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"Hitler war's": Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit
 
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"Hitler war's": Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit [Broschiert]

Hannes Heer
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 438 Seiten
  • Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 1., Aufl. (Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746670624
  • ISBN-13: 978-3746670621
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 595.069 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Hannes Heer
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Eichinger, Fest, Knopp und andere sind hier die Kronzeugen einer radikalen geschichtspolitischen Wende. Am Beispiel ihrer Filme und Bücher analysiert Hannes Heer, was sich zur Zeit vollzieht: Es ist wieder hoffähig geworden, allein Hitler zum Sündenbock zu machen und damit die Deutschen aus der Verantwortung zu entlassen. Eine engagierte Polemik gegen die Wende in der Geschichtsbetrachtung.

Der Bann ist gebrochen: Vom Dritten Reich wird wieder erzählt, als hätte es nur ein unschuldiges Volk und lauter Opfer gegeben. Vor allem Eichingers inzwischen preisgekrönter Film "Der Untergang" verleiht dieser modisch werdenden Geschichtsdeutung fragwürdige Glaubwürdigkeit. Der Blick durchs Schlüsselloch, die Intimisierung der Apokalypse, macht jeden Zuschauer zum "Zeitzeugen". Unbeschwert von geschichtlichem Wissen weiß er, wie die Geschichte gelaufen ist: Hitler war's! Die Blaupause für diesen Film lieferte das gleichnamige Buch von Joachim Fest, der sich seit den 70er Jahren auf die Chefetage des Dritten Reiches fixiert hat. In Guido Knopps Fernsehserie "Hitlers Helfer" bestätigen die gut dressierten Zeitzeugen, daß 80 Millionen Deutsche nichts als Marionetten waren. Das liest sich anders in dem vernichtenden Urteil Dietrich Bonhoeffers über die deutschen Eliten oder in den jüngsten Familienromanen von Uwe Timm, Wibke Bruns und Tanja Dückers. Hier wird von der freiwillig eingegangenen Verschränkung privater und großer Geschichte erzählt.

Über den Autor

Hannes Heer, geboren 1941, Staatsexamen in Geschichte und Literaturwissenschaft 1968, Arbeit als Theaterdramaturg und Filmregisseur. Von 1993 bis 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und Leiter des Ausstellungsprojektes "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944." Carl-von-Ossietzky-Medaille 1997.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Interessantes Buch 2. Januar 2006
Format:Gebundene Ausgabe
Auf insgesamt 316 Seiten (der Rest sind Anmerkungen und Literaturverweise) nimmt Hannes Heer vor allem die 'Experten' Joachim Fest und Guido Knopp auseinander. Am Beispiel des aktuellen Films der Untergang (Bernd Eichinger) erläutert er das Ausblenden von Geschichte, um Stimmungen zu erzeugen und Meinungen zu bilden. Besonders interessant erschienen mir die Erläuterungen zu den Charakteren im Film, die eigentlich als Sympathieträger dienen sollten - denn diese hatten nicht unbedingt nur positive Beiträge zur Geschichte zu leisten.

In jeweils einem Kapitel werden dann die Schriften von Joachim Fest bzw. die Dokumentationen von Guido Knopp genauestens analysiert und hinterfragt. Es wird sehr anschaulich dargestellt, mit welchen Mitteln die Schuld auf den kleinen Kreis um Hitler gebündelt wird, um den Deutschen so zu ermöglichen, schuldlos dazustehen.

Besonderes Augenmerk legt Heer auch auf die Rolle der Wehrmacht in Bezug zum Holocaust - kein Wunder bei einem Mitbestreiter der Wehrmachtsausstellung.

Abgerundet wird das Buch durch sog. Gegenreden von Dietrich Bonhoeffer und Familienromanen, die versuchen, die Schuld auch bei der Mehrheit der Deutschen zu suchen und aufzudecken.

Trotzdem dieses Buch sehr interessante Aspekte aufzeigt, konnte es mich nicht hundertprozentig überzeugen. Es wirkte an manchen Stellen zu sehr nach Kleinkrieg zwischen Historikern verschiedener Lager.

Außerdem sollte man bei Interesse mit dem Kauf vielleicht auf eine zweite Auflage warten - die ständigen Druck- und Satzfehler sind einfach nur lästig.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Hitler war´s 3. März 2006
Format:Gebundene Ausgabe
"Man muss einen Schlussstrich machen!" "Es kann doch nicht sein, was nicht sein darf!" Stimmen, die einem dauernd ans Ohr toenen. Es scheint, die Opfer schwiegen zu lange, und die Opferkinder fragten nicht. Die Vermutung, erst in unserer Gegenwart sei das ganze Ausmaß der Naziverbrechen deutlich geworden, ist falsch. Gleich nach 45 gab es mahnende Stimmen. Hannah Arendt forderte, das Erzählen in wissenschaftlicher und literarischer Form in Gang zu bringen. Generalstaatsanwalt Fritz Bauer wandte sich 1963 gegen einen "Schlussstrich".
Hannes Heer gibt sich in seinem Buch "Hitler war´s" nicht zufrieden mit dem Schweigen von Opfern und dem mangelnden
Fragen von Kindern. In 7 Kapiteln legt er eine Analyse der Psychologie der Deutschen vor, der Historiker und
Literaten und deren "Helden". Überzeugend behandelt er das verdrängte Wissen über die Judenmorde, er spricht vom Phänomen der Unempfindlichkeit. Das Kapitel über Bonhoeffer macht klar, was dieser unter Dummheit versteht. "Der Tyrann hält sein Volk für dumm, und sie werden dumm, er hält sie für schwach, und sie werden schwach, er hält sie für verbrecherisch, und sie werden Verbrecher... Menschenverachtung und Menschenvergötzung liegen dicht beieinander." Auf dieses Thema hebt Heer ab.
"Hitler war´s" ist - wie das Vorgängerbuch - auch eine Literatur-
Geschichte. Die Nazizeit als Familiengeheimnis.
Heer bezieht kritisch und eindeutig Stellung zu Joachim Fest und Guido Knopp.
"Wie Filme die Geschichte Nazideutschlands auslöschen und neu erfinden". So genau las man das noch nie.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die Väter und Großväter, die Mütter und Großmütter, die dabei gewesen sind, sterben allmählich aus. Was bleibt ist eine dunkle Erinnerung, die Erzählungen von bald verblichenen Generationen, die zwischen sarkastischem Heraufbeschwören und schamhaftem Herunterreden alle Register zogen, um die quälenden Erinnerungen und Erfahrungen mit einem verbrecherischen Regime für sich auszublenden - oder sogar vergessen zu machen, für sich selbst und womöglich dafür, in welcher erschütternden Weise sie selbst dabei gewesen, beteiligt gewesen sind.

Was bleibt? Nunmehr das 3. Reich dieses gescheiterten Postkartenmalers als Betriebsunfall der deutschen Geschichte hinstellen? Die Deutschen - dieses "die" ist an sich schon ein Missgriff - als Opfer einer Verblendung darstellen? Gewiss ist, es gab Täter und Mitläufer und solche, die nolens volens wider besseres Wissen und Gefühl aushielten oder mitmachten. Und die Frage: Wen soll man verurteilen, wen von Schuld freisprechen? Steht uns das überhaupt zu, sofern wir in Teilen nur Vermutungen übers Geschehene, über Schuld und Mitschuld anstellen können?

Aber eines ist ganz sicher: Wir selber können es besser machen, in Gegenwart und in Zukunft. Daher wird uns diese Geschichte dieses Reichs immer wieder neu erzählt, in den Medien, den Geschichtsbüchern, bei jeder Gelegenheit: um ein Exempel für besseres Deutschsein, für besseres Menschsein zu geben. Aber hilft uns das zur Besserung? Dazu, bessere Demokraten, bessere Patrioten zu sein?

Im Buch von Heer geht es darum, was war, nicht durch mediale Verwässerung zu verharmlosen, es simplifizierend wegzuschieben, Schlussstriche zu ziehen. Denn Erinnerung ist, was Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft generiert, aber so, dass Geschichte zur Verpflichtung wird, die mit einem selbst immer und als erstes zu tun hat.

So unternimmt Hannes Heer den Versuch aufzuzeigen, wo und wie die moderne Medienkultur unserer Zeit durch die mediale Erzählung, durch Hollywoodisierung der Geschichte Mythen schafft, dieses verbrecherische Regime verharmlost, normalisiert und neben anderen Killerspielen zu einem nur noch emotionalen Event herabsimplifiziert.

Damit aber wirft dieses Buch des engagierten Aufbau-Verlags nicht nur ein Licht auf das 3. Reich, sondern auch auf Art und Weise, wie die mediale Eventkultur unsere Geschichtswahrnehmung verschlechtert. Nicht umsonst heisst der Untertitel "Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit". Das Gegenprojekt: Verantwortung übernehmen! Der Beginn könnte dieses Buch sein. Sehr zu empfehlen! (Und dem Aufbau-Verlag ein langes Leben!)

Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend (Weltliteratur oder Tendenz zu Weltliteratur); 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.
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