Joseph Roth erzählt die Lebensgeschichte seines Protagonisten in märchenhafter Einfachheit mit linearem Handlungsablauf, in scheinbar schlichter Sprache.
Die Hauptfigur Mendel Singer lebt in Zuchnow, einem Stetl in Russland um 1900. Er ist ein streng religiös lebender Religionslehrer ohne Ehrgeiz,der versucht, alles Unjüdische seinem Leben und seiner Familie fern zu halten. Von ihm heißt es im Roman: Er lehrte mit ehrlichem Eifer und ohne aufsehnerregenden Erfolg. Hunderttausende vor ihm hatten wie er gelebt und unterrichtet.
Doch es ist eine Zeit der Veränderungen, die auch vor Zuchnow nicht halt machen.
Mendel Singer hat eine Frau, zwei Söhne und eine Tochter und lebt treu nach dem Gesetz der Vorväter, bis hin zur Bestrafung der Söhne nach (u.a.) Sprüche 13, 24: Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn. Wer ihn liebt, sollte ihn schon von klein auf züchtigen - in Mendels Fall mit dem Gürtel, ab und an.
Doch dann wird ihm ein dritter Sohn geboren, und der ist behindert.
Während seine Frau Deborah verzweifelt sucht, Hilfe für den behinderten Sohn Menuchim zu bekommen, sieht Mendel in dem Kind seine Strafe Gottes, die es zu ertragen gilt. Ein Angebot eines Arztes, das Kind in einem Krankenhaus kostenlos zu behandeln lehnt er ab, denn es würde dort nicht 'koscher' ernährt und von Nichtjuden beeinflusst werden.Gott wird es schon richten...
Den Geschwistern ist der Bruder peinlich, sie quälen ihn, weil sie sich seiner schämen, die Mutter ist ganz mit Menuchim beschäftigt, dass sie ihre sonstigen Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, Mendel trägt sein Schicksal ergeben und verliert die Liebe zu und das körperliche Interesse an seiner Frau.
Doch das 'Fremde' bedrängt sein Leben weiterhin. Die Söhne sollen zur Armee des Zaren gezogen werden, für einen religiösen Juden undenkbar. Sein ältester Sohn findet aber an der russischen Lebensweise und am Militär Gefallen, sein jüngerer Sohn flieht vor dem Wehrdienst nach Amerika und wird Geschäftsmann mit einigem Erfolg. Die Tochter ist ebenfalls herangewachsen und beginnt sich mit Kosaken herumzutreiben. Mendel sieht in dem Angebot, mit Tochter und Ehefrau nach Amerika zu gehen, die einzigste Möglichkeit dieser Schande und dem wirtschaftlichem Elend zu entgehen, auch wenn es bedeutet, dass der behinderte Sohn zurückbleiben muss.
Alles, was dann erzählt wird, bezieht sich wie ein Spiegel auf das bisher erzählte, schlussendlich wird Menuchim gesund, reich und berühmt und wird zu Mendels letztem Glück'
Für mich ist das noch mehr eine kaum erzählte Entwicklungsgeschichte des Sohnes Menuchim, als die Lebensgeschichte seines Vaters Mendel.
Der Sohn Menuchim musste die religiös begründeten Entscheidungen seines Vaters erleiden und konnte sich erst entwickeln, als dieser keinen Einfluss mehr auf ihn hatte. Trotzdem ist er dem Vater dankbar und verbunden, denn dieser hatte ihn diesen einen, besonderen Seelenton hören lassen, der nun seine Musik so besonders macht.
Dieser Roman wirkt durch sein fantastisches Ende märchenhaft und wie in guten Märchen steckt in ihm eine Wahrheit, die nur in dieser märchenhaften Form so vielschichtig und breitdeutbar erzählt werden kann.