dieses buch entwickelt beim lesen ein ganz eigenes flair - so wie ich es bisher bei keinem anderen buch gefunden hab. das liegt zum einen an der feinen, geschliffenen, sehr eleganten sprache mit der erzählt wird und zum andern am wahrhaft diplomatischen habitus des gesandten v.mumm, in die sich der autor hervorragend hineinzuversetzen versteht. kein wort, kein satz zuviel und keiner zu wenig.
die handlung führt ins jahr 1900 nach china, das eine schwere innenpolitische krise durchlebt, von der außenpolitik ganz zu schweigen. das land versinkt in chaos und problemen: die ausländischen kolonialmächte versuchen china unter sich aufzuteilen, was nur deshalb nicht gelingt, weil sie sich gegenseitig belauern und austricksen wie die übelsten zocker. die chinesen selbst proben den aufstand in form des "boxeraufstands", weil sie der mißlichen zustände im land überdrüssig sind und die "fremden teufel" vertreiben möchten. in dieser situation verfügt sich die regierung (sprich der kaiserhof) nach xian, weit im westen. allein die beschreibung dieser reise sagt viel sehr über china um 1900!
beim boxeraufstand ist es so, wie immer in solchen lebenslagen: wo gehobelt wird, fallen späne. in diesem fall der deutsche botschafter clemens von ketteler. das wiederum eröffnet dem deutschen kaiser eine günstige gelegenheit aktiv zu werden und er schickt seine interessenvertreter los: den diplomaten v.mumm und den feldmarschall v.waldersee. der eine soll möglichst den mord an seinem vorgänger klären, der andere soll die deutschen ansprüche in china sichern und nebenbei 4 milliarden reichsmark (!) entschädigung rausholen.
es entwickelt sich eine faszinierende geschichte, die von den ganz eigenen typen lebt, die agieren. jeder hat irgendein geheimnis - und viele davon bleiben es auch.
die atmosphäre ist geprägt von überheblichen, rassistischen ansichten auf der seite der kolonialmächte und von aberglauben, angst vor neuem und konservativem klammern auf der chinesischen seite. schlaglichtartig wird die härte des lebens der einfachen chinesen beleuchtet, der glanz des kaiserhofs und die erstaunliche unkenntnis der ausländer, die schon jahrelang dort leben und nichts (oder nicht viel) von china und seinen menschen wissen.
die geschichte orientiert sich an historischen tatsachen (obwohl ich die gestalt des gesandten v.mumm nirgendwo in den geschichtsbüchern gefunden habe, nur seine vorgänger und nachfolger) und das macht sie spannend und interessant.
absolut empfehlenswert!