Der Krieg der Japaner gegen die Aliierten in Asien, gegen Briten, Australier und Amerikaner; der asiatische Schauplatz des 2. Weltkriegs - das ist in Europa selten ein Thema. Ich kannte diesen Krieg bisher nur aus wenigen Romanen oder Filmen (überragend: James Clavell: Rattenkönig), von daher hat mich die Handlung dieses Romans schon einmal grundsätzlich interessiert. Die Hauptfigur ist ein junger Australier, der aber eigentlich Engländer ist (als Waise zu den Verwandten nach Australien gekommen), der sich für die Fliegerei begeistert und der so, als Pilot gegen die japanische Armee eingesetzt, den 2. Weltkrieg erlebt. Neben dem Kriegsgeschehen geht es in dem Buch noch um viele andere Dinge: um den Umgang der Australier mit den Eingeborenen, um die Kolonialherrschaft der Holländer, um die Identität der Australier als Volk und Nation, um die Liebe des Protagonisten für eine Frau, die unerreichbar scheint, da sie verheiratet ist. Und es geht auch um familiäre Konkurrenz, um enttäuschte Erwartungen, um kindliche Ängste und den Verlust von Familie. Da scheint sich der Autor recht viel vorgenommen zu haben: Und das ist auch so. Und vielleicht ist es wirklich ein bisschen viel, zu viel, um die Themen zu bündeln und so zu behandeln, dass man ihnen gerecht werden kann. Diese Kritik ist berechtigt, zumal sich die komplizierten Strukturen und Beziehungen zwischen den Hauptfiguren am Ende dann sehr plötzlich und doch etwas zu leicht auflösen. Dennoch hat mich das Buch angesprochen, und das ist sicher nicht nur den oben angesprochenen interessanten und für mich neuen Themen des Buches geschuldet. Es ist vor allem die Hauptfigur, die interessant gezeichnet ist, die sich entwickelt (ein wenig ist dies auch ein Entwicklungsroman, allerdings ein knapper, ein abgebrochener), die auf Suche ist. Die Hauptfigur, deren weiterer Weg den Leser interessiert und die dadurch dem Roman Spannung verleiht. Bei der Zeichnung seiner Charaktere zeigt Garry Disher auch insgesamt Geschick über das normale Maß gewöhnlicher Unterhaltungsliteratur hinaus. Insofern lautet mein Fazit: Keine ganz großer Literatur, aber interessanter Einblick in die Geschichte Australiens im 2. Weltkrieg, interessante Figuren, gute erzählerische Einfälle, Unterhaltungsliteratur im oberen Drittel.