem 2. Weltkrieg gewinnen kann.
Jedenfalls kann ich es nicht verstehen, wie man dieses ambitionierte Meisterwerk derart verreißen und schlecht machen kann. Ich frage mich auch, ob da teilweise nicht nur Kritik an der Person Guido Knopp ausgeübt wurde...
Der Serie kann man - so meine ich - auf keinen Fall vorwerfen, zu einseitig konstruiert worden zu sein! Dass aufgrund der Ausschöpfung moderner medialer Möglichkeiten eine durch und durch düstere, manchmal vielleicht sogar thrillergeschwängerte Atmosphäre entsteht, ist eben Herrn Knopps Tribut an all diejenigen, die sich nicht so sehr - wie wir Hobbyhistoriker - für Geschichte interessieren. Auch das würde ich aber eher positiv sehen, da dieses Thema ansonsten vermutlich noch weniger Anklang bei der breiten Masse gefunden hätte.
Und, zum Vergleich: Es gibt eine Vielzahl an Dokumentationen über den 2. Weltkrieg. Vergleicht man Herrn Knopps Errungenschaften mit diesen, so bleibt er bislang eindeutig mein Favorit!
So. Ich finde, das musste einfach einmal auch gesagt werden.
Also: Bitte so weitermachen, Herr Knopp!!