Hans und Sophie Scholl, Dietrich Bonhöfer, Martin Niemöller, Carl Friedrich Goerdeler, Carl von Ossietzky, Oskar Schindler, Erwin von Witzleben und Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Das sind die Namen, die heute im allgemeinen in der Öffentlichkeit genannt werden, wenn es um den deutschen Widerstand gegen das Dritte Reich, gegen Adolf Hitler und das gleichgeschaltete nationalsozialistische Regime von 1933 bis 1945 geht, das weltweit insgesamt 50 bis 60 Millionen Menschen das Leben gekostet und Deutschland in Schutt und Asche gelegt hat.
Auch Johann Georg Elser (* 4. Januar 1903 in Hermaringen, Württemberg; gestorben 9. April 1945 im KZ Dachau) war ein deutscher Widerstandskämpfer, der sich der nationalsozialistischen Diktatur nicht nur mit Worten hinter vorgehaltener Hand und im stillen Kämmerlein entgegenstellte. Er verübte am 8. November 1939 im Bürgerbräukeller in München, wenige Wochen nach Beginn des 2. Weltkrieges, ein penibel vorbereitetes Bombenattentat auf den Führer Adolf Hitler. Dabei wurden acht Menschen getötet, davon sieben Mitglieder der NSDAP. Adolf Hitler jedoch entkam unverletzt, da er wegen des schlechten Wetters mit seinem Stab die Versammlung außerplanmäßig 13 Minuten vor der Explosion der Bombe verließ.
Warum ist Hans Georg Elser aber immer noch vergleichsweise unbekannt? Warum wurde er lange Zeit totgeschwiegen und nach dem Ende des 2. Weltkrieges von manchen Historikern sogar diffamiert?
Das hat nach Ansicht des Autors durchaus seine Gründe: Der Attentäter Hans Georg Elser lässt sich nicht so einfach instrumentalisieren und von einer Gruppe vor den Karren spannen und er passt vor allem nicht in das stereotype Denkmuster, das in der Öffentlichkeit gezeichnet wird, wenn es in Deutschland um den Widerstand gegen das Dritte Reich und die nationalsozialistische Diktatur geht.
Denn bei den weiter oben genannten Widerstandskämpfern handelt es sich um Studenten und Intellektuelle, um Adlige, um Männer der Kirche und bürgerliche Unternehmer. Die Verschwörer und Attentäter des 20. Juli 1944 sollen zeigen, dass es sogar in der damaligen Wehrmachtselite Widerstand gegen Hitler gab und deshalb nicht alle Offiziere nur Befehle ausführten oder skrupellose Verbrecher waren.
Hans Georg Elser aber war nur ein "einfacher Schreiner". Ein zwar durchaus geselliger, aber offenkundig schweigsamer und introvertierter Arbeiter. Ein Mann ohne höhere Bildung und ohne hohem gesellschaftlichem Status, auch wenn er seine Gesellenprüfung damals als Jahrgangsbester abschloss. Ein freier Geist mit einem ausgeprägten Sinn für soziale Gerechtigkeit, aber ein Einzeltäter ohne Mitverschwörer, ohne höhere Mission, ohne Partei im Hintergrund und ohne Geld.
Dieser "einfache Schreiner" erkannte bereits Jahre vor Kriegsausbruch die Zeichen der Zeit und stellte sich nicht wie die Attentäter vom 20. Juli aus opportunistischen Gründen erst 1944 gegen Hitler, als selbst die Führung der Wehrmacht erkennen musste, dass der oberste Feldherr der Deutschen den Krieg endgültig verloren hatte.
Ein "einfacher Schreiner" aus der Mitte der Gesellschaft als Widerstands- und Freiheitskämpfer gegen den Führer Adolf Hitler? Das kann oder besser gesagt, das darf nicht sein, schließlich heißt es doch immer: "Die einfachen Leute haben davon nichts gewusst." und "Was hätte ein Einzelner schon dagegen tun können?"
Der Autor porträtiert in seinem Buch das Leben eines zwar einfachen, aber aufrechten und geradlinigen Mannes. Vielleicht liegt es daran, dass Hans Georg Elser vor allem für alle sogenannten Mitläufer das personifizierte schlechte Gewissen darstellt. Daraus machen anständige Bürger nicht nur in Deutschland höchst ungern Helden, benennen Straßen oder Schulen nach ihnen oder bauen ein Denkmal zur Erinnerung.