intention: die gesammelten texte in diesem band, sind aus einer reihe der faz entstanden. zu wort kommen naturwissenschaftler, philosophen, rechtswissenschaftler, soziologen, etc, womit das thema willensfreiheit aus verschiedenen blickwinkeln betrachtet wird. für den interessierten leser sicherlich eine wertvolle sammlung für weitere denkanstösse. für fachleute wenig neues.
aufbau: das buch ist so aufgebaut, dass zuerst die naturwissenschaftler zu wort kommen, dann die kritik durch andere wissenschaftler folgt. der herausgeber bemüht sich in eigenen artikeln die texte zu moderieren. gut gemacht.
inhaltlich: die hirnforscher (nawi) vertreten aufgrund ihrer erkenntnisse aus der hirnforschung die meinung, (grob gesagt) dass es keinen freien willen gibt. philosophen versuchen den menschen als vorrangig geistiges wesen zu betrachten, wenn es zur frage der willensfreiheit kommt.
persönliche anmerkung: bin philosophie absolvent. ich vermisse eine einführung, die begriffe wie willensfreiheit, determinismus und kausalität betrachtet. bei manchen philosophischen texten scheint mir der tiefere zugang zu der thematik tatsächlich zu fehlen. vor allem fehlt mir der verweis auf einen (viel zu wenig gelesenen) philosophen, der sich (auf kant aufbauend und ihn verbessernd) auf hunderten seiten mit willensfreiheit und determinismus beschäftigt: arthur schopenhauer
kleine einführung:
materie: fragt man nach dem zustandekommen eines materiellen ereignisses, ein auto prallt gegen eine wand, so sind die ursachen für den effekt meist schnell gefunden (denkt man!): geschwindigkeit, masse, fliehkräfte, etc. denkt man deterministisch, so sind die ursachen und auslöser unendlich viele und liegen bis ins unendliche zurück (das auto wurde gebaut, die wand wurde gebaut, der autokonstrukteur musste zur welt kommen etc).
mensch: warum sollte es hier anders sein? das berühmte kant beispiel (vor einer hinrichtung kann man sich retten indem man über einen ehrenhaften menschen lügt), welches willensfreiheit beweisen soll, kann auch widerlegt werden, indem man sagt: der lügende ist aufgrund seines bisherigen lebens, aller umstände (undendlich viele, der erkenntnis nicht zugängige oder bewusste inklusive)zum lügen bereit; der nicht-lügner ist nicht dazu bereit. ändert er kurzfristig seine einstellung, auch dann gab es dafür (möglicherweise durch ration nicht nachvollziehbare, aber dennoch vorhandene) gründe.
schopenhauer hat es in einem schönen satz ausgedrückt:
"man kann zwar dies oder jenes wollen, aber man kann nicht wollen was man will."
meine feststellung soll den determinismus nicht verherrlichen, sondern soll als ergänzung zum buch ein weiterer anstoss des nachdenkens sein.