Mag mag es kaum glauben: Unter den Zehntausenden Büchern, die über den Nationalsozialismus erschienen sind, gab es bislang keines, das sich dem speziellen Verhältnis von Hitler zu Berlin und von den Berlinern zu Hitler gewidmet hat. Diese Lücke hat Sven Felix Kellerhoff mit seinem Buch eindrucksvoll gefüllt. Der Autor kommt nach umfangreichen Recherchen zu dem Schluß, daß Hitler ein sehr ambivalentes Verhältnis zur Reichshauptstadt hatte, die er 1916 zum ersten Mal besuchte. Er konnte sie über den Klee loben und attraktiv finden, um sie wenig später als schrecklichen Moloch zu beschimpfen. Hitler wußte, daß er die Berlin für seine politischen Pläne brauchte, entzog sich aber zugleich konsequent dem großstädtischen Leben mit seinen Theatern, Kneipen und Flaniermeilen.
Kellerhoff räumt in seinem Buch auch mit Legenden auf. Anders als in der öffentlichen Wahrnehmung war Hitler während seiner Amtszeit in keiner Stadt so häufig wie in Berlin - nämlich jeden dritten Tag. Und: Die Berliner waren nicht so distanziert gegenüber dem "Führer" wie es nach dem Krieg häufig behauptet wurde. Wurde die NSDAP bei den Kommunalwahlen 1925 im Stadtteil Spandau lediglich von knapp 130 Stimmberechtigten gewählt, waren es nur acht Jahre später, im Frühjahr 1933, in ganz Berlin schon fast eine Million Wähler.
Bei vielen Büchern, die in diesen Tagen zur NS-Zeit erscheinen, wird versucht, mit reißerischen Titeln und Thesen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Kellerhoff setzt dagegen auf eine seriöse Vorgehensweise und überdies auf eine gut lesbare Darstellung.