Ich muß zugeben, auch ich habe das Buch innerhalb zwei Tagen verschlungen, allerdings bin ich trotzdem nicht so 100%ig überzeugt, wie meine Vorredner.
Das Buch ist sehr spannend, hat aber stellenweise immer mal wieder Längen.
Zum Beispiel die komplette zweite Aufgabe, in der es darum geht, einen dämonenbesessenen, toten Mörder sicherzustellen, der sich in das Kabelnetzwerk der USA eingespeist hat und dort mit seinem Dämon zusammen weiter tötet, fand ich seeeehr träge. Auch das ewige Beschreiben der Pseudovampire erschien zu lahm, fünf Seiten weniger hätten es sicher auch getan.
Das, was einen während dieser Durststrecke wirklich weiterlesen lässt, ist die Vorstellung, was sich wohl Gräßliches auf der nächsten Seite verbergen könnte.
Eine Kombination aus Angst vor dem, was einen erwarten könnte und schierer Neugier, die Lust auf den absoluten Horrorkick.
Grade von diesen gewarneten "explicit Lyrics" lebt das Buch, würde der Autor nicht mit dem Hackebeil immer mal wieder einfallsreich und brutal auf guten Geschmack und Ästhetik einschlagen, so dass einem beim Lesen unwillkürlich der Puls schneller schlägt, die Augen sich weiten, man das Buch am liebsten wegwerfen will, aber trotzdem gefesselt ist von der Abartigkeit, wäre es bloß ein mittelmäßiger und eigentlich auch recht abgenudelter Fantasy-schmöcker - wieviele Teufelspakte finden sich eigentlich schon in Film und Literatur?
Was man wirklich noch loben kann, ist das innovative Layout - alle zehn bis zwanzig Seiten ändert sich die Aufmachung, rechts-, linksbündig, abstürzende Buchstaben, verdrehte Überschriften, Schwarze Seiten, Schrift auf dem Kopf - man muss immer mal wieder schmunzeln, weil es doch ungewöhnlich ist.
Als Fazit bekommt es trotzdem vier Sterne.
Zum Einen, weil es doch die Gradwanderung schafft, die Längen sich überbrücken lassen und die spannenden Szenen dies eigentlich auch wieder wett machen, die gesamte Aufmachung und der Druck wirklich gelungen sind, und es zum Anderen einem einen nicht so offensichtlichen Spiegel vorhält - es geht nicht nur ausschließlich darum, dass wir alle in einer ziemlich kranken Welt leben, besiedelt von einem Haufen noch krankerer Menschen - das wußten wir doch vorher schon - und so grausam es ist, aber wenn man die einzelnen Episoden nimmmt und das Übernatürliche wegläßt, sind sie wirklich nicht utopisch..
Das Krankeste jedoch daran ist, dass der vermeintlich "gesunde" Mensch sich an diesem Geschwür auch noch ergötzt, es liest, zuschaut, gespannt, aufgeregt und sich davon sogar noch unterhalten fühlt..
Das ist der Punkt, der mich wirklich nachdenken ließ, als ich das Buch durchgelesen hatte. Wie abgestumpft muss man eigentlich sein, dass man sich das freiwillig antut und dann auch noch Entertainment nennt?
Erschreckend - so oder so.