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Was das Faktengerüst angeht, so liefert Reuth zunächst eine weit gehend solide Ereignisgeschichte ab, die aber wenig Neues enthält. Die geläufigen Stationen in Hitlers Leben werden detailliert beschrieben: die frühen Jahre in Wien und München, die Teilnahme am Ersten Weltkrieg, die Zeit der Weimarer Republik mit dem Aufstieg der NSDAP zur Massenbewegung und schließlich, nach 1933, Hitlers Handeln als "Führer und Reichskanzler". Dabei legt Reuth den Schwerpunkt auf die Außen- und Kriegspolitik. Die innere Entwicklung im Dritten Reich und der Holocaust interessieren ihn nur am Rande, obwohl sie für das Verständnis Hitlers und des Nationalsozialismus zentral sind.
Enttäuschend fallen Reuths historische Interpretationen aus, die sich nicht immer auf dem aktuellen Stand der Forschung befinden. Für den Erfolg Hitlers macht der Autor vor allem die unverarbeitete Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg sowie die "ungeheuerlichen" psychologischen Folgen des Versailler Vertrages verantwortlich. Vieles andere, wie etwa die Rolle des Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft oder die wirtschaftliche Situation, lässt der Autor weit gehend außer Acht. Zudem erscheint bei Reuth allein Hitlers "Wahn" als Motor des Geschehens: Der "Führer" befahl, alle anderen folgten. Dadurch ignoriert der Autor das komplexe Wechselspiel zwischen Hitler und der Gesellschaft: Schließlich wurden Hitlers verbrecherische Ziele von vielen in Partei, Militär, Industrie oder Verwaltung geteilt und mit vorangetrieben.
Allein durch die Konzentration auf Hitler kann Reuth das Funktionieren des Nationalsozialismus nicht erklären und verkennt die Mitverantwortung von Millionen von Deutschen. Wie man Personen- und Gesellschaftsgeschichte auf herausragende Weise verbinden kann, zeigt dagegen die zweibändige Hitler-Biografie von Ian Kershaw, die Reuths Buch bei weitem übertrifft, allerdings deutlich umfangreicher ist. --Christoph Peerenboom
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Reuths Buch - Ein Thriller der Weltgeschichte,
Von
Rezension bezieht sich auf: Hitler: Eine politische Biographie (Gebundene Ausgabe)
Ist eine Biographie eine Biographie eine Biographie ? Was ist eine politische? Traut man Historikern ein spannend geschriebenes Buch zu? Oder nur trockene Geschichtsnacherzählerei am Hangelband der Fakten? Immer nur dieses fade und monokausal hererzählte Geschichtswissen, ermüdend dargestellt, alles gähnend langweilig? Zumal in einem Stoff, den jeder schon zigmal gehört, gelesen, geochst hat und mitunter sogar eingebläut bekam? Und sich deshalb kaum etwas davon gemerkt hat. Aber ganz anders Reuth. Dieser Autor macht daraus einen Krimi, einen Thriller der Weltgeschichte. Und Reuth gelingt es auch noch, die unterschiedlichsten Bedingungs- und Verantwortungsverhältnisse dieses atemberaubenden Aufstiegs zu einem der größten Verbrecher der Menschheit so darzustellen, dass einem der Atem vor Fassungslosigkeit, vor Entsetzen, vor Grauen wegbleibt! Reuths politische Biographie Hitlers unternimmt den Versuch, im Zusammendenken beider Weltkriege als einer Genese Europäischen Schreckens mit neuesten Forschungsergebnissen dieses mit einer spannenden Darstellung von Herkommen und Familie, von Kindheit und Jugend, Ausbildung und beruflichen Diletantismen, dem Erfolg als Soldat im Ersten Weltkrieg bis hin zum verbrecherischsten Diktator packend zu verbinden; aber so, dass es keine monokausale Darstellung des Bösen wird, als ob von vorneherein schon alles klar wäre, sondern als ein spannend geschriebenes Wahn- und Werdegangsbild eines Humanismus- und Aufklärungszerstörers in all seinen Facetten. Dieses Buch gehört zu den besten und packensten Darstellungen der Zeit um die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Also ein neues Genre? Eventuell! Falls ja, nenne man es: Historischer Tatsachenthriller - bitte mehr davon!
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4.0 von 5 Sternen
solide, aber wenig originell,
Von digitalis "caissa_wins@yahoo.com" (Rhein-Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Hitler: Eine politische Biographie (Taschenbuch)
sucht man eine biografie hitlers mittleren umfangs, greift man sinnvollerweise zur neuesten, und das ist derzeit die des goebbels-biografen reuth. man erhält eine solide geschriebene, aber - neben dem biographischen im engen sinne - auf die politische geschichte des dritten reichs beschränkte darstellung. trotz reichen anmerkungsapparats vermisst man eine einbettung in die historische forschung oder die spektren der hitler-deutung durch die biografen sowie überhaupt eine übergreifende fragestellung. etwas vollmundig behaupten autor und verlag, es sei die erste biographie, die hitler aus der erfahrung des weltkriegs und des bolschewismus erfasse; doch ist diese annahme weder neu, noch würde sie als monokausaler zugang (den reuth letztlich auch nicht unternimmt) kaum überzeugen.wer also nicht die zeit für kershaw hat und den etwas altersweisen stil fests nicht schätzt, kann gerne zu diesem buch greifen und erfährt alles, was sich ansonsten größtenteils auch gesamtdarstellungen zum nationalsozialismus in ähnlicher form entnehmen ließe. eine wirklich "neue" hitler-biografie ist es kaum. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gratulation!,
Von Katja Markus (Bad Laasphe) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Hitler: Eine politische Biographie (Gebundene Ausgabe)
Ralf Georg Reuth ist es gelungen, eine anspruchsvolle, politische Biographie Adolf Hitlers in nur 700 Seiten leserlich und hochspannend vorzulegen. Das Beeindruckende an seinem Buch ist der historische Strukturalismus, mit dem Reuth eine neue Sichtweise auf Hitlers politische Motivation gibt. Versailles ist nicht alles, aber vieles; der Bolschewismus mit die Triebfeder des Handels Hitlers. Diese Thesen versteht es Reuth fundiert wieder zu geben und geht dabei nicht mit dem dumpfen Hammer eines Revesionisten vor. Mein Urteil: Absolut empfehlenswert.
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