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Hinterm Horizont allein - Der "Prinz" von Prora. Erfahrungen eines NVA-Bausoldaten
 
 
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Hinterm Horizont allein - Der "Prinz" von Prora. Erfahrungen eines NVA-Bausoldaten [Broschiert]

Stefan Wolter
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 348 Seiten
  • Verlag: Projekte-Verlag; Auflage: 2 (Februar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866340281
  • ISBN-13: 978-3866340282
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 13,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 446.944 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Stefan Wolter
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Wie oft hat man sich hier nach irgendwelchem Ärger oder einer Maßnahme hingelegt und geschlafen, einfach weil es das beste Mittel zum Vergessen und zum Abtöten von Angst ist [...] Nach 17 Monaten zieht man so langsam Fazit und wir kommen wohl darin überein, dass man sich hier weniger körperlich fertig macht, als vielmehr seelischer Natur. Es ist eine große Mühle hier."Als der damals 20-jährige Bausoldat im März 1988 dieses Resümee zieht, ist seine Zeit in der Nationalen Volksarmee der DDR fast vorüber. Zeit, die der Verweigerer der Waffe meist hinter den Stacheldrahtzäunen von Prora verbrachte. Prora ist heute bekannt für seinen feinen Sandstrand - und für seine gigantische "KdF-Anlage". Das im "Dritten Reich" geplante Seebad für 20.000 "Volksgenossen" wurde nie bezugsfertig. In den 1950er Jahren begann der Ausbau zu einem der großen Militärstandorte der DDR. Überwältigend authentisch und ohne Tabus erzählt das Buch die Geschichte eines Jugendlichen, der in den Fängen des berüchtigten "Koloss' von Prora" erwachsen wird. Eindrucksvoll und sensibel offenbaren Briefe und literarische Reflexionen den täglichen Kampf um das Überleben des eigenen Stolzes. Ein Ringen, in dem sich eine immer enger werdende Freundschaft anbahnt ...

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Aufarbeitung und Aufklärung 21. September 2006
Format:Broschiert
Ein lange überfälliges und daher in seiner Art auch einzigartiges Buch. Prora ist den meisten als (nie fertig gestelltes) KdF-Bad bekannt. Das der ursprüngliche Hotelkomplex dann tatsächlich als Armeestützpunkt genutzt wurde, wissen sicher schon deutlich weniger.

Stefan Wolters Verdienst ist es mit diesem Buch das Thema (und Trauma) NVA einfühlsam und erschütternd zugleich und vor allem sehr ehrlich zu schildern. Damit leistet er auch einen großen Anteil sowohl der eigenen Aufarbeitung als auch der des interessierten Lesers. Aber auch diejenigen, die diese Zeiten so nicht erlebten, erfahren viel über die wirkliche DDR, über den Druck, der teilweise sehr heftig ausgeübt wurde. Dadurch hebt sich das Buch sehr wohltuend von der gelegentlich unkritischen DDR-Nostalgiewelle ab und der Autor fügt einen sehr wirksamen Beitrag zur Aufklärung hinzu.

Die schon in der Schule einsetzende, vormilitärische Erziehung, die Erniedrigungen in der Kaserne, das Gefühl des Eingesperrtseins, all das wird so stark und eindrucksvoll beschrieben, dass man sich sehr gut in das Denken und Fühlen des jungen Bausoldaten hineinversetzen kann. Gerade die bisher nur sehr ungenügend berücksichtigte Rolle des aus Konfessionsgründen verweigerte Tragen der Waffe in der DDR wird hier zum ersten Mal geschildert. Bausoldaten standen daher gerade auch innerhalb der das System stützenden Armee im gesellschaftlichen Abseits. Was das für Auswirkungen auf jeden einzelnen hat, kann nur derjenige beschreiben, der es hautnah erlebt hat.

Und doch fanden sich sehr persönliche Nischen, in die man sich flüchten konnte, auch den Aspekt beschreibt Stefan Wolter. Der Wille zum Weiterleben, die Liebe zur Natur, der Wunsch, irgendwann nicht mehr nur einfach funktionieren zu müssen, er war sehr stark und offenbart einen weiteren, wichtigen Punkt: Die letztendliche Behinderung der eigenen, persönlichen Entfaltung, des Weges zu sich selbst, gerade in einem Alter, das für die weitere, eigene Entwicklung sehr wichtig ist. Das enge Verhältnis zu einem jungen Mann gibt Nähe und Geborgenheit und hilft, die seelisch grausamen Zeiten zu überstehen. Gleichzeitig zeigt es einen inneren Konflikt auf, der gerade auch durch den tiefen Einschnitt, der Prora auslöste, zur damaligen Zeit so nicht lösbar war.

Umso mehr darf man auf die Fortsetzung gespannt sein.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Die letzten Jahre der DDR werden aus einer Perspektive beleuchtet, die nur sehr wenigen in diesem Land bekannt war. Das allein schon lohnt die Lektüre. Bausoldaten gab es in der DDR seit 1964, bekannt war das allenfalls in innerkirchlichen Kreisen. Dass junge Männer den Dienst an der Waffe ablehnen durften, wenn sie denn bei der Einberufung einen triftigen Grund ("religiöse Bindung" konnte durchgehen) geltend machen konnten, war in breitesten Kreisen dieser sogenannten "Demokratischen" Republik nicht bekannt. Die Alternative hieß Bausoldat. Die andere Alternative hieß "Totalverweigerung", was in der Regel mit Militärknast belohnt wurde. Allein die Angst vor dem Militärknast, der in Schwedt zu absolvieren war, konnte schon alles Leben aus einem jungen Menschen löschen ...
Stefan Wolter schreibt sich mit diesem Buch (viele Jahre mussten vergehen) seine Seele frei - und bisher hat (meines Wissens) noch keiner so ungeheuer intensiv und ohne Scham vor Tränen dieses Kapitel DDR beschrieben. Es musste einfach geschrieben werden!
Und es sollte unbedingt gelesen werden von Menschen, die mehr über die Geschichte der Gott sei Dank untergegangenen DDR wissen wollen. - Der Rezensent war selbst Bausoldat; freilich eine ganze Generation vor diesem Autor.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Unverdrossen steht er da, der Koloss von Prora. So zieht es jährlich Tausende Rügen-Besucher nach Prora, um Ruinenromantik, Kraft-durch-Freude-Architektur oder NVA-Devotionalien zu bestaunen.
Zurückgezogen hat es auch den ehemaligen Bausoldaten Stefan Wolter. Ende der achtziger Jahre erlebte der damals neunzehnjährige Pfarrerssohn die berüchtigte NVA-Kaserne Prora als unfreiwilligen Einschnitt seiner Jugend.
Sein Erfahrungsbericht “Hinterm Horizont allein - Der Prinz von Prora” thematisiert eine heute weithin vergessene Randgruppe in der Hierarchie der Nationalen Volksarmee. Waffenverweigerung in der NVA, das scheint in der zumeist populären Rückschau auf die DDR und ihre militärischen Organe kaum marktträchtig zu sein. Zu wenig Schneid, zu wenig Tamtam, zu wenig Blitzen und Knallen.
Dabei entschieden sich in der Endphase der DDR immer mehr Jugendliche, den Dienst mit der Waffe zu verweigern. Nicht nur Gewissensgründe, sondern schlicht Unlust am Gehorsam kamen zum Tragen. Unter den “Dreckschippen”, wie die Bausoldaten salopp genannt wurden, kursierten bereits Mitte der achtziger Jahre Flugblätter gegen Drill in Heer und Staat. Adieu Vaterland!
Wolter beschreibt sein kaserniertes Dasein anfangs mit fast kindlichem Staunen. Er beschönigt den Kantinenfraß und schwärmt von Sonnenaufgängen über der Prorer Wiek. Doch mehr und mehr dokumentieren seine Briefe an Eltern und Freunde Zweifel und Ratlosigkeit, schließlich Ekel und offene Widerwehr gegenüber willkürlichen Offizieren. Unter der Kompanie der Bausoldaten residiert der militärische Stab der Kaserne. Die Andersdenkenden tun gut daran, dem stets mißgelaunten Kompaniechef erst gar nicht unter die Nase zu treten. Kurzfristig gestrichener Urlaub und die bewusste Einschränkung religiöser Handlungen gehören zu den täglichen Maßregelungen.
Wie ein Hamster im Rad, so hastet Vorarbeiter Wolter täglich über das Sandspülfeld der sozialistischen Großbaustelle Mukran, deren Mangelwirtschaft sich allenthalben erahnen lässt. Zudem muss er nächtelang ein Telefon bewachen, das nicht funktioniert. Wolter fürchtet sich vor einem Absturz, einem Blackout. Davor, an der Absurdität des Armeealltages zu zerbrechen.
Rückhalt findet er schließlich bei seinem Freund Thomas. Müde von Zucht und Ordnung, auch irretiert über die eigenen Gefühle flüchten sich beide Männer in die Dünen. Doch am Ende seines Prora-Traumas muss Wolter feststellen, dass weder die Zuneigung zu seinem Kameraden noch seine mühsam erlernten Überlebensregeln gesellschaftsfähig sind.
Dem heute in Berlin lebenden Journalisten ist es gelungen, am Beispiel Nischendasein NVA die Hoffnungen und Desillusionen eines Jugendlichen während der Endzeitstimmung der späten DDR zu reflektieren. “Ja, das geloben wir” - wer je die Facetten dieses Treueschwurs in der Realität erfahren hat, dem bietet das Buch Stoff zur eigenen Aufarbeitung.
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