...aber dürfen dürfen Sie.." - Frau Pilarski, die Frau vom "Hauswart" auf die Frage von Hans Odefey, dem Helden aus Hinterhofhelden, der hier in den frühen 80ern auf der Suche nach einer Behausung im Berliner Arbeiterbezirk Neukölln gelandet ist und soeben gefragt hat, ob er sich mal ein Zimmer angucken kann..
Tja, die Berliner Schnauze ist ja ebenso legendär wie Neukölln und anfangs steht der junge Studienanwärter, aus der norddeutschen Provinz, der zu allem Ärger auch noch recht schüchtern ist, ein bisschen da, wie von einem anderen Stern.
Die Wohnung und die Begegnung mit den beiden Pilarskis erweisen sich als schicksalhaft - der im Roman entworfene Planet Neukölln saugt den jungen Mann in seinen Dunstkreis - was wird er mit diesem Fremdkörper anstellen und wird er ihn je wieder ausspucken?
In Hinterhofhelden kann man mitfiebern und bei etlichen der kleinen und größeren Erlebnisgeschichten, war ich als Leser schon geneigt manchmal ein bisschen vorzublättern, da ich mir doch einige Sorgen um das psychische wie auch physische Wohlergehen unseres neuen Freundes machen musste...Er hat es als schließlich abgebrochener Student (damit verrate ich nicht zu viel, weil das ja schon ziemlich schnell passiert) ja nicht nicht nur mit Suff- und Prollromantik zu tun - sondern auch mit handfesten Unbilden des Gefühlslebens - klar, ein junger Mensch mit viel Zeit und auch auf der Suche nach der eigenen Identität - sowie dem Problem, an Finanzen heran - und mit einem unbeschädigten Selbstbewusstsein davonzukommen.
Wir begleiten Hans Odefey ein paar Jahre dabei, wie er in Neukölln ankommt und selbst ein Stück weit Teil vom "Miljö" wird - Dabei ergeben sich immer wieder unglaublich spannende aber auch anrührende Einzelepisoden, die die ganze Geschichte sehr lesenswert und gut unterhaltend machen.
Auch dieses Buch ist (wie viele Bücher heute) ein Buch über die frühen 80er Jahre, wobei hier mal wohltuend auf zu viel Namedropping und etwaige Szenekompatibilität verzichtet wurde. Lediglich einige Straßennamen und ein paar Songs werden eingestreut, in eine Geschichte, die tatsächlich mal durch Inhalt getragen wird.
Das Buch ist gut lesbar und in einem angenehmen Stil verfasst, einmal festgelesen, legt man die Hinterhofhelden eigentlich nicht mehr aus der Hand, außer der Nachbar klingelt vielleicht und will irgendwas, aber dass man da manchmal besser nicht aufmacht, das weiß man aus diesem Buch..