Die Historien - nur ein Quellentext für Fachgelehrte? Ich denke nicht. Auch dem interessierten Laien bietet dieses Buch vortreffliche Unterhaltung, denn es ist mehr als ein Geschichtsbuch im modernen Sinne (oder, besser gesagt: etwas anderes). Bis zu dem eigentlichen Höhepunkt seines Werkes, den Perserkriegen, berichtet Herodot - zum Teil recht ausführlich - von der „Vorgeschichte" Griechenlands, des Mittelmeerraums sowie der übrigen, damals bekannten Welt. Seine „Geschichte" ist anfangs überwiegend Mythos, Tatsächliches gewinnt erst nach und nach überhand. Die Geschichtsdarstellung wird dabei oft unterbrochen, durch Anekdoten, Märchen (die goldsuchenden Riesenameisen) oder durch Erzählungen (mitunter geradezu Novellen, wie der Ring des Polykrates). Ich will nicht leugnen, dass das Buch einige Längen aufweist: lange Ahnenlisten oder die ausführlichen Kataloge der Kriegsparteien verlangen dem heutigen Leser doch etwas Geduld ab (wer von Homer kommt, wird seine wahre Freude daran haben). Doch davon abgesehen, ist dieses Buch durchaus kurzweilig und mit dem umfangreichen Anmerkungsapparat (der wohl etwas veraltet ist), mindestens ebenso informativ wie ein modernes Lehrbuch. Kurz: Wer sich einen Überblick über die behandelten Ereignisse verschaffen will, wer die Anfänge unserer Kultur eingehender erfahren möchte, dem sei Herodot empfohlen.