Wenn sich Pioniere zu neuen Ufern aufmachen, hoffen wir mit Ihnen und erwarten Großes. In diesem Fall wünscht man sich außerdem, sie hätten sich etwas mehr Mühe gegeben. Leider muss man nämlich diesen Roman als Fehlstart in allen Punkten bezeichnen.
Die Handlung ist schleppend und unbeholfen erzählt. Besonders die Engelorden und ihre typischen Vertreter hätten deutlicher gezeichnet werden sollen. So aber tappen die Autoren mit "Ariel, die Michaelitin, die Anführerin der Schar, usw." beständig in die Synonymenfalle von Sportreportern, ohne dem Charakterbild wirklich etwas Neues hinzuzufügen. Die Charaktere bleiben eindimensional; ihre gedankliche Entwicklung kommt meistens in Frageform im inneren Zwiegespräch daher.
Auch handwerklich bleibt vieles zu wünschen übrig. Wie in Fan Fiction Geschichten und Pubertätsprosa wimmelt es von Füllwörtern und unnötigen Adjektiven. Die große Anzahl an Schreibfehlern und uneinheitlichen Formatierungen - trotz eigens ausgewiesenem Korrektor - wird dem liebevoll gestalteten Einband in keiner Weise gerecht. Literarische Verweise sind schlecht recherchiert und werden falsch wiedergegeben.
Dies alles wundert angesichts des hohen literarischen Maßstabs, den Co-Autor Oliver Hoffmann in der Regel an Rollenspielveröffentlichungen legt.
Insgesamt müssen sich alle Beteiligten an die Brust schlagen und den Vorsatz fassen, es in Zukunft besser zu machen. Letztlich hat der Verlag dem eigenen Vorhaben eines deutschen Rollenspiels auf hohem Niveau mit dieser Veröffentlichung sicher keinen Gefallen getan. Das ist bedauerlich für den Verlag, für den Autor und für die deutschsprachigen Rollenspieler - besonders aber für das Spiel selbst. Umso mehr, da Feder & Schwert besseres zu leisten in der Lage ist.