Gerade bei dem aktuellen Wetter, Januar und warm, ist ein Buch, welches im tiefsten Schnee spielt eine gelungene Sache. Christopher Ross ist für seine nordamerikanischen Werke bekannt, sodass die Wahl nicht schwer fiel.
Der Einstieg in das Buch beginnt mit dem Flug und dem Flugzeugabsturz in der Wildnis. Durch die dramatischen Ereignisse ist der Leser sofort gefesselt, und möchte mehr erfahren. Mittels zahlreicher Rückblenden erfährt der Leser das Kennenlernen zwischen der Protagonistin Clarissa und ihrem Mann Jack. Ross gelingt es die Liebe und innere Verbundenheit mit wenigen Worte so zu beschreiben, dass der Leser sie selbst spürt. Dadurch glückt es dem Autor auf perfekte Art und Weise seine Protagonistin zum Leben zu erwecken. Liebenswert, stark, kämpferisch, romantisch, treu und liebevoll wird Clarissa als Hauptfigur beschrieben. Sie ist eine Figur mit der es leicht fällt sich zu identifizieren. An manchen Stellen wirkt sie zwar übermenschlich, aber in gewissen Situationen, wird jeder feststellen, dass er über seine Grenzen wächst und vielleicht so von anderen gesehen wird. Auch die anderen Charaktere, wie zum Beispiel Frank, werden charakterstark, einfühlsam und sympathisch geschildert. Es sind Personen wie du und ich, sodass das Lesen in diesem Punkt ein echter Genuss ist. Besonders die Gefühle und Handlungen sind so realistisch und verständlich geschildert. Alleine, wie lange Clarissa gegen ihre Gefühle ankämpft, aus Treue zu ihrem verstorbenen Mann, ist erstklassig umgesetzt worden.
Nicht nur die Charaktere geben dem Buch das gewisse Etwas. Die Handlung ist ebenfalls von Anfang bis Ende durchdacht. Der Kampf ums Überleben in der Wildnis, die zarte Liebesgeschichte bis zum spannenden Höhepunkt beim Rennen. Von Abenteuer bis hin zur Romantik ist alles vertreten. Zudem wird die Landschaft hervorragend in Szene gesetzt und die historischen Hintergründe in Nordamerika, denn das Buch spielt 1930, berücksichtigt. Im Grunde ist dieses Werk sehr realitätsnah umgesetzt. Damit wäre ich jedoch beim einzigen Kritikpunkt, den ich finden konnte, nämlich Nanuk. Immer wenn die Protagonistin alleine ist, in eine brenzlige Situation gerät oder einen Rat braucht, es taucht dieser Geister-Wolf auf. Dieses mystische passt einfach nicht zum Rest der Umsetzung. Wäre es zum Beispiel ein Wolf gewesen, der vom verstorbenen Trapper großgezogen wurde oder aus einem anderen Grund menschenfreundlich gewesen wäre, ich hätte diesen Teil sogar sehr gut gefunden, aber Mystik passt hier nicht hinein. Es sind Indianer-Legen, wirken jedoch leicht Fehl am Platze.
'Nanuk! Nanuk!', wiederholten die anderen Jäger ehrfürchtig. 'Der Wolfshund, der mit den Geistern im Bunde ist!' Ihr Anführer wich einen Schritt zurück und blickte Clarissa erstaunt an. 'Bist du eine Geist-Frau?' (Zitat S. 63)
Nichtsdestotrotz macht das Lesen von Anfang bis Ende riesigen Spaß. Dies liegt unter anderem an dem flüssigen, modernen, beschreibenden und keineswegs langatmigen Stil. Obwohl vieles bis ins kleinste Detail beschrieben wird, hatte ich nie das Gefühl, dass diese Details überflüssig waren, oder der Text langgezogen wirkte.
Bis auf diesen mystischen Anteil, der den Wolfshund umgibt, ist das Buch durchweg Abenteuer pur. Wer das wilde, raue und kalte Kanada des Jahres 1930 erleben will, sollte sich dieses Buch kaufen.