Man muss kein Wort zum Grauen sagen, das einen durchdringt beim Sehen des Films. Es gibt keine Wörter, die dies beschreiben können. Aber, man kann etwas zum Film selbst sagen und zur moralischen Problematik hinter diesem Symptom.
Zum Film: BBC macht einfach keine halben Sachen. Mit großem Einfühlungsvermögen, ausgezeichneter Dramaturgie und herausragender Kameraführung, mit großen Fähigkeiten den Menschen in Szene zu setzen, besticht auch diese Dokumentation wie alle anderen, die ich von der BBC kenne.
Insofern auf den Punkt gebracht eine ausgezeichnete Arbeit, die ihr Geld wert ist.
Zum Hintergrund: Wir alle kennen das Argument "Die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki haben Hunderttausenden, vielleicht Millionen das Leben gerettet." Wir kennen auch das Gegenargument "Niemand weiß das genau." Und wir kennen die Frage: "Wieviele Menschen darf man töten, um wieviele Menschleben zu retten?"
Doch mit Mathematik oder Rechtfertigung lässt sich das Problem nicht angehen. Der Film Hiroshima führt den Zuschauer direkt hinein in die Handlungsparadoxie, wie sie nur dort entsteht, wo Menschen miteinander zu tun haben. Es gibt keine einfachen Lösungen, es gibt keine wahren Lösungen, es gibt nicht einmal passende Lösungen. Wenn Menschen sich streiten, haben sie bereits in ihre Interaktion die Paradoxie hineingetragen, und von dort gibt es keinen leichten Weg mehr heraus. Schlimm ist, dafür braucht es keine zwei. Wo Systeme (ob Staatensysteme, familiäre oder was auch immer) den Streit regulieren, reicht einer, um mit dem Stress zu beginnen und was danach kommt, ist nur noch menschlicher Alptraum.
Hiroshima als Film, noch dazu als ein so guter, kann uns dies lehren, und obwohl er heftig anzuschauen ist, gehört er doch in die Schulklassen. Davon zu hören reicht nicht, dafür ist die Emotionalität zu niedrig. Man muss irgendwie miterfahren und sei es auch nur so schwach, wie es halt als Nichtbetroffener möglich ist, um hieraus zu lernen. Was es zu lernen gilt ist nicht, ob Hiroshima gut oder schlecht war, gerechtfertigt oder nicht, sondern dass es unsere Aufgabe als Menschheit ist, zu lernen zu vermeiden, dass solche Situationen überhaupt zustande kommen. Hier sind nicht nur die Politiker, die Staaten, die Ideologien gefragt, hier ist auch der Einzelne angesprochen. In Hiroshima finden wir den alltäglichen Streit, wie er nur allzu häufig gar vor Gerichte geht, mit all dem Schmerz der damit verbunden ist, auf die Spitze getrieben. Hiroshima ist eine Art gerichtlicher Vergleich mit Schmerzen für beide Seiten, die zu ertragen man sich weder vorstellen will, noch dass man es kann.
Ein absolut empfehlenswerter Film!