Künstlerisch machte dieser Ivan Morrison von 1968-1974 ja so gut wie nichts falsch und die 7 Studioalben die er in dieser Zeit veröffentlichte, sind einer der beeindruckendsten ,Läufe' die es in der Popmusik gab. Allerdings werden hauptsächlich immer nur ,Astral Weeks' und ,Moondance' genannt, wenn es um seine besten Alben geht, dabei ist das darauffolgende ,His Band & The Street Choir' um keinen Deut schlechter, nur stilistisch vielleicht eine Spur anders.
R'n'B ist die, diese Platte bestimmende Richtung. Sei es nun der Stax Soul-Sound von ,Domino', der Funk von ,I've Been Working' der Rock'n'Roll-lastige - ganz im Stil von Ray Charles interpretierte - Soul von ,Blue Money' und von ,Give Me A Kiss' oder der Swing von ,Call Me Up In Dreamland'. Van Morrison macht sich all diese Spielarten hier nicht zu eigen, nein - er hat Sie hier bereits vollständig verinnerlicht.
Die folkig instrumentierte Soul-Ballade ,Crazy Face' ist vielleicht eine seiner unterschätztesten Kompositionen überhaupt und gerade diese langsamen zarten Songs, die oft ganz wunderbar von einer filigranen akkustischen Gitarre begleitet werden (,I'll Be Your Lover To' bspw.) sind es, die dieser Scheibe, neben den flotten rhythmusbetonten songs, die nötge Nachhaltigkeit verleihen. Auch auf ,Virgo Clowns' oder ,Gypsy Queen' werden Folk und Soul ganz selbstverständlich miteinander verschmolzen.
,If I Ever Needed Someone' ist dann so ein typischer Van Morrison Raunzer der auch den Gospel integriert und schon fast so eine Gänsehautstimmung erzeugen kann wie einige Jahre später dann ,And The Healing Has Begun'. Der closer ,Street Choir' hätte auch perfekt auf seine 90er Jahre Alben wie ,Hymns To The Silence' oder ,Days Like These' gepaßt.
Eine ganz wunderbare Platte ist das und leider muß man, um Sie in der bestmöglichen Soundqualität genießen zu können auf diesen recht teuren Japan Import zurückgreifen, da ja die ,Remasters'-Series nach dem zweiten Schwung leider aus unerfindlichen Gründen gestoppt wurde. Diese Ausgabe läßt aber dafür klanglich absolut keine Wünsche offen. Die Japaner zeigen hier wieder auf beeindruckende Weise wie gut Sie das remastering Handwerk beherrschen. So transparent, dynamisch und gleichzeitig warm und homogen klang auch nicht das Original-Vinyl. Ein echter Genuß und selbstverständlich die volle Punktezahl für ein doch etwas unterschätztes Album des großen irischen Liedermachers. (Wer übrigens dennoch auf vinyl besteht der greife wahlweise zur Rhino Vinyl Ausgabe von 2009 - die ist klanglich fast genauso gut)