Eines vorab, ich bin kein Die-hard OMD Fan und habe keine zusehr vorbelasteten Ohren. Ich kenne natürlich alle grossen Singles, habe aber kein einziges Originalalbum, nur ein immer wieder gern gehörtes Best-Of Album.
'History of Modern' also kommt uns zu einem Zeitpunkt entgegen, wo der klassische Synth Pop (siehe den wohlverdienten Wellen, die die hurts gerade auslösen) gerade wieder aufersteht und ein revival feiert, und ich kann es nur so sagen, überrascht mich sehr sehr positiv mit seinem Stil, seiner Produktion (Mike Crossey, u.a. Artic Monkeys) Klasse und der Qualität der Sounds und Songs. Nichts wirkt dabei altmodisch, obwohl alle Zutaten dafür vorhanden sind.
Viele Songs gehen sofort ins Ohr, die Fähigkeit für den besonderen Refrain haben sie nicht verloren. NEW TOYS mit seinen leichten New Order Referenzen im Basslauf, die zurecht ausgewählte Vorabsingle IF YOU WANT IT ebenso, und auch SISTER MARIE SAYS. Bei FUTURE, THE PAST & FOREVER AFTER musste ich sogar nochmal kurz auf die Tracklist der ollen Best-of schauen, aber nein, es ist ein neuer Song mit absoluten Klassikerpotential, synthetischen Rhythmus, leichtem Pathos und einer grossen sehnsüchtigen Melodie. Die Titelsongs HISTORY OF MODERN PART I und II sind ebenfalls perfekt insziniert und mit aufregender Dramatik. Während dies die Fusswipper und Mitsumm Nummern sind, hat das Album auch eine stillere, ja dunklere Seite, die die Midtempo Nummern deutlich entschleunigen (GREEN, BONDAGE OF FATE).
Alles in allem: ein wunderbares Gesamtpaket, das die Zeitlosigkeit der OMD Interpretation von Pop Musik herausstreicht und nicht in den 80ern hängenbleibt. Einziger kleiner, eigentlich halbe Punkt Abzug sind die vielleicht ein, zwei zuvielen Balladen. Aber da fehlt mir wahrscheinlich das geübte OMD Die-Hard-Fan-Ohr für ;-)