Hitlers Aufenthalt in Pasewalk ist sicherlich eine interessante und auch wichtige Station im Lebenslauf des Diktators. Leider wird dieses Buch dem wohl nicht gerecht. Horstmann versucht sich in einer wissenschaftlichen Darstellung, wählt aber den falschen Weg. Statt, wie es methodisch richtig wäre, die Tatsachen zusammenzutragen, daraus entsprechende Schlüsse zu ziehen und eine These zu formulieren, stellt der Autor seine These von Hitlers wundersamer Verwandlung an den Anfang, wiederholt sie gebetsmühlenartig, und versucht sie dann mit Tatsachen zu untermauern. Dabei scheint mir Horstmann die Bedeutung der Hitlerschen Genesung in Pasewalk zu hoch einzuschätzen. Er selber widerspricht sich in seinem Buch, wenn er einerseits der Hypnose Hitlers eine völlige Charakterumformung zuweist, anderseits aber beschreibt, daß der Hitler vor Pasewalk schon diese Charaktereigenschaften zeigte. Eine sachlichere und kritische Darstellung hätte dem Buch gut getan, aber Horstmann duldet anscheinend keinen Zweifel an seiner Theorie. Sätze wie: "Daß eine zukünftige klinische Erörterung des Themas die umfassende und sorgfältige Analyse des Gutachtens Baitinger wissenschaftlich ad absurdum führt, ist nicht zu erwarten. Sie wird sie im Gegenteil bestätigen." oder auch "Zweifel an der Identität Professor Edmund Forsters als des Arztes von Pasewalk sind ebensowenig gestattet wie daran, daß er die Hypnose mit Hitler durchgeführt hat, ..." sind wissenschaftliche Obszönität.
Das Lesenswerteste in diesem Buch ist die 'Psychologische Expertise' der Dipl.-Psych. Heidi Baltinger; sachlich, kompetent und aufschlußreich.