Produktinformation
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Deutlich runder als vormals kleiden Tomte ihre Songs in gitarrenorientierten Pop eigener Machart und wachsen weit über den abgeschmackten Begriff der Hamburger Schule hinaus. Die Singleauskopplung und gnadenlos ehrliche Verneigung vor dem Leben "Schreit den Namen meiner Mutter", die Hommage an bleibende Werte "Endlich einmal" und die verspielte Liebeserklärung an die Freundschaft "Von Gott verbrüht" sind nur die drei besten der zehn Nummern des Albums, die dem Leben allgemein und der deutschen Musikkultur im Besonderen Sinn und Trost verleihen. Besser geht's nicht. Außerdem lobenswert, weil eingefügt, und überaus dem tieferen Verständnis zuträglich: Uhlmans Statements im Booklet zu jedem Lied. Textauszug gefällig? Einer vollkommenen Skulptur hackt man kein Stück ab, um damit zu werben. --Felix von Vietsch
So habe ich mir die Scheibe mit entsprechenden Erwartungen angehört.
Erstes Mal hören: "Oh Gott, der Typ singt ja furchtbar! Das Ganze wirkt einfach nur dahingeleiert. Als ob irgendjemand einen total sinnlosen Text, der in kein (Reim-) Schema passt, mit aller Gewalt in ein Lied quetschen will." Nein, das ist nicht melodiös.
Mann, war ich enttäuscht. Aber irgendwas muss doch dran sein. Nach einer Weile:
Zweites Mal hören: "Naja, reißt mich nicht zu Begeisterungsstürmen hin, aber die Refrains sind nett."
Folge: Ich kriege einige der Refrains nicht mehr aus dem Kopf. Im Gegenteil: Sie bohren sich immer fester rein. Darum:
Drittes Mal hören: "Die Refrains sind nicht nur nett, sondern richtig gut. Und irgendwie passt dieser total anormale Gesang sogar dazu."
Deshalb:
Viertes Mal hören: "Mensch: die Refrains sind richtig klasse. Und die Lieder haben ja doch Strophen. Die Texte sind zwar immer noch verquer, erzeugen aber eine seltsame Stimmung. Sogar der Gesang passt perfekt. Das darf gar nicht anders gesungen werden!"
Das sind gute Gründe "Hinter all diesen Fenstern" immer wieder zu hören.
X-tes Mal hören: "Klingt vertraut. Und gut. Da kommen richtig Gefühle rüber. Dieses Album ist eine Offenbarung, für jede Stimmung das passende Lied und doch ist es ein geschlossenes Ganzes. Mann, bin ich froh, dieses Album kennen und lieben zu dürfen. Das ist ganz großes, authentisches (Gefühls-) Kino."
Was will der Autor damit sagen?
Nun:
Wer Tomte nicht kennt, wird es anfangs schwer haben mit diesem Album, vielleicht nie einen Zugang finden. Wer aber offen ist für nicht radiotaugliche Musik und gerne mal in Melancholie schwelgt, sich aber dennoch eine gute Portion Hoffnung bewart, kann an diesem Album durchaus Gefallen finden.
Man sollte dafür aber einige Hördurchgänge und natürlich Zeit zum Sackenlassen einplanen. Die Musik ist so anders, dass man sich an diese Andersartigkeit erst gewöhnen muss, um sich dann ungestört auf ihre Schönheit konzentrieren zu können.
Zum einfach mal Spaß haben ist die CD hingegen definitiv das falsche. Es ist Musik, die man am besten alleine und mit voller Aufmerksamkeit hört. (Sie funktioniert auch laut.) Man sollte sich schon aktiv mit ihr beschäftigen. Wer nebenbei im Internet surft oder Sport treibt, erfasst wahrscheinlich nicht die Tiefe dieses Albums.
Vielleicht ist die CD eher etwas für emotionale Menschen (schimpft mich Weichei; ist mir egal) oder solche mit Tendenz dazu. Wer sich nicht dazu zählt, sollte sich das Album besser nicht kaufen.
Beim ersten Mal Hören hielt ich diese Cd für ein wenig interessantes Tocotronic-Flowerpornoes Cover. Lesen Sie weiter...
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