Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Historiker im Nationalsozialismus: Deutsche Geschichtswissenschaft und der 'Volkstumskampf' im Osten (Beitrage Der Akademie Fur Migration Und Integration)
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Historiker im Nationalsozialismus: Deutsche Geschichtswissenschaft und der 'Volkstumskampf' im Osten (Beitrage Der Akademie Fur Migration Und Integration) [Taschenbuch]

Ingo Haar
2.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Produktinformation

  • Taschenbuch: 434 Seiten
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht; Auflage: 2., durchges. u. verb. A. (1. Juli 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 352535942X
  • ISBN-13: 978-3525359426
  • Größe und/oder Gewicht: 23,5 x 16,2 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.429.145 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Ingo Haar
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Ingo Haar auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch

Forschung für den «Volkstumskampf»

Die deutsche Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus

Das Bild der deutschen Geschichtswissenschaft im «Dritten Reich» hat sich in der letzten Dekade radikal gewandelt. Noch 1989 konstatierte der Historiker Klaus Schwabe, dass es im NS-Regime weder «schlüssige Vorstellungen vom Wesen der Wissenschaft» gegeben habe noch die «Lenkung bestimmter seriöser Wissenschaftszweige» gelungen sei. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Vor drei Jahren ist eine heftige Debatte darüber entbrannt, welche Rolle Historiker bei der Erarbeitung und Durchführung der in gewaltsame Zwangsumsiedlungen und Völkermord mündenden «Volkstumspolitik» des NS-Staates spielten. Die bisher gründlichste Studie zu diesem Thema hat nunmehr der Berliner Historiker Ingo Haar vorgelegt, lange vor der Publikation hatte sie bereits für erhebliches Aufsehen gesorgt.

Vom Staat zum Volk

In der Weimarer Republik war die universitäre Geschichtswissenschaft mit ihren Führungsfiguren wie Friedrich Meinecke, Hermann Oncken oder Walter Goetz geprägt von einem kleindeutsch-borussisch orientierten Historismus, der sich ganz auf die Politikgeschichte konzentrierte. Diese Fixierung auf den Staat des preussisch-protestantisch dominierten Kaiserreichs war jedoch durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg und die Novemberrevolution delegitimiert worden. An die Stelle «des Staates» trat nunmehr zunehmend «das Volk» als Fixpunkt, der allein die Kontinuität über alle Staatsumbrüche hinweg zu verkörpern schien und darüber hinaus für den Kampf gegen die Nachkriegsordnung bemüht wurde.

Alle Gebiete, in denen Menschen deutscher Zunge und deutscher Abstammung siedelten, wurden dem «deutschen Kulturboden» zugerechnet, womit sich nicht nur die Forderung nach Wiederherstellung der Grenzen von 1914 legitimieren liess, sondern auch die grossräumige Neuordnung Mittel- und Osteuropas im Zeichen deutscher Hegemonie. Vor 1933 hatte diese unter anderem von Hermann Aubin und Hans Rothfels forcierte «Volksgeschichte» jedoch im institutionalisierten akademischen Milieu nur mässigen Erfolg. Ihre grosse Stunde schlug mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, die zudem einer nachdrängenden «Elite im Wartestand» den schnellen Aufstieg ermöglichte. Die Historiker Wolfgang Schieder und Werner Conze und den Agrar- und Bevölkerungswissenschafter Theodor Oberländer, um nur diese drei zu nennen, verband eine antidemokratische und ethnozentrisch-grossdeutsche Orientierung, die das Produkt einer Sozialisation in der bündischen Jugendbewegung war.

Mit einer Detailtreue und Quellenfülle, die allerdings manchmal die grossen Entwicklungslinien zu verdecken drohen, zeichnet Haar nach, wie nach 1933 genau das entstand, dessen man den NS-Staat lange Zeit für unfähig hielt: eine zentral gesteuerte, nach relativ einheitlichen Richtlinien arbeitende Grossforschung, die ihre Organisationsform in den «Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften» fand. Die wichtigste war zweifellos die «Nord- und Ostdeutsche Forschungsgemeinschaft» unter dem intriganten langjährigen Generaldirektor der Preussischen Staatsarchive, Albert Brackmann. Was diese Form der Forschungsorganisation von unserem heutigen Wissenschaftsverständnis unterscheidet, ist nicht nur ihre konspirative Vorgehensweise, sondern vor allem die von obskuren Prämissen ausgehende, die freie wissenschaftliche Debatte scheuende inhaltliche Ausgestaltung. Das Forschungsergebnis stand von vorneherein fest: die Überlegenheit des «deutschen Menschen» und seine Rolle als «Kulturträger» im Osten. Mit grosser Skrupellosigkeit wurde diese neue, eng mit dem NS-Regime verbundene Forschungsdisziplin durchgesetzt.

Das ist beschämend genug für die Historikerzunft, doch die zentrale Frage bleibt: Gab es eine direkte Verbindung zwischen diesen Forschungen und dem Völkermord an den europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg? Haar gibt eine eher vorsichtig verneinende Antwort. Einerseits hatten die Wissenschafter Methoden zur quantitativen Erfassung der verschiedenen Volksgruppen im Osten entwickelt und Volkstumsstatistiken sowie Karten produziert, die wichtige Hilfsmittel für die «Umvolkung» und Aussonderung der osteuropäischen Juden waren. Andererseits wurden die zentralen Entscheidungen ohne die Beteiligung der Wissenschafter gefällt, so dass sie nicht als «Vordenker der Vernichtung» bezeichnet werden können. Trotzdem bleibt es ein Zeichen erschreckender moralischer Kälte, dass sie sich als Historiker bereitwillig darauf einliessen, die gewaltsame Umformung der Gesellschaft gegen alle historisch gewachsenen Gegebenheiten zu legitimieren und durch Begleitforschung zu unterstützen.

Offene Fragen

Wer sich künftig mit der Rolle der Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus, ja mit Fragen der Wissenschaftsorganisation überhaupt befasst, wird sich intensiv mit Haars aussergewöhnlich quellennaher und kenntnisfördernder Studie auseinandersetzen müssen. Die kritischen Einwände betreffen folglich weniger die grundsätzlichen Aussagen, sondern mehr den Eindruck, dass Haar um der Zuspitzung willen es bisweilen an der ebenso notwendigen Differenzierung vermissen lässt. Klarer herauszuarbeiten wäre etwa, was die Beteiligten jeweils unter zentralen Begriffen wie «Volkstum» oder «Rasse» verstanden. Trotz der gemeinsamen, scharf antidemokratischen Grundhaltung wären dann wohl doch erhebliche Differenzen etwa zwischen dem NS-Historiker Walter Frank und Hermann Aubin sowie Hans Rothfels, der wegen seiner jüdischen Herkunft 1935 emigrieren musste, auszumachen. Überspitzt erscheint auch die Charakterisierung Brackmanns als alles lenkende Zentralgestalt der Volkstumsforschung. Brackmanns Zentralisierungswille war gross und auch in vielen Bereichen erfolgreich, dennoch gab es zahlreiche weitere Personen und Organisationen, die unabhängig oder in höchstens loser Koordination mit der Nord- und Ostdeutschen Forschungsgemeinschaft ihre Variante der «Ostforschung» betrieben. Insofern ist das Bild eines polykratischen Forschungsapparates zwar revisionsbedürftig, aber keineswegs vollkommen obsolet.

Die vieldiskutierte Frage des «innovativen» Werts der Volkstumsforschung schliesslich hat ebenfalls noch keine endgültige Antwort gefunden. Dass die Volksgeschichte nichts zum Fortschritt der menschlichen Zivilisation beitrug, sondern das genaue Gegenteil zum Ziel hatte, ist offensichtlich. Doch bleibt ihre in Teilbereichen sich zeigende interdisziplinäre Modernisierungsleistung irritierend. Was das Studium der Volksgeschichte, darin ist Haar zuzustimmen, besonders deutlich dokumentiert, ist, dass die Durchsetzung neuer Forschungsparadigmen über politische Systembrüche hinweg ähnlichen Mechanismen folgt. Die in dieser Hinsicht im NS-Staat gelernten Lektionen vermochten viele Historiker auch nach 1945 effektiv anzuwenden.

Christoph Jahr

Kurzbeschreibung


Volksgeschichte und Politik im Nationalsozialismus
Die Rolle der Historiker im Nationalsozialismus ist Gegenstand heftiger Diskussionen. Ingo Haar untersucht das personelle und institutionelle Netzwerk der "Volksgeschichte", einer einflussreichen Richtung der deutschen Geschichtswissenschaft, und ihre Verflechtung mit staatlichen Instanzen und politischen Kreisen. Im Mittelpunkt steht die "Nord- und Ostdeutsche Forschungsgemeinschaft", ein großer Forschungsverbund, in dem Staat, Partei und Wissenschaft eng miteinander verflochten waren. Die "Volksgeschichte" suchte bewusst die Nähe zu einer Bevölkerungspolitik, die die "völkische" und "rassische" Neuordnung Europas anstrebte und in Völkermord und Vernichtungskrieg mündete. Gerade auch Historiker der jüngeren Generation stellten sich in den Dienst der NS-Diktatur. Ingo Haar analysiert diese Entwicklung erstmals im Zusammenhang, beschreibt die institutionellen und ideologischen Grundlagen der "Volksgeschichte" und untersucht deren Rolle im "Volkstumskampf". <

In diesem Buch (Mehr dazu)
Ausgewählte Seiten ansehen
Buchdeckel | Copyright | Inhaltsverzeichnis | Auszug | Stichwortverzeichnis | Rückseite
Hier reinlesen und suchen:

Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden

 (Was ist das?)
Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
 

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

5 Sterne
0
4 Sterne
0
2 Sterne
0
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Wie das Bild der Wissenschaften zur Zeit des Dritten Reichs überhaupt hat sich auch das Bild der Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus in den letzten Jahrzehnten beständig gewandelt. Die Annahme, unter Hitler hätte es in Deutschland keinen geregelten Wissenschaftsbetrieb gegeben, ist ebenso überholt wie die These, Wissenschaft und Politik seien im Dritten Reich zwei völlig getrennt operierende Funktionsbereiche gewesen. Die spezielle Debatte um die Rolle der Historiker im Nationalsozialismus ist nicht zuletzt seit dem Historikertag 1998 in Frankfurt am Main wieder aktuell. Einen wesentlichen Beitrag zur Forschungsdiskussion lieferte der Berliner Historiker Ingo Haar mit seinem 2000 in der von Berding, Kocka, Ullmann und Wehler herausgegebenen Reihe Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft erschienenen Buch Historiker im Nationalsozialismus.

Haars Untersuchung zielt vor allem auf das personelle und institutionelle Geflecht der einflussreichen „Volksgeschichte" ab, die Fragen des Volkstums und der völkisch-geographischen Ordnung behandelte und enge Bindungen mit staatlichen und politischen Instanzen einging. Dabei wird hauptsächlich die Arbeit der „Nord- und Ostdeutschen Forschungsgemeinschaft" betrachtet, eines mit NS-Staat und NSDAP eng verflochtenen Forschungsverbunds. Haars zentrale Fragestellungen behandeln dabei den Aufstieg und Fall der völkisch orientierten deutschen Geschichtswissenschaft und die Vernetzung der sogenannten „Volksgeschichte" mit dem Herrschaftssystem der Nationalsozialisten. Dazu untersucht Haar sowohl den Aufbau außeruniversitärer Forschungseinrichtungen unter dem Einfluss völkischer Paradigmen als auch hauptsächliche Akteure sowie ihre Rolle in der Konzeption und Beratung der Politik. Dabei werden v.a. Historiker wie Aubin, Brackmann, Rothfels und Schieder sowie die deutsche Ostforschung und die Beteiligung der Historiker an „Umsiedlungs"- und „Eindeutschungsplänen" beleuchtet.

Haar beginnt seine Arbeit mit einleitenden Informationen über Volkstumsforschung in der durch den Versailler Vertrag gehemmten Weimarer Republik und beschreibt die Entwicklung der Leipziger Stiftung für Volks- und Kulturbodenforschung, die völkisch orientierten Wissenschaftlern ein Forum bot, abseits des universitären Lebens an der Revisionspolitik der politischen Instanzen zu partizipieren und sich in aktiver „Deutschtumsarbeit" üben zu können. Mit dem Erfolg der nationalsozialistischen Ideologie und ihrer totalitären sowie rassistischen Ordnungsvorstellungen wurden auch den bis dato als Spezialforschung angesehenen Wissenschaftsprogrammen und ihrem Begriffsrepertoire um „Volkstum", „Volksboden" und „Lebensraum" größere Möglichkeiten eröffnet. Der Begriff des „eigenständigen Volks" ermöglichte eine Unterteilung in „Volksgenossen" und zu entfernende „Volksfeinde", was die Interpretation der Revisionspolitik in den Kreisen der Volkstumsforschung um eine weitere rassistische und aggressive Nuance erweiterte.
Im Kontrast zu Historikern liberalerer Auffassung griffen z.B. Rothfels und sein Königsberger Schülerkreis den Gedanken einer „Revolution von Rechts" wieder auf. Die „völkischen Nachwuchshistoriker" plädierten bereits 1929 für einen Politikwechsel in Richtung einer ethnischen Neuordnung Europas.
Durch einen Generationenwechsel begünstigte Forscher wie Brackmann, Aubin und Oberländer stellten sich in den Dienst der Nationalsozialisten und ihrem Ostprogramm. Weite Teile Osteuropas wurden von Seiten der völkischen Geschichtswissenschaftler, die sich mittlerweile auf zwei Historikertagen konsolidiert hatten, als Zone germanisch-deutscher Kulturausstrahlung bestimmt. Im Zuge der Gleichschaltung der deutschen Geschichtswissenschaft lehnte Brackmann im Gegensatz zu Oberländer die Leitung der neu gegründeten Nordostdeutschen Forschungsgemeinschaft nicht ab; der Kreis der Königsberger Nachwuchshistoriker rückte in die Historikerelite Deutschlands ein. Die ostdeutsche Geschichtswissenschaft wurde zentralisiert, die Forschungsgemeinschaft kontrollierte zahlreiche Projekte zu Fragen der Grenzziehung und Bevölkerungspolitik. Die Nachwuchshistoriker unterstützen die Ostpolitik der NSDAP, die selber noch nicht in der Lage gewesen war, akademische Eliten herauszubilden.
Nach 1937 erlangte die Nord- und Ostdeutsche Forschungsgemeinschaft endgültig den Status einer staatlich geförderten Großforschungseinrichtung. Die fachlichen und durch Auslandskontakte bzw. -besuche erlangten Kenntnisse der Volkstumshistoriker waren unentbehrlich für die nationalsozialistische Volksgruppenpolitik nach der Niederwerfung Polens. In engster Zusammenarbeit mit dem Planungsstab der Siedlungs- und Bevölkerungspolitik wurden zahlreiche Karten und Statistiken als Grundlage der Bevölkerungspolitik produziert. Dies waren bereitwillig ausgeführte Auftragsarbeiten für den NS-Staat, dem eine eigene akademische Elite noch immer fehlte.
Auch in die konzeptionellen Prozesse, die zur Vernichtung der europäischen Juden führen sollten, waren Historiker und Geographen der Nord- und Ostdeutschen Forschungsgemeinschaft beteiligt und votierten nach Haar offen für eine Politik der „Eindeutschung", die sie auch im Nachhinein zu rechtfertigen suchten. Vordenker des Völkermords waren sie Haar zufolge aber nicht, auch wenn sie das deutsche Volk als kulturell und ethnisch überlegen ansahen.

Alles in allem hat Ingo Haar mit Historiker im Nationalsozialismus eine interessante und v.a. in zahlreichen Einzelbefunden bemerkenswerte Studie vorgelegt, die zahlreiches zuvor nicht untersuchtes Material erschließt und deshalb, wie bereits vielfach angemerkt, wohl zurecht als „Pionierstudie" in diesem Forschungsfeld bezeichnet werden kann. Haars brisante Erkenntnisse und die möglichen Rückschlüsse haben bereits im Vorfeld des Erscheinens des Buches für heftige Diskussionen gesorgt und dem Buch einigen Pressewirbel beschert. Dabei sind Haars ansonsten recht pointierte Folgerungen und Rückschlüsse gerade im Hinblick auf die Frage einer direkten Vorbereitung des Genozid über die konzeptionelle Beteiligung des beleuchteten Historikerpersonals hinaus eher vorsichtig und zurückhaltend, generell sogar mangels weiterer Erkenntnisse verneinend. Nichtsdestotrotz haben sogar namhafte Historiker wie Heinrich-August Wehler oder Hans Mommsen Kritik an Haars Arbeit geäußert. Während die Neue Züricher Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Detailtreue und Quellenfülle der Arbeit loben und die Nachzeichnung mancher personeller Kontinuitätslinien bis in die Bundesrepublik hervorheben, äußern sie dennoch leichte Kritik, z.B. an der fehlenden Definition der als „völkisch" eingestuften Begriffe sowie der mangelnden Lesbarkeit und abschließenden Reflexion. Der nahezu uneingeschränkten Begeisterung der TAZ seinerzeit schloss sich die ZEIT nicht an: Hier wird ein fehlender europäischer Vergleich in Sachen „völkischer" Geschichtswissenschaft bemängelt und Haars Einstufung der Rolle der Historiker im Vergleich zur Rolle anderer Wissenschaftler hinterfragt.
Aber auch angesichts manch vielleicht zu voreiliger Zuspitzungen (z.B. die Motivationen und Denkarten manch genannter Personen wie Rothfels und Schieder betreffend) bleibt Haars Buch sicherlich eine interessante Studie, deren quellennahe Arbeit den Rückschluss zulässt, dass bei näherer Betrachtung auch die Historiker nicht „mit weißer Weste" durch die Zeit des Dritten Reichs gekommen sind.
Was Haars Buch tatsächlich fehlt, sind Lesbarkeit und der Zugang für Leser, die nicht über außerordentliche Vorkenntnisse der Materie verfügen. Haar schreibt in einem sehr formellen Stil, bleibt gleichzeitig aber in der durch die Thematik vorgegebenen Terminologie verhaftet. Zusätzlich verliert er sich oftmals in einer enormen Detailfülle und verpasst dabei über weite Strecken, abgesehen von der Konzentration auf einige Personen einen klareren roten Faden zu etablieren, was der Konsumierbarkeit des zugegebenermaßen komplexen Stoffes leider ebenfalls schadet.
Entgegen der Suggestion des vollmundigen Titels konzentriert sich Haar in seiner Darstellung im Übrigen vollends auf die erwähnten Forscherkasten; Einblicke in die universitären Geschichtswissenschaften liefert sein Buch dagegen nicht.

[Rezension, Uni-Hausarbeit, SoSe 2004]

War diese Rezension für Sie hilfreich?
7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Überbordendes Wirrwarr 22. Oktober 2000
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Der Autor hat starke Probleme verständlich zu schreiben. Die These des Buches, nämlich die Verstrickung der Historiker im Prozess der Judenvernichtung, wird lediglich behauptet, aber nirgendwo schlüssig belegt. Die "Begleitforschung" der Historiker wird in ihren praktischen Auswirkungen auf den Genozid masslos überschätzt. Man bekommt fast den Eindruck, als sei die Judenvernichtung das Werk von Historikern gewesen. Diese Überschätzung des eigenen Dissertationsthemas ist ein typischer Anfängerfehler. Das macht das wirr erzählte Buch ärgerlich. Unverständlich, dass es in so einer renommierten Reihe Platz finden konnte. Es liegt wohl daran, dass der Autor mehr Staub in der Presse aufwirbelt, als ihm wissenschaftlich zusteht.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Kundenrezensionen suchen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten

Legen Sie Ihre eigene Lieblingsliste an

Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:
























Das bedeutet, jeder Titel/Artikel muss zu Sachgebiet 1 UND zu Sachgebiet 2 UND... gehören.

Ihr Kommentar

Möchten Sie die Produktinformationen aktualisieren oder Feedback zu den Produktabbildungen geben?