Wer selbst jahrelang gereist ist, so wie ich, findet hier seine Erfahrungen unterwegs bestätigt. Wer jemals durch die Mongolei, von Kairo nach Kapstadt, oder von Alaska nach Ushuaia gefahren ist, wird lächelnd-weinend diese 300 Seiten lesen, und dabei denken "Ja, genauso war es!". Die vielen Themen im Buch, ob Missstände in Afrika, die bunte Vielfalt in Südamerika, die Freundlichkeit in der Mongolei oder Patriotismus und Erlöserwahn in Amerika, sind nichts Neues für Overlander. Über solche Themen unterhalten sich Langzeitreisende untereinander ständig, wenn sie irgendwo auf einem Campingplatz zusammengewürfelt sitzen. Dennoch ist es schön endlich ein Buch gefunden zu haben, wo diese Unterhaltungen und Gedanken auch niedergeschrieben wurden. Dazu noch gleichermassen bissig und witzig. Eine schöne mischung! Sehr viele Reisebücher sind eher "Heute hier, Morgen dort, ich bin in drei Wochen Rally-style nach Kapstadt gerast und habe die Welt durch die Windschutzscheibe erlebt".
Wer die Welt lieber vom Fensehsessel aus betrachtet, wird sich wahrscheinlich öfters über Many's Beschreibungen wundern. Sie stimmen halt nicht immer mit der Medienpräsentation überein. Natürlich sind Many's Sichtweisen rein persönliche Schussfolgerungen. Betont er selber im Buch, schon auf der ersten Seite, dann immer wieder. Aber alleine steht er mit seiner Betrachtungsweise ganz sicher nicht! Wer jahrelang auch auf Tour war, wird sehr ähnlich denken!
Also: wer was Authentisches lesen sowie einige Abenteuer miterleben will und viele globale Interessen hat, ist hier genau richtig.
Wer Seite auf Seite ausschliesslich "coole" Adrenalin-Abenteuer lesen möchte, und sich für Soziales, Politisches und Hintergrundinfo überhaupt nicht interessiert, sollte sich was anderes kaufen. Reine Abenteuer-Reiseliteratur gibt es mehr als genug! Für mich aber ist dieses Buch einzigartig und hätte locker doppelt so lang sein können: 100 Sterne!