"Dieser Film hat, als er 1977 anlief, viele Widersprüche hervorgerufen. Er versucht nicht, die Geschichte des Dritten Reiches darzustellen.
Sondern er handelt von der Beziehung Adolf Hitlers zum Deutschen Volk: Von den Umständen, die ihn prägten und seinen Aufstieg ermöglichten, von der Gefolgschaft, die er bis zum katastrophalen Ende fand."
Mit dieser im Filmvorspann zu lesenden Einleitung ist die Absicht des Films schon am Anfang klar definiert: Es geht um die bis heute nur schwer nachvollziehbare Sympathie Hitlers in der deutschen Bevölkerung, seine charismatische Wirkung auf die Menschen und die Verblendung einer ganzen Nation. Die wichtigste Frage, die der Film von Joachim Fest zu beantworten versucht, geht an die Substanz: Woher nahm Hitler die Entschlossenheit zu Taten ohne Beispiel, wenn nicht aus dem Gefühl der Übereinstimmung mit diesem Volk?
Das Bildmaterial, das im Film verarbeitet wurde, ist einzigartig und wirkt fast schon bedrückend lebendig und präsent. Ausschnitte aus Leni Riefenstahls "Triumph des Willens" zeigen den Diktator propagandistisch in Szene gesetzt, von maßloser Selbstüberschätzung erfüllt, vergleichbar einem übermächtigen antiken Helden, dessen Auftrag die Befreiung der Menschheit ist. Die Kraft und Ausdrucksstärke solcher Aufnahmen ist atemberaubend und erschreckend zugleich. Aber der Film schwelgt nicht nur in Propagandaszenen, er veranschaulicht nicht nur die bedingungslose Hierarchie zwischen Volk und Führer, er zeigt viel mehr als das.
Er zeigt den Aufstieg eines aus der österreichischen Provinz stammenden Außenseiters zur mächtigsten und furchteinflößendsten Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Dabei werden die Stationen dieser beispiellosen Karriere anhand von nie gesehenem Bildmaterial dokumentiert. Hitler als Gelegenheitsarbeiter im Wien der Jahrhundertwende, Hitler im 1. Weltkrieg als Melder in einem bayrischen Regiment, Hitler als Lokalagitator der nationalsozialistischen Bewegung im München der 20er Jahre, Hitler als strategischer Kriegsherr des 2. Weltkriegs, Hitler als von vorzeitiger Altersschwäche gezeichneter Greis bei einer Ordensverleihung an Kindersoldaten kurz vor Kapitulation der Wehrmacht. Aus psychologischer Sicht soll dieser Mann dem Zuschauer nähergebracht werden, die den Film begleitende Musik wirkt bedrohlich, triumphal, verherrlichend. Aber all das geschieht nur, um das Phänomen Hitler zu begreifen. Dabei erscheint es besonders wichtig, die im Vorspann enthaltene Erklärung des Regisseurs zur Kenntnis zu nehmen, um "Hitler - Eine Karriere" eben nicht als propagandistisch oder sogar verherrlichend aufzufassen. Absichtlich wird nur in beiläufigen Bildern über die Verbrechen des Hitlerschen Regimes berichtet. Im Vordergrund der Dokumentation steht die Verklärung Hitlers zum Mythos und erst durch diesen Effekt werden das blinde Gehorsam und die Verherrlichung des Führers nachvollziehbar. Wenn man diesen Film gesehen hat, wird einem vielleicht endlich einmal die alles betäubende Übermacht dieses einzelnen Mannes bewusst, angefangen bei seiner diabolisch-mitreißenden Ausstrahlung bis zu seiner rücksichtslosen Propagandamaschinerie.
Diesen Film kann ich nur weiterempfehlen! Absolut sehenswert! Deshalb 5 Sterne.