Dieser Bildband verdient Auszeichnungen für seine photographische und klimathematische Auseinandersetzung mit der Bergwelt. Es gelingt hier in vortrefflicher Weise, das Aufeinandertreffen von verschiedenen Nutzungen und Betrachtungen mit zeitlicher Verzögerung darzulegen und hierbei doch genügend Spielraum für persönliche Interpretationen zu lassen.
Dabei ist es nicht nur die Assoziationskraft, welche das Nebeneinanderstellen von zwei Photographien aus unterschiedlichen Epochen so besonders macht. So schafft es der Photograph Lois Hechenblaikner vortrefflich, seine farbigen neuzeitlichen Aufnahmen neben die schon historisch zu nennenden Aufnahmen von Armin Kniely zu stellen. Dieser hatte insbesondere das wirtschaftliche Leben in der alpinen Bergwelt mit schwarz-weißen Aufnahmen zwischen den 1930er und 1960er Jahren festgehalten. Die zwischen 1995 und 2008 entstandenen Farbaufnahmen von Lois Hechenblaikner wirken durch ihre unterschiedlichen Akzentuierungen von Wirtschaft und Kommerz, die mal vordergründig sind, mal eher wie zufällig vor der landschaftlichen Kulisse entstanden sind.
Die Parallelsetzungen zwischen den schwarz-weißen und den farbigen Aufnahmen sind mal der Form geschuldet, mal dem Inhaltlichen und mal dem ähnlichen Umfeld.
Da können beispielsweise Milchfässer und Bierfässer, Heiligenbilder und Pinup-Fotos, Schneepflug und Ochse, Skiliftkreuzformen und Marterl, Rindviehmärkte und Kraftfahrzeugparkplätze, Heu- bzw. und Golfschlägerwagen-Ziehende nebeneinander stehen. Äußerst krass ist so auch die Parallelziehung von einem geschlachteten Schwein und einer massierten Frau.
Alles in allem regt der Band ungemein an, über die Gestaltung der Bergwelt und ihre Nutzung bzw. ihren Schutz nachzudenken und zu -fühlen.
Die Schocksituationen, welche sich bei manchen Betrachtungen einstellen werden, werdne hoffentlich so manchen zur Besinnung kommen lassen und helfen, sich wieder über das oftmals so kroteske Leben mit und in den Bergen bewusster zu werden.
Die fehlende Darlegung über den Ort der Aufnahme bzw. über das gezeigte Motiv ermöglicht es, noch tiefer einzusteigen in die Betrachtung und nicht von einem zum nächsten zu wechseln. Nicht zuletzt die editorischen Begleittexte von Thomas Weski und Wolfgang Ullrich werden helfen, über die Betrachtung und den ernsten Humor der Bilderzusammenstellung hinauszudenken.
"Hinter den Bergen" stellt sich bewusst vor die Berge und sollten jedem Alpinfan und jedem Umwelt- und Naturschutzverpflichteten eine lohnende, nachdenklich machende Lektüre und Betrachtung sein. Ein schönes Geschenk, das auch als Ausstellung viele Menschen erreichen könnte.