"Immer Ärger mit Harry" ***** "Gesegnet die Menschen, die nichts erwarten, sie können wenigstens nicht enttäuscht werden."
In den Wäldern von Vermont, 50er Jahre. Herbstfärbung allüberall, schön anzusehen. Der 6-jährige Arnie streunt mit seiner Spielzeugpistole durch den Wald. Plötzlich fallen drei Schüsse. Er läuft weiter und - findet die Leiche eines Mannes ... so beginnt die Krimigroteske "Immer Ärger mit Harry", die mir gut gefallen hat. Gleich drei Personen fühlen sich für den Tod von "Harry verantwortlich: Captain Albert Wiles (Edmund Gwenn), der im Wald verbotenerweise auf Kaninchenjagd war, Miss Ivy Gravely (Mildred Natwick), die meint, Harry mit einem Stöckchen aus Notwehr ermordet zu haben und die liebreizende Jennifer Rogers (Shirley MacLaine) meint, ihren Ehemann Harry mit einer Bierflasche erschlagen zu haben ... [Shirley MacLaine erhielt für diese Rolle als 20jährige den Golden Globe Award als beste Nachwuchsschauspielerin.]
Sam Marlowe, ein erfolgloser Kunstmaler, bringt Ordnung in das Tohuwabohu. Er hilft mehrfach dabei, den Leichnam Harrys ein und wieder auszugraben, weil sich die vier Beteiligten nicht einig werden. Sam Marlowe wird sehr lässig dargestellt von John Forsythe, (der auch noch in "Topas" auf dieser DVD erscheint) und verliebt sich in Jennifer, die Mutter von Arnie. Shirley MacLaine spielt die Jennifer einfach hinreißend.
Der Film gefällt mir wegen seiner köstlichen Dialoge, der haarsträubenden, aber dennoch vollkommen unaufgeregten Handlung und der sehr guten Schauspieler - wirklich ein Kabinettstückchen des schwarzen Humors. Kleine Kostprobe:
Sam zu Arnie: "Wollen wir tauschen?"
Arnie: "Was denn?"
Sam: "Deine Mutter gegen meine Mutter?"
Das Making of ist als Zugabe auf der DVD sehenswert, weil es die Rolle von Alma Hitchcock als "Frau hinter ihm", aber auch als Drehbuchautorin beleuchtet.
Familiengrab **** Gutes Gaunerpärchen versus böses Gaunerpärchen
Der Film ist von 1976. Die Handlung ist ein wenig konfus und stellenweise finde ich den Film langatmig, aber die schauspielerische Leistung und die Inszenierung sind wiederum gut. Die hübsche Madame Blanche (Barbara Harris) gibt sich als Spiritistin aus. Ihr Freund, der Taxifahrer George (Bruce Dern) und sie leben von den geringen Einkünften, die sie als Medium verdient. Doch da kann sie einen richtig großen Fisch an Land ziehen: für Miss Rainbird, eine reiche alte Dame, soll sie den unehelichen Neffen finden, der als Säugling weggeben wurde. Es locken 10.000 $$.
Im zweiten Handlungsstrang geht es um stärkere kriminelle Energie: der Juwelier Arthur Adamson (William Devane) und seine Geliebte Fran (Karen Black) führen mehrere Entführungen durch. Die Entführten werden in einem Geheimzimmer im Einfamilienhaus versteckt. Als Lösegeld werden Brillanten verlangt. Wie die beiden Handlungen nun zusammengehören und wie sich die Wege der Personen kreuzen, darum geht es in diesem Film. Und zum Schluss wird der größtenteils eher ruhige Film richtig aufregend. Mir gefallen an diesem movie besonders die Dialoge zwischen Blanche und George, die sich teilweise so schön fetzen ...
Als Zusatz auf der DVD gibt es eine recht interessante Dokumentation mit Beiträgen von Bruce Dern, Karen Black, Patricia Hitchcock, der Tochter von Alfred und Alma Hitchcock und Howard Kazanjian, dem Ersten Regieassistenten.
Topas *** Spionagethriller aus der Zeit des Kalten Kriegs
Kopenhagen, 1962, kurz vor der Kubakrise. Boris Kuzenov, ein hoher russischer KGB-Offizier, läuft zu den Amerikanern über. Die Amerikaner möchten von ihm Informationen zu einem Spionagering mit dem Decknamen "Topas". Mit Hilfe des französischen Agenten André Devereaux (Frederick Stafford) versuchen die Amis mehr über diese russischen Aktivitäten auf der Insel Kuba herauszufinden. Devereaux fliegt nach Kuba, wo er schon seit längerem eine Affaire mit der schönen Witwe Juanita Cordoba (Karin Dor) führt. Juanita ist die Keimzelle für eine Widerstandsbewegung in Kuba. Seine Ehefrau Nicole(Dany Robin) riecht Lunte und vertraut ihm nicht mehr ...
Die Handlung dieses Thrillers ist sehr verschachtelt, die Inszenierung nach Hitchcock-Manier aber gut und die schauspielerische Leistung ebenfalls. Freilich ist ein solches Drama aus dem Kalten Krieg heute mehr unter historischen Aspekten interessant. Wirklich fesselnd fand ich es aber nicht. Daher nur drei Sterne.
Auffallend schöne Frauen müssen in diesem Film ziemlich viel weinen, vor allem Nicole, die Ehefrau von André, hat immer Tränen im Augenwinkel. Aber auch Karin Dor, die mehr als Großgrundbesitzerin, denn als Widerstandskämpferin wirkt, spielt gut. Wir treffen noch einmal auf John Forsythe, der auch schon in "Harry" mitgespielt hat und als Überraschung zum Schluss gibt Michel Piccoli seinen Einstand.
Wer nun immer noch nicht genug hat, kann sich noch alternative Enden und eine weitere Dokumentation auf der DVD ansehen.
Mein Gesamturteil: hier bekommen Sie viel für wenig Geld und "Immer Ärger mit Harry" und auch "Familiengrab" lohnen sich durchaus.