Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
130 von 166 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine fesselnde Geschichte einer faszinierenden Zeit, 7. Oktober 2009
Rebecca Gables neuem Roman "Hiobs Brüder" gelingt es, den Leser von den ersten Seiten an zu fesseln und in die Geschichte eintauchen zu lassen. Und so erscheint die Vorstellung eines Lebens ohne die allabendliche Lektüre von "Hiobs Brüder" und ohne das damit verbundene Abtauchen in diese so gänzlich andere, erschreckende und doch bunte und faszinierende Welt schon nach den ersten zwanzig Seiten ungemein betrüblich.
Auf einem verfallenen Inselgefängnis werden all jene eingesperrt, die durch körperliche und geistige Gebrechen gezeichnet sind, körperlich Deformierte oder geistig Behinderte, all jene eben, denen Fortuna schon bei ihrer Geburt nicht besonders wohlgesinnt war. Durch einen gewaltigen, zerstörerischen Sturm können manche von ihnen fliehen - und hier beginnt eine abenteuerliche Reise, eine Odyssee von acht Männern und Jugendlichen, von acht "Verlierern", die eine unverhoffte Chance bekommen: die Chance auf ein Leben in Freiheit.
Der Anführer der Gruppe ist Losian, der sein Gedächtnis verloren hat. Er leitet die Flucht und führt die Gruppe quer durch das (in der Mitte des 12. Jahrhunderts) vom Bürgerkrieg gebeutelte England, ist gleichzeitig aber auch auf der Suche nach seiner eigenen Geschichte, auf der Suche nach seiner Vergangenheit.
Obwohl Gables Geschichte erneut im englischen Mittelalter spielt, geht die Autorin neue Wege:
Die Geschichte spielt diesmal weniger im Umfeld der Mächtigen, der Herrscher und Könige, der "Gewinner", sondern gibt verstärkt Einblick in das gesellschaftliche und kulturelle Leben im England des 12. Jahrhunderts und schildert vermehrt auch das Leben der normalen Bürger und der "Verlierer" dieser Zeit. "Hiobs Brüder" ist ein - wie sich Gable selbst ausdrückt - "historisches Road-Movie" vor dem Hintergrund des Englands um die Mitte des 12. Jahrhunderts.
Doch trotz allem ist auch "Hiobs Brüder" kein unpolitischer historischer Roman, denn Losians Suche nach seiner Vergangenheit und die Erkenntnisse, zu denen er dabei gelangt, machen ihm immer klarer, dass er mit Blick auf das Schicksal des erschütterten Englands keine unbedeutende Rolle gespielt hat - und je mehr er über sich selbst, über seine Vergangenheit, erfährt, desto mehr wird ihm bewusst, dass er die Verantwortung für seine Taten, vor allem für seine Fehler, übernehmen muss und ihm das Schicksal des Landes nicht gleichgültig sein kann.
Denn Losian ist kein fehlerfreier, kein perfekter Held, sondern eine authentische Figur seiner Zeit, eine Figur mit Stärken und Schwächen, ist ein vielschichtig-facettenreich und glaubwürdig gezeichneter Charakter (diesbezüglich durchaus vergleichbar mit John, Raymond oder Julian of Waringham), dem es jedoch trotzdem von Anfang an gelingt, die Sympathien des Lesers zu gewinnen - zumindest bei mir war dies der Fall.
Und genau das ist eine der Stärken von Rebecca Gable: es gelingt ihr wie kaum einem anderen Autor, den Leser mit den jeweiligen Charakteren leiden und bangen, hoffen und enttäuschen, erheitern und erfreuen - kurz um: mit ihnen empfinden zu lassen, wodurch ein ausgeprägtes Identifikationspotential zwischen Leser und Figuren entsteht. Mehr und mehr fiebert man als Leser mit seinen Lieblingsfiguren mit; so was es schon bei den Waringhams oder Caedmon of Helmsby, und genau so ist es auch bei Losian.
Mit "Hiobs Brüder" gelingt es Rebecca Gable also erneut, Historisches und Fiktives in eine fast wundersame Einheit zu versetzen, weshalb mir der Roman mit seinen über 900 Seiten noch viel zu kurz erschien, da ich - auch wenn es pathetisch klingen mag - am liebsten immer weiter gelesen hätte, um immer tiefer in diese fremde, vergangene, aber immer vertrauter werdende Welt eintauchen zu können.
|
|
|
92 von 125 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"... Eine Insel in einem sehr stürmischen Meer ...", 8. Oktober 2009
Im Jahr 1147 wird der unter Fallsucht leidende Simon de Clare auf die Isle of Whitholm vor der Küste Englands verbannt. Dort trifft er auf weitere Leidensgenossen, die alle geistig oder körperlich behindert sind und auf der Inselfestung ein menschenunwürdiges Leben führen müssen. Hier lebt auch Losian, der sein Gedächtnis verloren und mehr oder weniger die Verantwortung für die Bewohner der Insel übernommen hat, zu denen u.a. der Massenmörder Regy, die siamesischen Zwillinge Godric und Wulfric, der am Down-Syndrom leidende Oswald und die geistig Verwirrten Edmund und Luke zählen. Als sich nach einer Sturmflut die Möglichkeit zur Flucht ergibt, ergreifen sie diese. Unter der Führung von Losian macht sich die Gemeinschaft auf den Weg nach East Anglia und je länger die Reise dauert, desto mehr erkennt Losian, dass er nicht ganz unschuldig an dem jahrelang andauernden Bürgerkrieg zwischen König Stephen und Kaiserin Maud ist.
Die Geschichte beginnt mit der Ankunft von Simon auf der Inselfestung und seinem ersten Zusammentreffen mit King Edmund. Dieser bildet sich ein, der wiedergeborene "Heilige Edmund" zu sein und der es nicht leiden kann, wenn in seiner Gegenwart geflucht wird. Dann wird aus dem heiligen Mann ein unbarmherziger Schläger. Außerdem gibt es da noch den liebenswerten, gutmütigen Oswald, der total auf Losian fixiert ist; Luke, der glaubt, dass in seinem Bauch eine Schlange lebt; die gutmütigen, hilfsbereiten Zwillinge und Reginald de Warenne! Dieser wird in Ketten gehalten, da man ansonsten jederzeit damit rechnen muss, dass er einem an die Kehle springt. Bei seiner Charakterbeschreibung hatte ich immer Sir Anthony Hopkins mit langen Zottelhaaren und -bart vor Augen. Der eigentliche Protagonist des Romans ist aber Losian, ein gebildeter Mann Mitte Zwanzig, der sich an seine Vergangenheit nicht mehr erinnern kann und entsprechend mit seinem Schicksal hadert. Das einzige was er weiß ist, dass er wohl ein Ritter gewesen sein muss, der im Heiligen Land war. Aber selbst hiermit kann er sich nicht sicher sein. Im Lauf der Romans findet er sein altes Leben wieder, ob er hiermit jedoch noch zurechtkommt, erzählt Rebecca Gablé im Lauf ihres Romans. Und zu guter Letzt noch Simon de Clare. Ein junger Adliger, der sich mit seiner Krankheit abgefunden und damit umzugehen gelernt hat und sich im Lauf der Geschichte vom verwöhnten Jüngling zum gestandenen Mann entwickelt.
Wieder einmal gelingt es Rebecca Gablé praktisch von der ersten Seite an, einen mit in das mittelalterliche England zu nehmen. Farbenprächtig und bildgewaltig erzählt sie die Geschichte von Losian und seinen Gefährten und dies dazu noch so fesselnd, rasant und spannend, dass man das Buch wirklich mal wieder nur schweren Herzens zur Seite legen kann.
Während des Lesens kommt natürlich auch wieder ihr schier unerschöpfliches Wissen der englischen Geschichte zum Vorschein. Problemlos gelingt es der Autorin, die verwinkelten Verwandtschaftsbeziehungen des englischen Hochadels des 12. Jahrhunderts verständlich zu skizzieren und die vielen Ränkespiele zu beschreiben, ohne auch nur einmal langweilig zu werden; ganz im Gegenteil.
Interessant ist auch, dass dieses Mal - im Gegensatz zur Waringham-Trilogie - mehr der Fokus beim einfachen Volk liegt. Und hier ganz besonders die Schwierigkeiten aufgezeigt werden, mit denen sich geistig- und körperlich behinderte Menschen zu dieser Zeit auseinandersetzen mussten oder einfach auch nur Menschen, die etwas anders waren als das "gemeine Volk". So galt man als Aussätziger, wenn man unter Epilepsie litt oder als Besessener, wenn man eine Amnesie hatte. Anschaulich ist hier die Macht der Kirche, explizit der Kirchenmänner beschrieben, die einfach so einen gesunden Menschen als geistig behindert "abstempeln" konnten.
Alles in allem ist Rebecca Gablé wieder ein praller, farbenprächtiger Roman gelungen, von dem man sich sehr gerne für ein paar Tage in das mittelalterliche England "entführen" lässt.
|
|
|
100 von 149 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
hervorragendes Thema, interessant erzählt, aber sehr einseitige Figuren, 6. Oktober 2009
Das neue Buch von Rebecca Gablé befasst sich mit einem sehr ungewöhnlichen Thema. Es handelt von Menschen, die entweder ein körperliches oder geistiges Manko haben. Auf eine Insel werden alle Kreaturen gebracht, die vor Gott nicht einwandfrei geschaffen sind. Mönche bringen diesen Mensch, oder Krüppel, einmal in der Woche das Allernötigste zum Leben vorbei, ansonsten sind ganz auf sich alleine gestellt. Unter ihnen befinden sich Losian, der sein Gedächtnis verloren hat und Simon, der an epileptischen Anfällen leidet.
Als nach einem gewaltigen Sturm ihr Gefängnis auf der Insel zerstört wird, bietet sich einigen von ihnen die Chance zur Flucht...
Ich war äußerst gespannt auf das neue Buch von Rebecca Gablé und begann sofort zu lesen als ich es erhielt.
Das Thema ist ungewöhnlich, aber schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass die Autorin es hervorragend verstanden hat, dieses doch nicht so einfache Thema mit dem entsprechenden Feingefühl so aufzubereiten, dass eine spannende und vielschichtige Geschichte entsteht.
Die Protagonisten sind Losian und der junge Simon. Weitere äußerst wichtige Figuren sind Oswald, ein Junge mit Down Syndrom, Luke, der meint, dass eine Schlange in seinem Bauch wohne, Wulfric und Godric, die siamesischen Zwillinge, King Edmund, der sich für einen Heiligen hält und letztendlich noch Regy, ein bestialischer Massenmörder.
Alleine die unterschiedlichen Figuren verheißen eine interessante Geschichte und Rebecca Gablé enttäuscht den Leser auch nicht. Vielschichtig, bunt und in einem rasanten Tempo nimmt die Geschichte einem von Beginn an mit in diese eigentümliche Welt mit den sonderbaren Gestalten. Simon kommt sich minderwertig vor, da er immer damit rechnen muss, einen Anfall zu bekommen. Eigentlich wäre er der Erbe des großen Gutes seines Vaters, der bereits verstorben ist, aber sein Onkel hat ihn verraten und wegen der Fallsucht verstoßen. Losian kann sich an nichts mehr erinnern. Er weiß nur, dass er einen Mantel der Kreuzfahrer trug, als man ihn verletzt fand und da er jede Nacht von schrecklichen Albträumen heimgesucht wird, ist er sich sicher, dass er in der Vergangenheit Schreckliches getan haben muss.
Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht und was die doch etwas sonderbar anmutende Gruppe alles erlebt Ich war wirklich begeistert, da ich von der Autorin auch die Trilogie über die "Waringhams" las, die mir zwar sehr gut gefiel, aber als großes Manko die sehr schwarz/weiß gezeichneten Figuren auffielen. Sehr positive überraschte mich nun dieses Buch. Aber leider nur so lange, bis Losian sein Gedächtnis wieder findet und aus ihn ein nicht unbedeutender Mann wird...
Ab diesem Zeitpunkt wird das Buch wieder ein "typischer Gablé". Typisch dahingehend, dass die Autorin eine selten feine Begabung hat, den Leser so an ihre Erzählung zu binden, dass er sich in einem richtigen Sog befindet und einfach weiter lesen muss. Typisch weiters, dass die politischen Hintergründe nicht nur perfekt und akribisch recherchiert sind, sondern auch wunderbar mit der Erzählung verwoben sind.
Aber leider auch typisch dahingehend, dass die Figuren sehr stark abgegrenzt in Gut und Böse sind. Gablé ist zwar bemüht ihrem Protagonisten einen vielschichtigen Charakter zu vermitteln, aber man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass sie trotzdem nicht an seinem perfekten Lack kratzen möchte und so lässt sie all die "schlimmen Dinge" seinem ersten "Ich" tun und jetzt, nach dem er sein Gedächtnis wieder gefunden hat, tritt die wundersame Wandlung ein und er wird wieder ein perfekter Held.
Die einzig wirklich herausragende Figur ist die von Regy. Regy (eigentlich Reginald de Warenne) erinnert einen unweigerlich an "Hannibal Lecter" vom "Das Schweigen der Lämmer". Äußerst intelligent, aber unberechenbar. Meines Erachtens die beste Figur aller Bücher die ich bis jetzt von der Autorin las.
Auch auf die sehr ausgeschmückten und detailliert beschriebenen Sexszenen hätte ich gut und gerne verzichten können.
Fazit: Ein kurzweiliges Lesevergnügen mit äußerst interessanten Einblicken in die Politik des 12. Jahrhunderts. Wer sich nicht daran stört, dass die Protagonisten die Guten sind ohne Fehl und Tadel und die Bösen so richtig böse, wird mit diesem Roman ein wunderbares Buch in den Händen halten. Wer jedoch auf anspruchsvolle Kost mit vielschichtigen Figuren hofft, wird enttäuscht werden.
Letztendlich ist ausschlaggebend was man sich erwartet und was man lesen möchte. Unbestritten ist, dass Gablé eine begnadete Erzählerin ist (obwohl die Sprache nicht außergewöhnlich ist), die es versteht, den Leser so zu fesseln, dass er das Buch unbedingt zu Ende lesen möchte.
Gerne gäbe ich 3 1/2 Sterne, da dies aber nicht möglich ist und die Figuren wieder so einseitig geschaffen sind wie in den vorhergehenden Büchern, vergebe ich nur 3.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|