historischen Cafés in ehemals Habsburg-beeinflussten Ländern, den Niederlanden, Preussen, Frankreich und der Schweiz; gut gemachte, lebendige, die spezifische (auch historische) Atmosphäre erfassende Bilder, fokussierter Text, herausgegeben von einem der besten Bilder-Verlage bei uns. Für mich eines der Bücher des Jahres.
Oder in der Langfassung: aus dem k&k-geprägten Teil Österreichs kommend (grosser Brauner, Mocca, Einspänner, Melange, Verlängerter, ...) habe ich in Ludwigshafen / Mannheim, inzwischen Metropolregion Rhein-Neckar genannt, lange Zeit ein authentisch-stimmungsvolles Café mit handwerklichem guten Café vermisst.
In Friesach, Gars, St Veit, Zwettl, Buonconvento, Florenz am Republikplatz (in welches denn ?), Venedig und Krems unter Arkaden, Arezzo (gegenüber DER Kirche; dort lernte ich vor langer Zeit nachhaltig den Unterschied zwischen al tavola und al banco), Los Llanos de Aridane gibt's die seit Ewigkeiten...
An einem Winternachmittag (2002, 2003) bei tiefstehender Sonne fiel mir auf einmal neben der Musikschule in Mannheim ein richtig stimmig gemachter Laden auf, Café Prag, im typischen hell-dunkel-Kontrast durch die Sonne. Eigentlich glaubte ich nicht, dort einen passablen Espresso zu bekommen und ging rein ausprobieren... Seit diesem Nachmittag bin ich dort einer der vielen Stammgäste, das Café Prag hat sich seinen lokalen Stammplatz erarbeitet und vor allem seit langem gehalten!
Vor etwas über drei Jahren fing Adonis an, sich auch mit mit übers Fotographieren zu unterhalten: er hat sich dann die imho richtige Kamera gekauft (eine Canon mit guten Objektiven), ich hatte ja die falsche (Nikon mit teuren). Beim Laptop habe ich auf Adonis gehört (und gesehen mit (womit wohl: Café-)Bildern): Macbook war klar, aber das schwarze, weil durch den schwarzen Rand sehen Bilder besser aus; eigentlich wollte ich das billigere weisse ...
Und dann war Adonis immer für einige Zeit weg und hat sein Café Prag einem Spitzen-Barista überlassen: er war in Venetien, Triest, der Toskana, Kastilien, den ehemals spanischen Niederlanden und hat dann von seinen Café-Trips begeisternd erzählt. Genauso konsequent wie sein Café hat er sein Buchprojekt durchgezogen. Dass er nach Triest und Laibach fuhr, habe ich ja verstanden, aber was will ein Mensch mit (Café-)Geschmack in Linz ???
In diesem Buch finden Sie eine klassische Sammlung der schönsten Cafés aus eingangs erwähntem Kulturkreis. Für mich gehören diese Cafés als historische Orte genauso zu unseren Wurzeln wie die Pestsäulen in Ober- und Niederösterreich, Arkaden, Bilder, Bücher (besonders schön in Wien oder anderen k&k-geprägten Orten zu sehen).
Die Bilder fangen sehr schön die Stimmung ein (nur das Hawelka hätte ich cyan-kalt in sw sowie das dei Constanti in Arezzo innen abgebildet), das Titelbild gibt einen ersten Eindruck, was Sie im Inneren des Buches erwartet. Eine solche stimmige geschlossene Darstellung habe ich bislang nicht gekannt (Essensführer hingegen gibt es eher zuviele)!
Klasse und wohltuend finde ich die Textreduktion aufs Wesentliche in einer der Zeit der beliebigen Geschwätzigkeit (ähnlich einem Ristretto in einem Umfeld teutonisch-amerikanischen leicht dunklen Filtergetränkes).
Dem Autor und dem Verlag ist offensichtlich das Einfangen der Stimmung eher im HCB-Stile wichtig: Erwarten Sie bitte keine gelackte stativbasierte Leica S2 oder Hasselblad-39MPix-Ästhetik oder Photoshop-Perfektionismus. Dies war nicht Anspruch und wird wohl weniger dem Thema gerecht.
Nach gründlicherer Durchsicht werden wir wohl die eigentlich abgeschlossene Urlaubsplanung 2010 um einige Tage Venetien ergänzen müssen.
Fazit: wenn Sie an gelebter Kultur Interesse haben und Anregungen suchen, ist dies eines der Bücher des Jahres.