Immer mal wieder ist in den Medien die Rede von "Hirndoping". Bei jeder neu veröffentlichten Studie, meist aus den USA, schwappt eine Welle meist sehr einseitiger Berichte durch die Radio-, Fernseh- und Printlandschaft. Das Buch "Hirndoping" von Klaus Lieb unterscheidet sich in dieser Hinsichtlich mehr als deutlich und positiv von dieser Art Journalismus.
Zu Anfang des Werkes schafft Lieb eine objektive Grundlage für alle weiteren Betrachtungen. Was versteht man unter "Hirndoping", wie kann man es definieren, was ist es insbesondere nicht? In den folgenden beiden Kapiteln befasst er sich mit der Motivation zum Hirndoping und mit der momentanen Verbreitung an Hand verschiedener Studien. Hervorzuheben ist hier der Fokus auf Deutschland, der bei vielen anderen Werken zum Thema zu kurz kommt. Dabei bleibt Lieb stets objektiv und beleuchtet Kritisch den Wert der vorliegenden Daten und interpretiert sie entsprechend.
Anschließend wird der Leser mit den verschiedenen Präparaten bekannt gemacht, die Anhand verschiedener Kategorien gruppiert sind. Jeder Gruppe hängen Tabellen an, die die Wirkung der verschiedenen Mittel an gesunden Menschen gegenüber einem Placebo zeigen. Die grundlegende Wirkungsweise der verschiedenen Präparate wird ebenso erklärt. Auf diese Weise kann man alle Aussagen Liebs konkret nachvollziehen und vergleichen. Auf sehr kompakte und gelungene Art und Weise hat man so Zugriff auf ein breites Spektrum an Studien und deren Ergebnisse. In diesem Abschnitt wird dem Leser schnell klar, dass so manche Mythen zur Thematik schlicht falsch sind.
Die letzten Kapitel sind der Moral, Ethik und der Zukunft gewidmet. Der Autor spielt mögliche Szenarien durch und erläutert an Beispielen potenzielle Probleme oder entkräftigt überzeugend einige Argumente der strengen Befürworter und Gegner. Ebenso fällt ein Blick auf die Motive und Möglichkeiten der Pharmaindustrie oder die Verantwortung von Ärzten in Sachen Hirndoping. Abschließend weist Lieb darauf hin, dass Bewegung, Gespräche und so weiter ebenso effektive Methoden zum "natürlichen Hirndoping" darstellen und gibt einige Anregungen.
Alles in allem sticht dieses Buch in meinen Augen also dadurch hervor, dass Lieb durch Einbeziehung vieler Studien und fundierter Daten nie den Boden unter seiner Argumentation verliert. Ebenso nimmt er diesen Datenbestand nicht einfach hin, sondern geht kritisch auf Mängel und weitere Aspekte ein, die bedacht werden müssen. Beispielweise mangelnde Daten zur Verbreitung von Hirndoping in Deutschland. Er bleibt dabei so objektiv wie möglich. Jede Aussage ist wohl durchdacht und nachvollziehbar, die einzelnen Kapitel gut strukturiert. Für alle Interessierten meines Erachtens somit sehr lesenswert und nur zu empfehlen!