Steve Mirin gehört zu jenen Journalisten, denen man ihren Job aufgrund nicht vorhandener Objektivität und Neutralität (die ein jeder in diesem Genre besitzen sollte) fristlos kündigen müsste. Wahrscheinlich hat er kein einziges Jackson Album zu Hause stehen, erfahrungsgemäß und fast witzigerweise ist dem leider oft so, und besitzt dennoch die Dreistigkeit sich dem Schwarm der restlichen Pressefutzis und Negativ-Kritiker, die allesamt gegen Jackson hetzen, anzuschließen. Das ist natürlich einfach und verlangt nicht viel; ich frage mich ernsthaft, warum für SOWAS ein Studium notwendig ist. Die wenigsten Journalisten bertreiben heutzutage noch Recherche, alles wird vom nächst besten Klatschblatt abgekritzelt und höchstens durch zwei, drei andere Wörter ersetzt - peinlich, absolut peinlich und armselig. Das kann auch ein Kind aus der 7. Klasse, by the way.
Zum Album:
Ich liebe Michael's Musik und Bad, Off The Wall, Dangerous usw. ziehe ich wirklich jedem anderen Album vor. Nur eines können auch diese Meisterwerke nicht toppen: HIStory - mein absolutes, absolutes, absolutes Lieblingsalbum!
"P.Y.T.", "Wanna be startin something", "In the closet", "The way you make me feel"; zwar großartige Songs, aber alle besitzen sie neben Genialität diesen eher unbeschwerten, fast fröhlichen Touch, der Michael bei seinen früheren Alben auszeichnete.
History dagegen hat mit süßen Liebesballaden und fetzig-flockigen Discosounds nichts mehr zu tun; es ist ein nachdenkliches, ernstes, gesellschaftskritisches und Michael's persönlichstes Werk. Es wirkt "erwachsen" im Gegensatz zu seinen Vorgängern und ich bezeichne es gerne als die "Seele" Michaels, einfach, weil es all seine Facetten, das, was ihn auszeichnet sowohl als Person als auch als Künstler, genau widerspiegelt. Die persönlichsten Songs auf dem Album sind das melancholische "Stranger in Moscow" sowie das wunderschöne "Childhood" (welches Michael als den persönlichsten Song bezeichnet, den er je geschrieben hat!).
Mit History geht Michael agressiver und deutlicher vor als je zuvor: Die blanke Wut bekommt man bspw. bei "D.S.", "They don't care about us", "Tabloid Junkie" (den sollte sich im Übrigen Herr Mirin mal genau anhören, vielleicht fühlt er sich ja angesprochen) und "Scream" zu hören. Michael lässt seinem Ärger freien Lauf und dieser richtet sich gegen alles, was ihm in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu schaffen machte: Staatsanwalt Tom Sneddon, Neid, Medien, Gewalt.
Mit dem "Earth Song" (für dessen Video er übrigens mehrere Preise gewann) schrieb Michael dann auch mein absolutes Lieblingslied; für mich einfach DIE Welthymne schlechthin, brilliant und einzigartig.
Abgerundet wird das Album durch eine der schönsten Interpretationen des Chaplin Songs "Smile" sowie dem sehr bewegenden und aufrüttelnden Song über den Mord an "Little Susie".
An 12 der 15 Songs war Michael beteiligt (Ausnahmen: "Come together" von J.Lennon/P.McCartney, "Smile" von C.Chaplin/J.Turner/G.Parsons und "You are not alone" von R. Kelly); 7 davon schrieb er allein (darunter "They don't care about us", "Earth Song", "Childhood" und "Stranger in Moscow", die wohl stärksten Stücke des Albums)
In zwei Songs sind (und damit knüpft Michael an Dangerous an) Rapparts zu hören, nämlich in "2Bad" (feat. Shaque O`Neil - der Track wurde übrigens auch für Michael's Film "Ghosts" verwendet) und "This time around" (feat. Notorious B.I.G.). Das einzige Duett auf dem Album ist auch gleichzeitig der Einstiegsknaller; "Scream", zusammen mit seiner Schwester Janet.
Ich persönlich kann absolut nicht nachvollziehen, warum HIStory immer nach Thriller und Bad genannt wird. Es ist ein fantastisches Werk, authentisch und auf dem allerhöchsten Niveau und steht seinen Vorgängern in nichts nach. Es ist reifer und auch etwas "schwerere" Kost, eben keine Partymucke, dieses Genre hat Michael mit "Off The Wall" und "Thriller" ja auch schon ausreichend bedient.
HIStory ist ein Must-Have für alle, die ihr Leben durch einzigartige Musik bereichern und ihre "Of all time"-Sammlung vergrößern wollen.