In diesem Buch zeigt Brigitte Hamann vieles auf, das Wichtigste davon erscheint mir, dass aus den von ihr zitierten Stellen aus den Tagebüchern des Arztes Eduard Bloch, die Zwiespältigkeit von Hitlers Wesen augenscheinlich wird und dieser unmenschliche Diktator, der den Tod Millionen von Menschen auf dem Gewissen hat, in seiner Jugend gute menschliche Züge zeigte. Von Geburt an ist kein Mensch gut oder schlecht, in jedem von uns steckte die Möglichkeit, sich zum Heiligen oder zur Bestie zu entwickeln. Irgendwelche Schlüsselerlebnisse in der Kindheit oder auch in der Jugend scheinen die Weichen zu stellen, wohin der Weg geht.
In diesem Zusammenhang ist das Buch "Adolf H." interessant, in dem Eric-Emmanuel Schmitt aufzeigt, wie es vielleicht auch anders kommen hätte können.
Brigitte Hamann hat für ihr Buch jahrelange akribische Recherchen angestellt und schildert nicht nur das Leben des jüdischen Armenarztes Eduard Bloch und seiner Familie, sondern auch das ganze Umfeld der geschichtlichen und politischen Entwicklungen in Linz und Oberösterreich beginnend mit Blochs Geburt im Jahre 1872 in Frauenberg, Südböhmen, und endend mit seiner Ausreise in die USA im Spätherbst 1940. Hitler hatte ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Mutter. Eduard Bloch war der Arzt der Familie und betreute Hitlers Mutter während ihres Krebsleidens bis zu ihrem Tod. Hitler zeigte sich dafür dankbar und hielt dann, als die exzessiven Judenverfolgungen begannen, seine schützende Hand über die Familie Bloch.
Allgemein spricht das Buch alle an, die an der jüngeren Geschichte interessiert sind, die mehr über die Entwicklung der Person Adolf Hitlers erfahren und die Details über die Praxis der Vertreibung und Tötung der jüdischen Bevölkerung wissen wollen. Für mich als Oberösterreicher ist das Buch besonders interessant, da mir die Orte der Handlungen und fast alle Namen von Personen, die im Buch auftauchen, bekannt sind.
Ein Beispiel für die Genauigkeit von Frau Hamanns Recherchen und von den gedanklichen Verbindungen, die sich dadurch ergeben, möchte ich Folgendes anführen: sie erwähnt, dass das barocke Palais an der Linzer Landstraße, in dem die Familie Bloch wohnte, vom Bildhauer Leonhard Sattler erbaut, bzw. ausgeschmückt wurde, das ist jener Bildhauer, der auch den barocken Hochaltar in der Pfarrkirche von Christkindl schuf und sehr viel für das Stift Sankt Florian arbeitete.