Drei Gründe, warum ich den Film für ein Ärgernis halte ... Entgegen der Erwartung, die der Titel wecken mag, hat er mit dem wahren Mordfall nur am äußersten Rande zu tun. Alle Figuren der Handlung sind bloße Schablonen gängiger Hinterwäldler-Vorurteile, zudem hält die Geschichte derart abstruse Wendungen parat, dass der Film ständig ins Lächerliche kippt.
Zum Inhalt: Den Fotografen Marc (äußerst nüchtern dargestellt von Benno Führmann) verschlägt es gemeinsam mit seinem Sohn in das bayrische Provinznest Hinterkaifeck, wo er an einer Fotoserie arbeiten möchte. Statt idyllischer Landschaften und bayrischer Gemütlichkeit wird er jedoch von ganz anderen Bildern heimgesucht: nächtliche Alpträume führen ihn immer wieder auf einen Einödhof des Dorfes, auf dem vor Jahrzehnten eine Familie samt Magd erschlagen wurde. Der Mörder wurde nie gefasst und als Marc beginnt, Nachforschungen anzustellen, muss er feststellen, dass die feindseligen Dorfbewohner etwas Furchtbares zu verbergen haben...
Die beiden Hauptdarsteller Führmann und Alexandra Maria Lara als Dorfschönheit Juliana sind in Ordnung, vermögen diesen Stuss jedoch nicht zu retten. Zunächst einmal klaffen in der Story kilometergroße Logiklöcher. Dies beginnt schon bei der Figur des Fotografen Marc. Berücksichtigt man seine ersonnene Verstrickung in die Geschehnisse, müsste er mindestens in seinen 50ern sein, nicht aber Mitte 30. Viel zu frisch wirkt auch die einzige noch lebende Zeitzeugin des Verbrechens, die sich zwar redlich bemüht, möglichst klapprig durch die Kulissen zu buckeln, unter deren Kopftuch sich jedoch im Höchstfall eine rüstige Rentnerin verbirgt. Auch die Darstellung der hiesigen Bevölkerung kann mir, die ich ebenfalls in dieser Gegend aufgewachsen bin, nur ein amüsiertes Schmunzeln entlocken. Obwohl die Geschichte im tiefsten Niederbayern angesiedelt ist, spricht keiner der Protagonisten auch nur anflugsweise im bayrischen Dialekt. Abgesehen aber von diesem Patzer wird wirklich kein bekanntes Hinterwäldler-Klischee ausgelassen: die Dorfgemeinde ist verschworen und feindselig, beäugt jeden Fremden mit Abneigung und Misstrauen. In der Freizeit wird am liebsten gemeinsam mit dem Herrn Pfarrer der Pelzebub ausgetrieben und um liederlichen Zeitgenossen einen Denkzettel zu verpassen, schmeißt man sich schon mal ins Perchtenkostüm und stößt zur Abschreckung kehlige Urlaute aus.
Wenn der Film also weder viel mit dem wahren Mordfall zu tun hat, noch schlüssig oder originell daherkommt, ist er dann wenigstens gruselig? Nun, zumindest dies lässt sich aus meiner Sicht mit Ja beantworten. Die nächtlich-nebeligen Szenen im Wald und auf dem Einödhof sind klaustrophobisch schön gefilmt und lösen durchaus Gänsehaut aus. Leider übertreibt es die Regisseurin auch hier und lässt die kleine Schauermähr in einem hanebüchenen Finale gipfeln, bei dem wieder ganz tief in die Klischeekiste gegriffen wird, selbst ein Kampf mit den berühmt-berüchtigten Mistgablen wird nicht ausgelassen. Das Handeln der Figuren ist dabei absolut bar jeder Vernunft und in keiner Szene mehr nachvollziehbar, so dass man nach der letzten Filmminute die Macher dieses Schunds allzugern mit einer Reuthaue verfolgen würde. Dann doch lieber die Verfilmung von Tannöd gucken, die zwar auch nicht frei von Klischees ist, aber in Sachen Absurdität noch weit, weit hinter diesem Filmchen zurückliegt.