Hinze ist der Fahrer, Kunze der Funktionär. Der Sozialismus findet statt in Kunzes Reden, und vielleicht noch darin, daß Hinze darauf antwortet. Wie in den kurzen "Berichten von Hinze und Kunze" lebt der Text von Sprachspielereien, von der Verdrehung öffentlicher Slogans, von schlagfertigen Dialogen. Ist so etwas heute noch interessant? Daß zwei etwas schlitzohrige, aber meist linientreue Genossen darüber fachsimpeln, wie weit sich der Sozialismus in der DDR bereits durchgesetzt hat? Es ist, einerseits, da die Geschichte der beiden nicht in der DDR beginnt, sondern sie als das ewige Paar von Herr und Knecht auftreten, andererseits, da Braun persönliche Erlebnisse und detaillierte Alltagsgeschichten einflicht und so dem ganzen Roman etwas sehr lebendiges verleiht. Teilweise wird sogar der Verlauf der Erzählung selbst kritisert, zurückgezogen, neu begonnen. Ideologie ist in diesem Buch nur dort anwesend, wo der Text im Bemühen, ihr nicht auf die Füße zu treten, etwas holprig wird. Der Roman verfolgt keine Geschichte, keine Entwicklung: lose sind Gespräche, Anekdoten und Schilderungen verknüpft. Wer die damaligen Parolen nicht mehr im Ohr hat, dem wird vieles fremd erscheinen, trotzdem ist dieses Buch nicht nur ehemaligen DDR-Bürgern zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)