Der Blick hinter die Schleier Irans gelingt Christine Hoffmann leider nur zum Teil. Sie bemüht sich, auf der Basis ihres langjährigen Aufenthalts im Iran den Leser durch Schilderung privater Erlebnisse tiefer gehende Erkenntnisse zu vermitteln. Diese Methode ist durchaus anerkennenswert und macht die Lektüre gelegentlich auch interessant. Sie überstrapaziert diese Methode jedoch und langweilt den Leser z.B. dort, wo sie (von Seite 159 bis 179) ein ganzes Kapitel nahezu minutiös über ihre eigene Schwangerschaft berichtet; nur sehr selten abstrahiert sie dabei. Häufig, vor allem in den ersten Kapiteln, springt sie von einem Aspekt zu einem anderen. Auch sprachlich kann ich mich dem überschwänglichen Urteil von Adolf Muschg auf der Rückseite nicht anschließen: Seitenweise ermüden Interviews mit kurzen, kürzesten Antworten ("Ja" bzw. "Nein"). Dass Muschg ein derart positives Urteil fällt, verwundert allerdings kaum angesichts offenkundiger persönlicher Beziehungen zur Familie der Autorin, wie aus dem Text hervorgeht. Ob der Verlag hierbei gut beraten war, wage ich zu bezweifeln. Der Leser denkt sich eher: "Nachtigall, ick hör' dir trapsen" und wird dieses Buch nicht weiter empfehlen.