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183 von 230 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine fesselnde Geschichte einer faszinierenden Zeit, 7. Oktober 2009
Rebecca Gables neuem Roman "Hiobs Brüder" gelingt es, den Leser von den ersten Seiten an zu fesseln und in die Geschichte eintauchen zu lassen. Und so erscheint die Vorstellung eines Lebens ohne die allabendliche Lektüre von "Hiobs Brüder" und ohne das damit verbundene Abtauchen in diese so gänzlich andere, erschreckende und doch bunte und faszinierende Welt schon nach den ersten zwanzig Seiten ungemein betrüblich.
Auf einem verfallenen Inselgefängnis werden all jene eingesperrt, die durch körperliche und geistige Gebrechen gezeichnet sind, körperlich Deformierte oder geistig Behinderte, all jene eben, denen Fortuna schon bei ihrer Geburt nicht besonders wohlgesinnt war. Durch einen gewaltigen, zerstörerischen Sturm können manche von ihnen fliehen - und hier beginnt eine abenteuerliche Reise, eine Odyssee von acht Männern und Jugendlichen, von acht "Verlierern", die eine unverhoffte Chance bekommen: die Chance auf ein Leben in Freiheit.
Der Anführer der Gruppe ist Losian, der sein Gedächtnis verloren hat. Er leitet die Flucht und führt die Gruppe quer durch das (in der Mitte des 12. Jahrhunderts) vom Bürgerkrieg gebeutelte England, ist gleichzeitig aber auch auf der Suche nach seiner eigenen Geschichte, auf der Suche nach seiner Vergangenheit.
Obwohl Gables Geschichte erneut im englischen Mittelalter spielt, geht die Autorin neue Wege:
Die Geschichte spielt diesmal weniger im Umfeld der Mächtigen, der Herrscher und Könige, der "Gewinner", sondern gibt verstärkt Einblick in das gesellschaftliche und kulturelle Leben im England des 12. Jahrhunderts und schildert vermehrt auch das Leben der normalen Bürger und der "Verlierer" dieser Zeit. "Hiobs Brüder" ist ein - wie sich Gable selbst ausdrückt - "historisches Road-Movie" vor dem Hintergrund des Englands um die Mitte des 12. Jahrhunderts.
Doch trotz allem ist auch "Hiobs Brüder" kein unpolitischer historischer Roman, denn Losians Suche nach seiner Vergangenheit und die Erkenntnisse, zu denen er dabei gelangt, machen ihm immer klarer, dass er mit Blick auf das Schicksal des erschütterten Englands keine unbedeutende Rolle gespielt hat - und je mehr er über sich selbst, über seine Vergangenheit, erfährt, desto mehr wird ihm bewusst, dass er die Verantwortung für seine Taten, vor allem für seine Fehler, übernehmen muss und ihm das Schicksal des Landes nicht gleichgültig sein kann.
Denn Losian ist kein fehlerfreier, kein perfekter Held, sondern eine authentische Figur seiner Zeit, eine Figur mit Stärken und Schwächen, ist ein vielschichtig-facettenreich und glaubwürdig gezeichneter Charakter (diesbezüglich durchaus vergleichbar mit John, Raymond oder Julian of Waringham), dem es jedoch trotzdem von Anfang an gelingt, die Sympathien des Lesers zu gewinnen - zumindest bei mir war dies der Fall.
Und genau das ist eine der Stärken von Rebecca Gable: es gelingt ihr wie kaum einem anderen Autor, den Leser mit den jeweiligen Charakteren leiden und bangen, hoffen und enttäuschen, erheitern und erfreuen - kurz um: mit ihnen empfinden zu lassen, wodurch ein ausgeprägtes Identifikationspotential zwischen Leser und Figuren entsteht. Mehr und mehr fiebert man als Leser mit seinen Lieblingsfiguren mit; so war es schon bei den Waringhams oder Caedmon of Helmsby, und genau so ist es auch bei Losian.
Mit "Hiobs Brüder" gelingt es Rebecca Gable also erneut, Historisches und Fiktives in eine fast wundersame Einheit zu versetzen, weshalb mir der Roman mit seinen über 900 Seiten noch viel zu kurz erschien, da ich - auch wenn es pathetisch klingen mag - am liebsten immer weiter gelesen hätte, um immer tiefer in diese fremde, vergangene, aber immer vertrauter werdende Welt eintauchen zu können.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Perfekt!, 21. Januar 2010
Was ist das Schöne an Büchern von Rebecca Gable? Man muss sie nicht anlesen, man muss sich nicht überlegen, ob man aus Preisgründen doch lieber auf das Taschenbuch wartet. Wenn ein Buch von Rebecca Gable erscheint,kann man blind zugreifen und es kaufen. Denn: Garantiert ist eine nachvollziehbare Handlung, Logik, Spannung, Liebe - und all das vor dem realistischen Hintergrund des Mittelalters.
Hiobs Brüder fand ich wunderschön und authentisch. Die "Guten" in der Geschichte sind nicht perfekt, sondern haben auch ihre Macken, die "Bösen" sind zwar fiese Schurken, aber trotzdem nicht zu 100 Prozent unsymphatisch. Am tollsten fand ich, dass ich nach ca. 250 Seiten liebe alte Bekannte aus "Das zweite Königkreich" wiedergetroffen habe. Kleine, nebensächliche Anmerkungen ("Deine kleine Zehen sind verkümmert, das haben wir von meiner Mutter geerbt") bescheren regelmäßige AHA-Erlebnisse, weil man diese Hinweise kennt und einen Bezug zu den früheren Büchern von Rebecca Gable herstellen kann. Ich persönlich habe viel Zeit damit verbracht, bei "Das 2. Königreich" und "Hiobs Brüder" mit Bleistift Querverweise reinzuschreiben.
Fazit: Jedem, der ein bisschen Interesse an Geschichte und am Mittelalter hat, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Es ist keine "Nur-erfunden"-Geschichte ala "Die Wanderhebamme Teil 1 bis 35", sondern ein Roman, der durch seinen wahren, geschichtlichen Hintergrund nicht nur toll zu lesen, sondern auch absolut informativ ist.
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110 von 152 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"... Eine Insel in einem sehr stürmischen Meer ...", 8. Oktober 2009
Im Jahr 1147 wird der unter Fallsucht leidende Simon de Clare auf die Isle of Whitholm vor der Küste Englands verbannt. Dort trifft er auf weitere Leidensgenossen, die alle geistig oder körperlich behindert sind und auf der Inselfestung ein menschenunwürdiges Leben führen müssen. Hier lebt auch Losian, der sein Gedächtnis verloren und mehr oder weniger die Verantwortung für die Bewohner der Insel übernommen hat, zu denen u.a. der Massenmörder Regy, die siamesischen Zwillinge Godric und Wulfric, der am Down-Syndrom leidende Oswald und die geistig Verwirrten Edmund und Luke zählen. Als sich nach einer Sturmflut die Möglichkeit zur Flucht ergibt, ergreifen sie diese. Unter der Führung von Losian macht sich die Gemeinschaft auf den Weg nach East Anglia und je länger die Reise dauert, desto mehr erkennt Losian, dass er nicht ganz unschuldig an dem jahrelang andauernden Bürgerkrieg zwischen König Stephen und Kaiserin Maud ist.
Die Geschichte beginnt mit der Ankunft von Simon auf der Inselfestung und seinem ersten Zusammentreffen mit King Edmund. Dieser bildet sich ein, der wiedergeborene "Heilige Edmund" zu sein und der es nicht leiden kann, wenn in seiner Gegenwart geflucht wird. Dann wird aus dem heiligen Mann ein unbarmherziger Schläger. Außerdem gibt es da noch den liebenswerten, gutmütigen Oswald, der total auf Losian fixiert ist; Luke, der glaubt, dass in seinem Bauch eine Schlange lebt; die gutmütigen, hilfsbereiten Zwillinge und Reginald de Warenne! Dieser wird in Ketten gehalten, da man ansonsten jederzeit damit rechnen muss, dass er einem an die Kehle springt. Bei seiner Charakterbeschreibung hatte ich immer Sir Anthony Hopkins mit langen Zottelhaaren und -bart vor Augen. Der eigentliche Protagonist des Romans ist aber Losian, ein gebildeter Mann Mitte Zwanzig, der sich an seine Vergangenheit nicht mehr erinnern kann und entsprechend mit seinem Schicksal hadert. Das einzige was er weiß ist, dass er wohl ein Ritter gewesen sein muss, der im Heiligen Land war. Aber selbst hiermit kann er sich nicht sicher sein. Im Lauf der Romans findet er sein altes Leben wieder, ob er hiermit jedoch noch zurechtkommt, erzählt Rebecca Gablé im Lauf ihres Romans. Und zu guter Letzt noch Simon de Clare. Ein junger Adliger, der sich mit seiner Krankheit abgefunden und damit umzugehen gelernt hat und sich im Lauf der Geschichte vom verwöhnten Jüngling zum gestandenen Mann entwickelt.
Wieder einmal gelingt es Rebecca Gablé praktisch von der ersten Seite an, einen mit in das mittelalterliche England zu nehmen. Farbenprächtig und bildgewaltig erzählt sie die Geschichte von Losian und seinen Gefährten und dies dazu noch so fesselnd, rasant und spannend, dass man das Buch wirklich mal wieder nur schweren Herzens zur Seite legen kann.
Während des Lesens kommt natürlich auch wieder ihr schier unerschöpfliches Wissen der englischen Geschichte zum Vorschein. Problemlos gelingt es der Autorin, die verwinkelten Verwandtschaftsbeziehungen des englischen Hochadels des 12. Jahrhunderts verständlich zu skizzieren und die vielen Ränkespiele zu beschreiben, ohne auch nur einmal langweilig zu werden; ganz im Gegenteil.
Interessant ist auch, dass dieses Mal - im Gegensatz zur Waringham-Trilogie - mehr der Fokus beim einfachen Volk liegt. Und hier ganz besonders die Schwierigkeiten aufgezeigt werden, mit denen sich geistig- und körperlich behinderte Menschen zu dieser Zeit auseinandersetzen mussten oder einfach auch nur Menschen, die etwas anders waren als das "gemeine Volk". So galt man als Aussätziger, wenn man unter Epilepsie litt oder als Besessener, wenn man eine Amnesie hatte. Anschaulich ist hier die Macht der Kirche, explizit der Kirchenmänner beschrieben, die einfach so einen gesunden Menschen als geistig behindert "abstempeln" konnten.
Alles in allem ist Rebecca Gablé wieder ein praller, farbenprächtiger Roman gelungen, von dem man sich sehr gerne für ein paar Tage in das mittelalterliche England "entführen" lässt.
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