Über den Atombombenabwurf über Hiroshima wurde schon viel geschrieben. Aufgrund der bis heute anhaltenden Untersuchungen der Spät- und Langzeitfolgen, kommen immer wieder neue und aktuellere Bücher auf den Markt, welche die alten Veröffentlichungen nach und nach verdrängen. "Hiroshima" von John Hersey bildet die ganz große Ausnahme. 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung im "The New Yorker", gilt seine Erzählung über die persönlichen Schicksale von sechs Opfern als Standardwerk dieser Tragödie.
John Hersey, geboren in China, war ein amerikanischer Journalist und Autor, der sich durch seine Kriegsberichterstattungen während des zweiten Weltkriegs einen Namen machte. Für sein "Eine Glocke für Adano", dass das Leben eines italienischen Bauers während des Krieges schildert, wurde er mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. 1946 folgte "Hiroshima".
In den direkten Folgejahren der Bombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, tat die amerikanische Besatzungsmacht ihr Möglichstes, um jede unabhängige Berichterstattung über die Folgen der Explosionen zu unterbinden. John Hersey gelang es jedoch, im Mai 1946 ins Krisengebiet zu reisen, und mit sechs Überlebenden zu sprechen: Miss Toshiko Sasaki war Sekretärin in einer Zinnfabrik, Dr. Masakazu Fuji führte eine kleine Privatklinik, Mrs. Hatsuyo Nakamura, eine Witwe, unterhielt sich und ihre drei Kinder mit Näharbeiten. Priester Wilhelm Kleinsorge, ein deutscher, arbeitete für die lokalen Jesuiten, Dr. Terufumi Sasaki war Chirug im Krankenhaus des Roten Kreuz und Kiyoshi Tanimoto war Pastor der Methodistenkirche.
Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert: Es beginnt mit dem Moment, in dem die Bombe explodiert, und wird im zweiten Kapitel dann auf die folgenden Stunden ausgeweitet. Die ersten Tage nach dem Abwurf werden im dritten Kapitel beschrieben, im Vierten schließlich der folgende Monat. 1985, 40 Jahre nach dem Abwurf, kehrte John Hersey noch einmal zurück nach Hiroshima, und suchte seine sechs Interviewpartner erneut auf, um von ihnen zu erfahren, wie ihr Leben verlaufen war. Ihre Berichte bilden das fünfte und letzte Kapitel.
In jedem Kapitel wird nacheinander beschrieben, wie die sechs Protagonisten die beschriebene Zeit erlebten.
"Hiroshima" von John Hersey unterscheidet sich von den meisten Büchern zu diesem Thema darin, dass es ein reiner Augenzeugenbericht ist. Der Moment der Explosion, und der Horror der folgenden Stunden, Tagen und Wochen, werden eindringlich und lebhaft beschrieben, und mit den persönlichen Schicksalen sechs unterschiedlicher Menschen verknüpft, die durch diese Tragödie verbunden werden. So geschockt, wie man von den Berichten der Explosion und ihrer unmittelbaren Folgen ist, so beeindruckt ist man schließlich im letzten Kapitel, wenn man davon ließt, wie jede der sechs beschriebenen Personen mit dieser Tragödie umgingen. Dieses persönliche, das menschliche ist es, was "Hiroshima" von John Hersey so eindringlich und erschütternd macht.