Während Weimar sich noch als Kulturhauptstadt Europas feierte, erschien ein Buch, in dem "Der Fall einer deutschen Kulturstadt" - so der Untertitel - geschildert wird. Ein, bei allem Jubel um Goethe und Schiller, notwendiges Buch, das den Ursachen nachgeht, "warum Weimar zu einer Stadt wurde, deren geistige Elite sich freiwillig und gewissermaßen im voraus eilenden Gehorsam dem Despoten Hitler angedient hat". In zehn Jahren, zwischen 1926 und 1936, ist Hitler mehr als 40mal in Weimar gewesen. Bereits 1926 fand in Weimar der erste Parteitag der NSDAP statt, an symbolträchtiger Stätte, im Nationaltheater, seit 1919 Sitz der Deutschen Nationalversammlung. 1930 wurde Wilhelm Frick, einer der fanatischsten Gefolgsleute Hitlers, Innen- und Volksbildungsminister in der Landesregierung. In Thüringen und Weimar war der Boden für Hitlers Partei bestens vorbereitet, lange vor 1933. Williger Wegbereiter der Nazibarbarei war, gerade auch in der Kulturstadt Weimar, die tonangebende Schicht des gehobenen und mittleren Bürgertums, Beamte, Offiziere, Studienräte, Direktoren. So das Fazit der kritischen Untersuchung. Sie waren es, die sich bei der Vertreibung des Bauhauses, 1924, hervortaten und einen latenten Judenhass gesellschaftsfähig machten. Ein Wort noch zum Autor: Dr. Volker Mauersberger war Journalist, ARD-Korrespondent u.a. in Berlin, Bonn und Madrid, geboren 1939 in einem kleinen Ort am Hang des Ettersberges, sein Vater hatte sich mit 22 Jahren freiwillig zur SS gemeldet und war am Aufbau und der Überwachung des KZ Buchenwald beteiligt, für den Autor Anlass zu nachdenklichen persönlichen Betrachtungen und Bemerkungen. Ein Buch, jedem der jährlich 500 000 Weimar-Touristen zur Lektüre dringend zu empfehlen!